Kanton Schaffhausen

27. September 2017 17:56; Akt: 27.09.2017 17:56 Print

Ärzte machen mit MRI-Untersuchungen Kasse

von F. Lindegger - Die Zahl der MRI-Untersuchungen ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Im Kanton Schaffhausen profitiert ein grosser Teil der Ärzte davon finanziell.

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Gemessen am Bruttoinlandprodukt (BIP) hat die Schweiz eines der teuersten Gesundheitswesen der Welt. Rund 10 Prozent des BIP, in absoluten Zahlen gut 80 Milliarden Franken, fliessen jedes Jahr in diesen Wirtschaftszweig – Tendenz steigend. Ein wirksames Mittel gegen die laufend steigenden Gesundheitskosten ist noch nicht gefunden.

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Einer von vielen Bereichen, der in den vergangenen Jahren zum Kostenanstieg beitrug, waren die sogenannten bildgebenden Verfahren. Das umfasst etwa Untersuchungen mit Magnetresonanz- (MRI), Computertomograf- (CT), Ultraschall- oder Röntgengeräten. Während die Anzahl Röntgenuntersuchungen pro Patient zwischen 2010 und 2015 schweizweit rückläufig war, nahmen die MRI-Untersuchungen gemäss Zahlen des Krankenkassenverbands Santésuisse im selben Zeitraum deutlich zu. Im Bereich «Arzt ambulant» etwa um ganze 33 Prozent.

Lukrative Untersuchungen

Das ist unter anderem damit erklärbar, dass MRI-Untersuchungen für die Patienten im Gegensatz zu Röntgen oder CT keine Strahlenbelastung bedeuten. Unter dem Strich resultierte für alle bildgebenden Verfahren zwischen 2010 und 2015 ein Kostenwachstum von 4,3 Prozent. Laut Santésuisse ein überdurchschnittliches Plus. Insgesamt betragen die Kosten in diesem Bereich rund 2 Milliarden Franken.

MRI-Untersuchungen scheinen ein lukratives Geschäft zu sein. Wie das Magazin «Saldo» im Herbst 2015 mit Berufung auf Berechnungen der Krankenkasse Helsana berichtete, lag die Nettorendite mit MRI-Bildern in einem Stadtzürcher Spital bei 55 Prozent. Die Investitionskosten von mehreren Millionen Franken pro Gerät sind so innert weniger Jahre amortisiert. Danach werfen sie Gewinne ab.

Volks-Nein umgangen

In den vergangenen Jahren investierten in der Schweiz zahlreiche Spitäler und Praxen in neue MRI-Geräte. Auch im Kanton Schaffhausen wurden jüngst mehrere solcher Apparate angeschafft. Schaffhausen ist dabei ein spezieller Fall: 1997 lehnte das dortige Stimmvolk den Kauf eines ersten MRI-Geräts im Kanton noch ab. Daraufhin schloss sich ein grosser Teil der Ärzte zur privaten Firma MRS Schaffhausen zusammen, um trotz Volks-Nein einen MRI-Apparat anzuschaffen.

Laut Santésuisse ist es unüblich, dass sich Hausärzte und andere Ärzte zu einem solchen Unternehmen zusammenschliessen. Normalerweise seien es Spezialisten, die eine Radiologie-Praxis samt MRI-Gerät eröffnen. Im Fall der MRS Schaffhausen hingegen besteht die Gefahr von Interessenskonflikten. Die Ärzte überweisen Patienten für eine Untersuchung an eine Firma, an der sie selbst finanziell beteiligt sind.

Im Fall der MRS Schaffhausen erhalten die Teilhaber Zahlungen in Form von Dividenden. Santésuisse sieht deshalb ein Risiko der Mengenausweitung für die Amortisation. Ärzte könnten also mehr MRI verschreiben als nötig. Zudem könne der Wettbewerb verzerrt werden, wenn Ärzte Patienten eher zu jener Firma schicken, an der sie beteiligt sind, statt an andere Praxen.

Enge Verflechtungen

Wie viel Geld genau von der MRS Schaffhausen in Form von Dividenden an die Ärzte und die anderen Aktionäre zurückfliesst, ist unklar. MRS Schaffhausen wollte sich trotz mehrmaliger Anfragen nicht dazu äussern. Doch offenbar handelt es sich bei Aktien der MRS Schaffhausen um eine attraktive Anlage. Als sich der Kanton über die Spitäler Schaffhausen an der Firma beteiligte, erklärte die damalige Gesundheitsdirektorin, dass die öffentliche Hand auch finanziell davon profitiere, da MRS Schaffhausen floriere.

Die Verflechtungen zwischen MRS Schaffhausen und dem Kanton sind inzwischen eng. Die öffentliche Hand hält gut ein Drittel der Aktien. Zudem betreiben Angestellte des Spitals zwei der MRI-Apparate und der Direktor der Spitäler Schaffhausen ist gleichzeitig Vizepräsident der MRS Schaffhausen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Couchepin am 27.09.2017 18:02 Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Das kommt davon, wenn man Spitäler wie Unternehmen führen soll. Erzwungener Kapitalismus ist eben nicht immer die schlauste Lösung. Die Spitäler werden dazu angehalten, möglichst viel zu behandeln und zu untersuchen. Die Kosten tragen wir dann alle.

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  • Biologe am 27.09.2017 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beide Seiten

    Ich finde es gefährlich, MRI-Untersuchungen nur als Geldmacherei abzustempeln ohne die Gegenseite aufzuzeigen. Die Krebs-Früherkennungsrate beispielsweise steigt jährlich, was unter anderem auch MRI-Scans zu verdanken ist.

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  • LUZ93 am 27.09.2017 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Volks Nein umgangen

    Volks Nein umgangen... ja das ist teilweise schon leider normalität hier in der Schweiz ... und die Politiker machen was sie wollen hier und zocken uns ab wo es nur geht. Auch frage ich mich warum wir eigentlich eine Demokratie haben. Den wir könnten grad so gut eine Monarchie langsam haben so wie das zu und her geht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Serde am 29.09.2017 16:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kantonsspital SH = Katastrophe

    Besonders die Notfallstation richter mehr Schaden an, als sie hilft. Meiner Mutter wurde für eine Nierenbeckenentzündung (!) ein ausländisches Antibiotikum abgegeben, und nach 4 Tagen bekamen wir ein Telefon, dass es das falsche sei und die Entzündung sogar unterstütze. Ich kenne keinen im ganen Kanton, der nicht zumindest einmal sowas in der Art erlebt hat.

  • Radio am 29.09.2017 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Bildgebung

    MRI Untersuchungen können in sehr vielen Fällen sogar Kosten einsparen. Zudem ist der Nutzen oft enorm hoch.

  • Swissgirl am 29.09.2017 07:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsches Bild

    Hier von hohen Kosten zu sprechen bei 180 Franken für ein MRI/MRT, ist doch daneben. Mag die Technologie auch 20jährig sein, so ein Apparat ist sehr teuer. Jeder Besuch beim Ohrenarzt kostet mich 340 Fr, für eine halbe Stunde. Ich finde es gut dass die Schaffhauser-Ärzte sich zusammengetan haben, trotz Volksnein. Denn das Volk kann ja die Notwendigkeit einer solchen Anschaffung nicht beurteilen und es wird in der Regel nur polemisiert. Eine bildgebende Diagnostik kann Behandlungsverfahren abkürzen, weil der Arzt, sofern er geschult ist, das Problem gleich erkennt.

    • Mike am 29.09.2017 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Swissgirl

      Kleine Anmerkung: Meine Rechnung für ein MRI war CHF 850.-! Warum wohl? Hat im Umkreis von 20 km drei MRI Anlagen. Private Firma. Ist sicherlich nicht ausgelastet, daher wohl dee hohe Preis. Kann mich auch irren :-)

    • Lillibeth am 29.09.2017 12:01 Report Diesen Beitrag melden

      @Swissgirl

      Für CHF 180.00 bekommen Sie keine MRI-Untersuchung, die ist um einiges teurer. Ich fragte mal nach, was eine MRI-Untersuchung des Kpfes kostet: weit über CHF 1000, für CHF 850.00 bekommt man einen CT. Mir wurde auch schon oft ein MRI vorgeschlagen, habe ich jedoch imme rabgelehnt, da nicht notwendig und zu teuer. Jedes mal verwies auf die bereits vorhanden CT- und Röntgenbilder, die vollauf genügten. Probieren kann man's ja....

    • Zuppa am 29.09.2017 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mike

      MRI-Untersuchungen unterliegen, wie alle andere medizinischen Leistungen dem Schweizerischen Tarif Leistungskatalog TARMED und werde gesamtschweizerisch gleich abgerechnet; egal ob es im Umkreis von drei Kilometer ein MR steht oder 100 Stück.

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  • Daniel am 28.09.2017 22:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ineffizient

    In diesem Artikel gleichzeitig eine Umfrage zu starten, die das Krankenkassenobligatorium betrifft ist Polemik pur. Das Krankenkassensystem ist ineffizient weil ständig gewechselt wird und Provisionen ausbezahlt werden, die in einem Einheitssystem nicht existieren würden. Subventionen für Fitness Abos etc. fallen auch darunter.

  • marko 32 am 28.09.2017 21:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklich

    Schrecklich