«Falsche Einstellung»

28. April 2015 16:04; Akt: 28.04.2015 16:04 Print

Easyjet-Chefin kritisiert Personal der Konkurrenz

von Laura Frommberg - Premium-Airlines wie Swiss oder Lufthansa orientieren sich immer mehr an der Billig-Konkurrenz. Erfolg dürften sie damit nicht haben, sagt eine Frau, die es wissen muss.

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Carolyn McCall glaubt nicht, dass die Billigstrategie der Swiss funktioniert. (Bild: AFP/Francois Guillot)

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Die Menschen in den Grossraumbüros im orangen Hangargebäude beim Flughafen Luton sind lässig gekleidet, private Büros gibt es nicht, auch die Chefin sitzt mitten im Geschehen und hat kein Einzelbüro – Easyjet wollte im Gegensatz zur Konkurrenz kein Statussymbol-Hauptquartier. «Unkompliziertheit und Zugänglichkeit ist das, was uns ausmacht», erklärt Chefin Carolyn McCall. Das strahle der Hauptsitz auch aus.

Die Airline sei eine Vorzeige-Budget-Fluglinie. «Unsere Mitarbeiter leben die Low-Cost-Philosophie», so McCall bei der Übergabe des 250. Flugzeuges in die Easyjet-Flotte. «Nur deshalb können wir so gut funkionieren.» Das zeigt sich auch in den Zahlen. Seit Jahren verzeichnet die Fluglinie ein stetiges Wachstum, keine andere Airline schaffte es schneller auf eine Flotte dieser Grösse. «Ohne die Motivation unserer Mitarbeiter im ganzen Konzern wäre dies nicht möglich», erklärt die Managerin.

Swiss zieht nach

An der Easyjet-Philosophie wollen sich auch traditionelle Anbieter ein Beispiel nehmen. Etwa die Swiss. Sie führte schon vor einiger Zeit Light-Tarife ein, mit denen Passagiere zum Beispiel One-Way-Flüge buchen oder ohne Aufgabegepäck reisen können – nach dem Vorbild von Billigfliegern. Doch mit dieser Imitation, so McCall, dürften die Premium-Anbieter keinen Erfolg haben. Der Grund: das Personal. «Die Angestellten der Airlines wehren sich gegen die Billig-Modelle. Aber ihr Beitrag ist es, der das Ganze erst erfolgreich machen kann», so McCall.

Und sie hat zumindest insofern recht, dass es bei der Swiss-Mutter Lufthansa immer wieder zu Streiks kam, weil das Personal sich gegen die Billigstrategie der Fluggesellschaft wehren wollte. Auch die Swiss hat immer wieder Stress mit ihren Piloten, weil diese mit Kostensparmassnahmen nicht einverstanden sind.

Swiss ist zufrieden

Die Swiss selbst will die Aussagen von McCall direkt nicht kommentieren. Aber sie erklärt dennoch: «Es kann festgehalten werden, dass Swiss und ihre Mitarbeitenden über die vergangenen Jahre immer wieder bewiesen haben, dass sie sich den Herausforderungen des Marktumfelds und dem Strukturwandel in der Airline-Branche stellen.» Nicht umsonst zähle man zu den profitabelsten Fluggesellschaften in Europa. «Dabei spielt unser ausgeprägtes Kostenbewusstsein und die kontinuierliche Steigerung der Effizienz eine tragende Rolle.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sandra am 28.04.2015 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    Feststellung

    Die Aussage von Frau McCall ist keine Kritik, sondern leider eine Feststellung. Auch das Personal auf dem Flughafen meint immer noch, dass es ein Privileg ist über den Flughafen Zürich zu fliegen. Fliegen ist eine Dienstleistung.

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  • Simon am 28.04.2015 16:19 Report Diesen Beitrag melden

    "Wollen"

    WILL sich die Swiss (und andere Airlines) ein Beispiel an der Easyjet-Philosophie nehmen oder MUSS sie? Ein grosser Teil der heutigen Fluggäste wählt den Flug einfach nach dem günstigsten Preis. Egal ob man dann noch für Wasser, usw. dazu bezahlen muss. Und um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen die "traditionellen" Airlines dann halt reagieren.

  • Mike am 28.04.2015 16:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bedenken

    Ich weiss nicht ob die Low-Cost-Philisophie wirklich das Beste ist..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Romeo am 29.04.2015 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Easyjet top

    Über Jahre war ich gezwungen, Easyjet zu nutzen, da sie Destinationen anfliegen, welche die Swiss nicht im Angebot hatte. Ich war immer sehr zufrieden. Sehr aufgestellte Mitarbeiter. Service an Board ist zwar nicht kostenlos, dafür hat man eine RIESEN Auswahl an Snacks, Getränke etc. was auch super ist. Besser als immer diese trockenen Brötchen bei der Swiss.

  • Marcel am 29.04.2015 04:32 Report Diesen Beitrag melden

    bedenklich leeres Flugzeug

    Bin letzte Woche mit Germania nach Djerba und zurück geflogen, alles super, nettes Personal, aufgestellte Piloten. Aber beide Male nur ca. 40 von über 150 Plätzen belegt - Flieger sozusagen fast leer! Wie soll das rentieren, wenn einzelne Fluggäste nur etwa 100.- hin und retour bezahlen, drei Zeitschriften bekommen und ein Sandwich und Getränke?

    • Bruno am 29.04.2015 09:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Djerba, nein Danke!!

      Das liegt sehr wahrscheinlich an der Destination. Wer will da schon hin?

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  • Henning Flacken am 28.04.2015 23:28 Report Diesen Beitrag melden

    Billigfluglinien beuten Mitarbeiter aus

    Fragt mal Cockpit und Kabinenpersonal, wie die Bezahlung ihres Knochenjobs bei Billigfluglinien aussieht: Uniformen selber bezahlen, reinigen, absolute Minimumtarife als Bezahlung oder noch krasser: neu eingestelltes Cockpitpersonal soll froh sein, dass sie Flugstunden bekommen und sie werden oft auf Freelance Basis eingestellt umgerechnet weniger als 3ooo CHF. Das machen die etablierten Fluggesellschaften nicht. Soviel zur Behandlung der Mitarbeitenden.

    • Raphael am 29.04.2015 00:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Lauter Populismus

      Sehr geehrter Herr Flacken. Ich bin Flugkapitän bei Easyjet. Mein Salär beträgt nach Abzug aller Abzüge sowie Abzug der Steuern 12'500 Franken. Das entspricht einem Bruttolohn von über 15'000 Franken pro Monat. Zudem erhalte ich zusätzlich 15% meines Jahressalär als Bonus plus 4% Performance Bonus. Seit den 10 Jahren bei Easyjet habe ich bereits Aktien im Wert von fast 100'000 Franken von der Firma geschenkt bekommen. Ich arbeite 5 Tage und erhalte dann 4 Frei-Tage. Ich war auch bei der alten Swissair angestellt aber besser hatte ich es da auch nicht.

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  • Aviator i.R. am 28.04.2015 22:48 Report Diesen Beitrag melden

    "In the year 2025"

    In the Year 2025 wird es sowie so nur noch 4 BIG PLAYERS in Europe geben die etwas zu sagen haben. Das sind für Europakurzstrecken und preiswerte Ferien: Easyjet und Ryanair. Für Langstrecken Feriendestinationen: Norwegian Air und als Premium Airline mit einem globalen Streckennetz: Turkisch Airlines. Alle anderen werden keine grosse Rolle mehr spielen. Die meisten werden sich selber in den Ruin treiben entweder durch die Gewerkschaften (Boden sowie Fliegendespersonal) oder die inkompetente Führung.

    • Aviator In Spe am 29.04.2015 08:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      THY

      Wohl eher weniger Turkish Airlines... Absturz in Amsterdam, Bruchlandung in Kathmandu, und gerade erst Bruchlandung in Istanbul. Sowas nenne ich nicht Premium sondern gefährlich.

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  • Hugo am 28.04.2015 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    Ab jetzt nur noch ...

    ... Easy Jet. Finde die Chefin netter als den Harry.