Preiskampf

24. Januar 2010 22:08; Akt: 24.01.2010 22:44 Print

Fluggesellschaften in der Sackgasse

In den vergangenen Jahren lautete die Devise bei Flugtickets: Billige Preise, volle Flugzeuge. Laut Experten ist jetzt damit Schluss; die Verluste für die Airlines sind zu hoch, die Rechnung geht nicht mehr auf. Selbst Billigflieger müssen ihre Flugpreise erhöhen.

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Mit dem Preiskampf im vergangenen Jahr haben sich die Fluggesellschaften in eine Sackgasse manövriert. (Bild: Keystone)

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Mit dem Preiskampf im vergangenen Jahr haben sich die Fluggesellschaften ein ernsthaftes Problem geschaffen. Wenn sie aus den roten Zahlen kommen wollen, müssen sie nach Einschätzung von Experten höhere Ölpreise, steigende Flughafengebühren und bald auch Klimaabgaben an ihre Kunden weitergeben. Damit riskieren sie aber, dass diese zur Konkurrenz wechseln. «Die Preise, die gegenwärtig am Markt angeboten werden, sind auf Dauer nicht zu halten. Krisenbedingt ist das ein Zustand, den sich kaum ein Unternehmen noch lange erlauben kann», sagt Luftfahrtexperte Gerd Pontius von der Beratungsgesellschaft Prologis.

Auf vielen Strecken nehmen Airlines derzeit Verluste in Kauf - sie halten die Ticketpreise bewusst niedrig, um ihre Flugzeuge voll zu bekommen. «Jeder Passagier, der mitfliegt, selbst wenn er nicht die vollen Kosten erwirtschaftet, ist immer noch besser als leer zu fliegen», erläutert Pontius. Einmal verlorene Marktanteile seien nur mehr schwer zurückzugewinnen.

Zu Beginn des vergangenen Jahres, als sich die Krise markant im Reiseverhalten niederschlug, hatte eine Abwärtsspirale begonnen. Nach Angaben des Weltluftfahrtverbands IATA waren die Ticketpreise Ende 2009 um 30 Prozent billiger als noch vor zehn Jahren - vor allem wegen der Preisnachlässe im vergangenen Jahr. Dem Statistischen Bundesamts zufolge sanken die Ticketpreise im ersten Halbjahr 2009 im Vergleich zu Ende 2008 in der Economy Class um knapp sieben Prozent. Im zweiten Halbjahr erholten sie sich langsam.

Einige Anbieter wie der Billigflieger Ryanair reduzierten die Preise über das Jahr sogar um zwanzig Prozent. Damit ist nun aber Schluss: In diesem Jahr will Ryanair seine Preise stabil halten oder wegen steigender Flughafengebühren auf manchen Strecken sogar um mehr als zehn Prozent erhöhen.

Wenige Plätze für wenig Geld

Wie stark die Preise branchenweit steigen könnten, lässt sich nur schwer abschätzen, zumal das auf jeder einzelnen Strecke von der Nachfrage und dem Konkurrenzdruck abhängt. Tickets für einen, 49 oder 99 Franken dürfte es aber wohl auch künftig geben, allerdings - wie bisher - nur für wenige Plätze.

Bei manchen Airlines dürften die höheren Preise jedoch nicht auf den ersten Blick ersichtlich sein, weil sie oft nicht das Ticket an sich betreffen, sondern Zuschläge erhoben werden, etwa für Kerosin oder Flughafengebühren. «Es gibt im Moment Anzeichen, dass die Spekulanten den Treibstoffpreis wieder für sich entdecken», sagt Pontius. Dann kämen auch die Airlines nicht umhin, die Treibstoffzuschläge anzuheben. Verteuern dürfte die Ticketpreise auch die Einbeziehung in den Emissionshandel ab 2012.

Nicht zuletzt dürfte auch das Ausbleiben der Geschäftsreisenden in der First- und Businessclass die Tickets für die übrigen Reisenden teurer machen. Früher waren die höherpreisigen vorderen Sitzreihen gut gefüllt, doch mit dem Sparzwang durch die Krise sind immer mehr Geschäftsreisende in die Holzklasse abgewandert oder verzichten ganz auf Reisen. Zum Teil machen Geschäftsreisende bis zu 60 Prozent der Erlöse etablierter Airlines aus. Um das zu kompensieren, dürften laut Experten auch die Preise in der Economy- Class steigen.

(sda)