Firmenchefs

19. Januar 2011 16:47; Akt: 19.01.2011 16:47 Print

Apples Nachfolgekrampf um Steve Jobs

von Markus Kick - Supergeschäfte, aber kein gleichwertiger Chef. Apple-Boss Steve Jobs Gesundheit ist angeschlagen, seine Nachfolger haben nicht dessen Charisma.

storybild

Apple COO Tim Cook (links) muss den charismatischen CEO Steve Jobs während dessen gesundheitsbedingten Timeout an der Konzernspitze ersetzen. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Apple verdient derzeit rekordmässige 6 Milliarden Dollar – im Quartal. Und dennoch schwächelt der Aktienkurs des Elektronik- und Computerkonzerns. Die Anlegerwelt sorgt sich um die Gesundheit des charismatischen Firmenchef Steve Jobs. Man weiss nicht, wie schlecht es dem grossen Innovator und Know-how-Träger geht. Denn noch kurz vor Bekanntgabe der brillanten Quartalszahlen gab Jobs sein gesundheitsbedingtes Timeout bekannt. COO Tim Cook übernimmt interimistisch. Weshalb genau Jobs erneut aussteigt – es ist bereits das dritte Mal seit seiner Krebserkrankung im Jahre 2004 – liegt im Dunkeln. Entsprechend schiessen die Vermutungen ins Kraut.

Umfrage
Behält Ihr Chef sein Wissen nur für sich?
23 %
45 %
32 %
Insgesamt 126 Teilnehmer

«Alphatiere teilen nicht gerne»

Norbert Thom, Professor am Institut für Organisation und Personal der Uni Bern, bestätigt, dass Alphatiere «nicht so gerne Auskunft» geben würden. Der Betriebswirtschaftsspezialist sagt denn auch klar: «Grössere Unternehmen müssen zwingend sowohl eine Nachfolge- wie auch eine Stellvertretungsregelung haben. Im Normalfall ist der Chief Operation Officer (COO, der operative Geschäftsleiter) der richtige Mann, um den Chief Execuitve Officer (der strategische Geschäftsführer) zu ersetzen.»

Jeder Chef dieses herausragenden Ranges brauche mindestens fünf geeignete potentielle Nachfolger, damit eine Nachfolge optimal gelingen kann, sagt Thom und meint augenzwinkernd: «Auch bei der Papstwahl stehen jeweils mindestens ebensoviele Kardinäle zur Auswahl.» Die Nachfolgeregelungen in den Unternehmen müssen laut Thom in den Corporate Governance Richtlinien, also dem Verhaltenscodex für die Unternehmensführung, geregelt und vom Verwaltungsrat durchgesetzt werden.

Börsentaucher nach Hayeks Tod

Dass charismatische Firmenbosse Einfluss aufs Image aber auch den Aktienkurs haben zeigte sich beim Tod von Nicolas Hayek am 28. Juni letzten Jahres. Der Aktienkurs der Swatch B”rsenkurs Gruppe tauchte gleichentags über 7 Prozent. Er erholte sich rasch wieder, als am nächsten Tag bereits die familieninterne Nachfolgeregelung durch Hayeks Kinder bekannt gegeben konnte.

Beim Schweizer Nahrungsmittelmulti Nestlé B”rsenkurs gelang sowohl 1997 der Übergang der Helmut Maucher auf seinen Nachfolger Peter Brabeck wie auch 2008 die erneute Weitergabe an Paul Bulcke. Unfreiwillige Wechsel an Konzernspitzen haben auch mal positiven Einfluss auf den Aktienkurs. Als im Februar 2002 Zurich B”rsenkurs Financial Services-Konzernchef Rolf Hüppi abgehen musste, stieg der Aktienkurs von 250 auf 300 Franken.

Internes Knowhow nutzbar machen

Sind firmenintern die Zuständigkeiten geregelt, muss auch noch der Wissens- und Know-how-Transfer des Chefs auf den Nachfolger gelingen. Tönt einfach, ist es aber nicht. «Chefs können viel Wissen bunkern», sagt Norbert Thom. Dieses sollten sie besser kontinuierlich an den Stellvertreter rapportieren oder schriftlich in Logbüchern und anderen geeigneten Foren festhalten. Bei Apple hegen Analytiker und Branchenkenner allerdings gerade diesbezüglich Zweifel an Steve Jobs Nachfolger Tim Cook. Er habe wenig Charisma und gelte als wenig visionär, schreibt das «Wall Street Journal» nüchtern.

Dass Firmenchefs oft zu viel Wissen für sich behalten, weiss auch Max Nägeli, Geschäftsführer des Vereins kmuNEXT, der sich mit Firmennachfolgen bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) beschäftigt. «Viele Betriebe leben hier mit Hochrisiken». In vielen Kleinunternehmen herrschen flache Hierarchien; der Chef führe allein und meistens fehle es an Geld für Stellvertreterlösungen.

Wenn der Chef all sein Wissen nur im eigenen Kopf behält, kann das auch bei einem möglichen Unternehmensverkauf ins wertmindernd wirken. Nägeli: «Hat der Seniorchef sein Know-how nicht rechtzeitig an seine Mitarbeiter weiter gegeben, wird der interessierte Käufer weniger für das Unternehmen bezahlen.» Das sei mit ein Grund, weshalb jährlich rund 2500 Schweizer KMU, die auf Nachfolgersuche sind, keine Lösung finden.