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08. Oktober 2012 12:19; Akt: 08.10.2012 14:24 Print

Blochers kaufen Immobilien der «BaZ»

Christoph Blocher und seine Tochter Rahel wollen zwei Immobilien der «Basler Zeitung» übernehmen. Der Kauf ist ihnen bis zu 65 Millionen Franken wert.

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Die Übernahme der «Basler Zeitung» durch Rahel Blocher war nicht allen Baslern genehm, wie die Demo-Bilder vom 17. Dezember 2011 zeigen.

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Für bis zu 65 Mio. Franken wollen Christoph BlocherChristoph
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und seine Tochter Rahel der «Basler Zeitung» die Redaktionsräume sowie das Verlags- und Druckereigebäude abkaufen. Dazu haben sie eigens die Robestate AG gegründet, wie die Zeitung «Sonntag» am Montag online publik machte.

Der «Sonntag» publizierte zum Artikel auch den baselstädtischen Handelsregistereintrag vom 3. Oktober zur Robestate AG: Diese verfügte bei der Gründung über 10 Mio. Franken voll liberiertes Eigenkapital; Präsident ist Christoph Blocher. Domiziliert ist sie in Basel beim Anwalt Karl Schweizer, SVP-Einwohnerrat in Riehen BS.

Gemäss Anmeldungsschreiben beim Handelsregister beabsichtigt die Robestate zwei Immobilien zu übernehmen: die der «Basler Zeitung» (BaZ) gehörenden Teile des repräsentativen Gebäudes mit dem Redaktionssitz am Aeschenplatz sowie der Druck- und Verlagskomplex an der Hochbergerstrasse 15 und 17. Die Hypotheken sollen nicht mit übernommen werden; der Preis basiert auf einer Schätzung der Credit Suisse.

Die «Basler Zeitung» steckt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten - wegen branchentypischer Probleme wie der Internet-Konkurrenz, aber auch wegen eigener Entscheide. Zeitung und Druckerei gehören der BaZ Holding AG, die ihrerseits Teil der Medien-Vielfalt Holding AG unter Tito Tettamanti (53,6 Prozent der Stimmrechte) ist.

Deal ist noch nicht abgewickelt

Wie BaZ-Verwaltungsratspräsident Filippo LeuteneggerFilippo
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am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA ausführte, ist der Immobiliendeal mit Blocher geplant, aber noch nicht abgewickelt. Noch zu klären seien insbesondere Verfahrens- und Steuerfragen; ein Termin stehe nicht fest. Bestenfalls klappe es noch 2012.

Für die BaZ sei dieser Immobilienverkauf eine «grosse Entlastung». Einen Grossteil der Schulden machten die Gebäude aus; so stehe etwa im Verlagsbau ein ganzes Stockwerk derzeit leer. Alt Bundesrat Blocher sei nur Käufer; seine Einsitznahme in BaZ-Firmen sei mit diesem Geschäft nicht vorgesehen, sagte Leutenegger weiter.

Im Mai hatte die Basler Zeitungs-Gruppe bei einem Umsatz von noch 203,8 Mio. Fr. einen Konzernverlust von acht Mio. Fr. ausgewiesen. Der Verlust war mit einer Rückstellung für die Pensionskasse erklärt worden; das operative Ergebnis sei 2011 ausgeglichen gewesen.

Blocher-Ängste und Vertrauensverlust

Die Verlegerfamilie Hagemann hatte den serbelnden Zeitungs- und Druckereikonzern im Februar 2010 an Tito Tettamanti verkauft; dabei war Anwalt Martin Wagner als neuer Verleger aufgetreten. Seit diese im August 2010 Blocher-Biograph Markus Somm als BaZ-Chefredaktor einsetzten, wird SVP-Patron Blocher als Strippenzieher vermutet.

Tettamanti verkaufte im November 2010 weiter an den früheren Crossair-Patron Moritz Suter. Dieser gab ein gutes Jahr danach frustriert auf und seine Aktien an Rahel Blocher zurück - dabei wurde Blochersches Miteigentum öffentlich bekannt. Rahel Blocher verkaufte noch im selben Monat weiter an Tito Tettamantis Holding.

SVP-Stratege und Milliardär Christoph Blocher trat bei diesem Deal erstmals als Geldgeber auf, mit einer Defizitgarantie. Blocher erklärte damals in der «SonntagsZeitung», er habe die BaZ als eine der letzten unabhängigen Zeitungen im Land erhalten, ihr aber mit Diskretion Anti-Blocher-Reflexe ersparen wollen. Das klappte nicht.

Somms SVP-nahe Linie sowie die Wirrungen um die verschleierten Eigentumsverhältnisse und Blocher-Einflüsse hat das Blatt tausende von Abonnementen gekostet. Zudem entstand seither neue Konkurrenz mit der Zeitung «TagesWoche»; ausserdem bauten die «Basellandschaftliche Zeitung» und ihre Schwester «Sonntag» ihre Präsenz sukzessive aus.

(sda)