Brauerei-Schliessung

03. September 2010 14:48; Akt: 03.09.2010 17:27 Print

Vier Strategien für CardinalVier Strategien für Cardinal

Die Angestellten der von der Schliessung bedrohten Cardinal-Brauerei in Freiburg haben vier Vorschläge für die Zukunft formuliert.

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Wie Feldschlösschen zum Bier-Riesen wurde: 1876 wurde in Rheinfelden AG erstmals Feldschlösschen-Bier gebraut. Bereits in der Anfangszeit schlossen sich ihr laut offizieller Firmengeschichte diverse Kleinstbrauereien an. 1970 übernahm Feldschlösschen die Brauerei Gurten in Wabern BE. 1972 folgte Walliser Bier in Sitten VS. 1988 kaufte die Aargauer Brauerei den Bierproduzenten Warteck in Basel. Im gleichen Jahr kam auch die Luzerner Brauerei Hochdorf unter die Fittiche von Feldschlösschen. Der Hochdorf-Brauereibetrieb wurde 1991 eingestellt. 1991 übernahm Feldschlösschen die Freiburger Sibra (Cardinal), damals die Nummer zwei in der Schweiz. Am 14. Mai 1996 fusionierte Feldschlösschen mit Hürlimann zum Schweizer Biergiganten mit einem Marktanteil von 54 Prozent. Die Brauerei Hürlimann hatte ihrerseits 1984 die Zürcher Löwenbräu übernommen. Im Herbst 1996 kommt es zur grossen Brauereischliessungswelle. Feldschlösschen gibt das Produktionsende von Hürlimann in Zürich ... ... Gurten in Wabern ... ... und Cardinal in Freiburg bekannt. Das liessen sich die Angestellten von Cardinal nicht gefallen und gingen mit viel Unterstützung der lokalen Politik auf die Strasse. Mit Erfolg. 1998 einigte man sich auf eine reduzierte Weiterführung der Produktion von Cardinal-Bier. Dies feierten die Cardinal-Mitarbeiter, zusammen mit der Geschäftsleitung und Vertretern der Freiburger Behörden am 8. Mai 1998 mit einem grossen Fest. Dann wurde Feldschlösschen 2000 vom viertgrössten Bierkonzern der Welt, der dänischen Carlsberg, übernommen. Die Konzernleitung in Kopenhagen hatte kein Erbarmen mehr mit dem Standort Freiburg. Am 31. August 2010 wurde das endgültige Ende der dortigen Cardinal-Produktion kommuniziert. Damit braut die Feldschlösschen-Gruppe, die seit ihrer Gründung 36 Brauereien übernommen hat, noch an zwei Standorten Bier: Im Stammhaus in Rheinfelden und in Sitten, wo unter anderem die Walliser Biermarke Blonde 25 hergestellt wird.

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Die vier Szenarien der Cardinal-Angestellten sollen in die Konsultationen mit dem Mutterkonzern Carlsberg/Feldschlösschen einfliessen.

Die Cardinal-Angestellten, die Betriebskommission und die Gewerkschaft Unia begrüssten die bis zum 23. September angesetzte Konsultationsfrist, wie Unia-Regionalsekretär Armand Jaquier vor den Medien in der Brauerei erklärte.

Die vier Strategien würden weiter ausgearbeitet. Sie sollen die Arbeitsplätze in Freiburg retten. 57 Angestellten in Freiburg bietet die Cardinal-Besitzerin, die Feldschlösschen-Gruppe, eine neue Stelle an. 18 werden frühpensioniert.

Kein Boykott

Die in den Augen der Versammelten wichtigste Strategie sieht die Weiterführung einer Spezialitätenproduktion in Freiburg vor. Als zweiter Vorschlag schwebt der Gewerkschaft und den Angestellten ein Ausbau zu einem Verteilzentrum für die Westschweiz vor.

Drittens könnten die Freiburger Brauerei zu einem Zentrum für Werbeaktivitäten ausgebaut werden. Schliesslich könnte der Standort eine Lizenzproduktion im Auftrag Dritter übernehmen.

Jeglicher Boykott liegt der Belegschaft derzeit fern, wie es weiter hiess. Das wäre kontraproduktiv, teilte Unia mit. Die Cardinal-Angestellten nehmen indessen an der für Samstagnachmittag geplanten Demonstration in Freiburg teil.

Feldschlösschen bekräftigt Haltung

Feldschlösschen werde die Vorschläge prüfen, teilte das Unternehmen am Freitagabend mit. Die Weiterführung des bestehenden Betriebs sei aber ausgeschlossen. Bereits zuvor hatte Feldschlösschen bekräftigt, dass der grundsätzliche Schliessungsentscheid nicht verhandelbar sei.

Die Cardinal-Angestellten haben angekündigt, an einer für Samstagnachmittag geplanten Demonstration in Freiburg teilzunehmen. Ein Boykott sei aber nicht geplant. Das wäre kontraproduktiv, teilte Unia mit.


(sda)

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