Europa

05. Oktober 2017 09:44; Akt: 05.10.2017 10:24 Print

Schweizer Topmanager verdienen am meisten

Die Schweiz stellt vier der zehn Topverdiener in Europa. Ganz an der Spitze steht jedoch der Chef eines britischen Konzerns.

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Die Chefs von Schweizer Grosskonzernen bleiben die Topverdiener Europas. Sie kassierten letztes Jahr im Mittel 10,3 Millionen Euro, wie die Studie Eurotop-100-Unternehmen bei sieben erfassten Schweizer Multis ergab. Damit liegen die Schweizer vor den Briten mit einem Median von 7,4 Millionen Euro, den Spaniern (5,6 Millionen) und den Deutschen (5,1 Millionen). Die Nordeuropäer kommen auf bescheidene 1,8 Millionen Euro, wie aus der Studie des Beratungsunternehmens Willis Towers Watson hervorgeht, die am Donnerstag veröffentlicht wurde.

Spitzenverdiener bleibt Rakesh Kapoor vom britischen Konsumgüterriesen Reckitt Benckiser mit 14,4 Millionen Euro. Er verdiente deutlich weniger als im Vorjahr (20,9 Millionen Euro), weil ihm wie den Zweit- und Drittplatzierten der Bonus gekürzt wurde.

Ermotti auf Platz 3

Die Nummer zwei ist mit 13,3 Millionen Euro Lohn Martin Sorrell, Gründer und Konzernchef (CEO) des britischen Werbe- und PR-Unternehmens WPP. Der Dritte und damit der bestverdienende Schweizer bleibt UBS-Konzernchef Sergio Ermotti mit 12,3 Millionen Euro Lohn (Vorjahr: 13,1 Millionen Euro).

Als Nummer vier figuriert der Chef des deutschen IT-Konzerns SAP vor Novartis-CEO Joseph Jimenez (10,8 Millionen Euro), dicht gefolgt von Roche-CEO Severin Schwan (10,6 Millionen Euro) und Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam (10,3 Millionen Euro). Die Schweiz stellt damit vier der zehn grössten CEO-Topverdiener unter den Eurotop 100, den europäischen Unternehmen mit der grössten Marktkapitalisierung.

Gesundheits- und Pharmabranche top

Die mittlere Direktvergütung (Fixlohn und Boni ohne Altersvorsoge und Nebenleistungen) aller Bosse der untersuchten 80 grössten Unternehmen Europas ging gegenüber dem Vorjahr um 6 Prozent auf 5,4 Millionen zurück. Grund seien geringere Boni, sagte Olaf Lang, Managing Director bei Willis Towers Watson, der Nachrichtenagentur sda.

Der Median-Lohn bei den sieben Schweizer Konzernen stieg um 15 Prozent. Ein Vergleich mit dem Vorjahr ist nicht sinnvoll, da etwa die Credit Suisse wegen dem Chefwechsel im Vorjahr nicht erfasst wurde.

Untersucht wurden auch die Löhne von 23 Unternehmen im Schweizer SLI-Index. Der Median-Lohn der Konzernchefs erhöhte sich um 12 Prozent auf 4,4 Millionen Euro. Die Chefs der Gesundheits- und der Finanzbranche erzielten die höchste Gesamtdirektvergütung. In den EU-Ländern sind Pharma und Konsum die bestbezahlten Branchen.

Laut Lang hatte die nach der Abzockerinitiative erlassene Verordnung gegen übermässige Vergütungen (VegüV) bisher keinen Einfluss auf die Lohnhöhe. Die Mitbestimmung der Aktionäre bei den Salären der Teppichetage seien dennoch gestärkt worden, was sich etwa bei der Abschaffung von Sonderzahlungen und goldenen Fallschirmen zeige.

Schweiz wird neuen EU-Regeln folgen

Die anstehende neue Regulierung in der EU werde sich auf die Vergütungs- und Veröffentlichungspraxis in der Schweiz auswirken, erwartet Lang. Die Aktionärrechtsrichtlinie SRD (Shareholder rights directive), die die EU dieses Jahr beschlossen hat, verlangt unter anderem ein bindendes Votum für die Vergütungspolitik sowie ein nicht bindendes Votum für die einzelnen Löhne der Geschäftsleiter.

Ebenfalls müssen die Unternehmen künftig das Verhältnis zwischen den höchsten und den restlichen Löhnen der Firma offenlegen. Die Vergütungsbericht für Geschäftsjahr 2019 müssen die SRD bereits erfüllen.

Die Schweizer Unternehmen sollten sich möglichst früh damit beschäftigen, auch wenn es die Schweiz nicht direkt betrifft, betont Lang: «Ich schätze, dass die Schweizer Multis sich nach der EU-Regulierung richten werden müssen, wenn sie die Akzeptanz von Nicht-Schweizer Investoren wollen.»

Sie täten auch gut daran, sich mit Stimmrechtsberatern wie ISS und Ethos auszutauschen. Solche Berater würden immer wichtiger, weil es für die Beurteilung der Lohnpolitik immer mehr Spezialwissen brauche.

Richtig fortschrittlich nur Briten

Nachholbedarf punkto Vergütungstransparenz sieht Lang nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Schweden, Belgien Dänemark, Spanien, Italien und Deutschland. Weiter fortgeschritten seien die Briten

Die EU-Aktionärrechtsrichtline dürfte den Anstieg der Löhne allgemein verlangsamen. Daran, dass die Schweizer Eurotop-Unternehmen mehr verdienen als jene in Europa dürfte sich laut Lang aber nichts ändern.

(woz/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Arnoldi am 05.10.2017 10:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Banker!

    Als Arbeitnehmer mit durchschnittlichem Lohn,seit 10 Jahren kaum eine Erhöhung sind diese Lohnsummen kaum verständlich!Die Banker-Mentalität hat sich um genau gar nichts verändert!Das ist nicht NEID.....sondern Unverständnis!

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  • Sparfuchs am 05.10.2017 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    Marktgerechte Löhne..

    ..dass ich nicht lache! Da kann man noch einige Millionen sparen oder mit Steuern der Allgemeinheit zugute kommen lassen. Keiner wird abwandern - niemand zahlt solche Löhne. Abzockerei pur!

  • Mauron am 05.10.2017 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verbrecher

    Das ist einfach nur diebstahl an den normalen mitarbeitern, welche täglich die arbeit erledigen und das geld für eine firma reinbringen. Diese manager gehören hinter gittern für ihre verbrechen. Ein guter miterbeiter will gar nicht einen solchen unrealistischen lohn. Diesen ceo's ist nur ihr eigenes portemonnaie wichtig. Die firma ist ihnen vöklig egal.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lagomio am 06.10.2017 19:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja...

    ...so ein Lachen wie Ermotti es hat, kann nur einer haben, der beim einsacken kein schlechtes Gewissen hat. Also ehrlich, wenn ich die Frau oder die Freundin vom Sergio wäre, dem würde ich in Sachen Geld sagen wo der Hase langläuft....;-)

  • Angelika am 06.10.2017 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    Top oder Flop

    Man hört nur immer Top, obwohl die meisten eher Flop sind, kassieren aber trotzdem Millionen.

  • Herr Meier am 05.10.2017 19:28 Report Diesen Beitrag melden

    Gratuliere

    Und wer ist nun stolz darauf? Wohl nur diejenigen, deren Medianeinkommen um 15% gestiegen ist. Schade, wurde die UStR3 abgelehnt, denn damit hätte es noch einen weiteren Einkommensschub für Manager gegeben, und die Schweiz könnte sich eventuell rühmen, nicht nur europäische Spitze zu sein, sondern weltweit. Ich habe tatsächlich dieses Jahr auch eine Lohnerhöhung gekriegt, nur wird diese schon mit der Prämienerhöhung der KK mehr als "kompensiert". Niemand soll sich wundern, wenn es dereinst in der CH gewaltig kracht.

  • Reiniger am 05.10.2017 19:15 Report Diesen Beitrag melden

    Stimmverhalten

    die Mehrheit der Stimmbürger entscheidet ja eher so, dass man das Geld nicht will (mehr Ferien nein, höhere Mindestlöhne nein, 1:12 nein, Pensionsalter 67 tendentiell eher Ja, etc). Also, jemand muss das Geld ja auflesen, was rumliegt.

    • Heinz Maier am 05.10.2017 19:58 Report Diesen Beitrag melden

      @Reiniger

      nein das sehe ich anders. diese linken vorlagen waren zu extrem formuliert, dass ein scheitern schon vorprogrammiert war. sieht man ja nur schon an den 6 wochen ferien. wer will denn nicht 6 wochen ferien? alle wollen 6 wochen ferien, doch zu welchem preis? der preis und das risiko war zu hoch und aus diesem grund wurde es abgelehnt. zum glück haben wir noch denker und keine extremisten, welche unseren wohlstand gefährden wollen.

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  • Werner am 05.10.2017 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    Verhältnislosigkeit

    Ich verstehe absolut, dass Leute, die lange die Schulbank gedrückt haben, mehr als andere geleistet haben, um soweit zu kommen, mehr zusteht. Das ist nur fair. Was aber nicht mehr fair ist, ist diese Verhältnislosigkeit die herrscht. Es kann nicht sein, dass eine Person in einem Jahr mehr bekommt, als eine andere im ganzen Leben. Das ist mit nichts mehr zu rechtfertigen und in meinen Augen ungerechtfertigte Bereicherung.