Die bundeseigene KfW-Bankengruppe hatte zu Wochenbeginn unmittelbar vor der Pleite der US-Bank Lehman Brothers dem Geldhaus noch 350 Millionen Euro überwiesen, aber wegen der Insolvenz nicht mehr die vereinbarte Gegenzahlung erhalten. Laut KfW-Sprecher Wolfram Schweickhardt summiert sich der Gesamtschaden inzwischen auf 536 Millionen Euro.
Am Donnerstagabend hatte der KfW-Verwaltungsrat die ersten Konsequenzen gezogen und die Vorstandsmitglieder Peter Fleischer und Detlef Leinberger suspendiert. Unterdessen ist der Ruf nach weiteren politischen Konsequenzen laut geworden.
Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) und der FDP-Haushaltsexperte Otto Fricke verlangten am Freitag eine Umstrukturierung der KfW. Der Vorsitzende der Linkspartei, Oskar Lafontaine, forderte eine straffere gesetzliche Regulierung der Finanzmärkte.
Koch: KfW darf nicht zum Alltag übergehen
Koch, der Mitglied im KfW-Verwaltungsrat ist, sprach sich im ARD-Morgenmagazin für eine Überprüfung der kompletten Organisationsstruktur aus. Die KfW dürfe nicht zum Alltag übergehen. Die Überweisung von 350 Millionen Euro sei «absolut unentschuldbar» und «nicht erklärbar». Allerdings könne es durchaus sein, dass ein «ganz erklecklicher Betrag» davon zurückkomme.
FDP-Haushaltsexperte Fricke erklärte im Sender n-tv: «Der Kern zeigt: Die KfW als Staatsbank, eine Bank, wo die Politik sich eingemischt hat, funktioniert nicht richtig.» Die Bank sollte so umgewandelt werden, «dass sie wirklich nur noch den dringend notwendigen Teil macht, den die Öffentlichkeit braucht. Alles andere sollte sie möglichst schnell von sich weisen.»
Lafontaine, ebenfalls Mitglied in dem Aufsichtsgremium, wies den Vorwurf zurück, bei der Überweisung vom vergangenen Montag habe die Kontrolle des Verwaltungsrats versagt. «Propheten und Hellseher gibt es im Verwaltungsrat nicht», sagte er im WDR-5-Morgenecho. «Die Kontrolle hat hier zum ersten Mal funktioniert. Denn es wurden ja personelle Konsequenzen gezogen.» Bei der IKB habe die Politik den Fehler gemacht, nicht marktwirtschaftlich vorgegangen zu sein, meinte der Linken-Chef. Er bestritt, dass die Politik unfähig sei, die weltweiten Finanzbewegungen unter Kontrolle zu behalten. «Wir müssen die Finanzmärkte wieder so regulieren, wie das jahrelang gut funktioniert hat.»
(ddp)|
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