Bündner Kantonsgericht

22. August 2011 13:08; Akt: 22.08.2011 14:26 Print

Blochers Ex-Buchhalter streitet alles ab

Er soll Blochers Ems-Chemie mit Scheinfirmen um 13 Millionen Franken betrogen haben. Doch der ehemalige Chefbuchhalter will vom Millionenbetrug nichts wissen.

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Der mutmassliche Komplize des ehemaligen Buchhalters der Ems-Chemie, links, und sein Anwalt betreten am Montag, das provisorische Kantonsgericht in Chur. (Bild: Keystone)

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Der Ex-Chefbuchhalter in Christoph Blochers Ems-Chemie bestreitet weiter, das Unternehmen mit einem Komplizen um 13 Millionen Franken betrogen zu haben. Die zwei Angeklagten wehren sich seit Montag vor dem Bündner Kantonsgericht gegen ihre erstinstanzliche Verurteilung.

Der ehemalige Chefbuchhalter war vor einem Jahr vom Bezirksgericht in Domat/Ems GR wegen Betrugs und weiterer Delikte zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er wurde für schuldig befunden, das Chemie-Unternehmen mit einem Komplizen um 13 Millionen Franken betrogen zu haben. Der 67-jährige, ebenfalls angeklagte Kumpane wurde zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.

Die beiden heutigen Rentner hatten die Ems-Chemie mit einem System von Scheinfirmen um Millionen von Franken erleichtert. Der 67-Jährige stellte Rechnungen aus, der Chefbuchhalter, der auch Scheckbetrügereien beging, löste die Zahlungen aus.

Angeblich wusste Blocher davon

Vor Kantonsgericht sagte der Hauptangeklagte, er habe den mutmasslichen Komplizen zwar gekannt, über Jahre hinweg aber keine Kontakte zu ihm gehabt. Fragen zum regen Zahlungsverkehr zwischen den beiden wusste der Chefbuchhalter nicht eindeutig zu beantworten. Er sprach von üblichen Zahlungen für Rückvergütungen und Provisionen oder brachte immer wieder neue Erklärungen.

Der Komplize, der 67-jährige ehemalige Verkaufsangestellte der Ems-Chemie, stellte sich vor Gericht mit seinen Firmen als Teil einer Geschäftspraxis dar, die dem Chemie-Unternehmen dazu diente, Linzenzgebühren und Steuern zu sparen.

Seine Version der Vorgänge: Er sei selber einmal im Büro des früheren Ems-Chemie-Chefs Christoph Blocher in Zürich gewesen und habe ihm davon erzählt, sagte der Angeklagte vor Kantonsgericht. Blocher habe sein Einverständnis gegeben und gesagt, wenn die Sache auffliege, dann wisse er von nichts.

Der Berufungsprozess wird am Montagnachmittag mit den Plädoyers der Verteidiger fortgesetzt. Der Gerichtsvorsitzende sagte, die Urteilsverkündung sei für Mittwoch vorgesehen.

(sda)