Abgasskandal

29. Dezember 2017 10:13; Akt: 29.12.2017 13:34 Print

6000 Schweizer schliessen sich Sammelklage an

Die Stiftung für Konsumentenschutz will rechtlich gegen VW und Amag vorgehen. Heute hat sie die Klage eingereicht.

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Rund 6000 Autobesitzer in der Schweiz fordern über eine Schadenersatzklage der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) vom Automobilkonzern VW und von Amag Geld zurück. Sie sehen sich als Geschädigte im Abgas-Skandal. Für die SKS geht es aber um weit mehr.

«Das Ziel ist, auch in der Schweiz Sammelklagen zu ermöglichen. Wir möchten einen typischen Schweizer Weg», sagte Sara Stalder, Geschäftsleiterin der SKS vor Journalisten in Zürich.

Mit den 6000 Klagen, welche die SKS medienwirksam am Freitag am Handelsgericht Zürich eingereicht hat, soll ein Exempel statuiert werden. Wie eine «Schweizer Sammelklage» aussehen könnte, ist derzeit zwar noch völlig offen. Auf politischer Ebene laufen diverse Bestrebungen. Nötig wäre wohl eine Anpassung der Zivilprozessordnung.

Alleingang lohne sich nicht

Für die SKS zählt vorerst das Signal an die Politik: Geschädigte Konsumenten haben bei Massenschäden keine einfachen juristischen Instrumente, um zu ihrem Recht zu kommen. Weil die Ansprüche zu klein sind, lohnt sich der Alleingang vor Gericht für den einzelnen Konsumenten nicht. Zudem ist auch nicht jeder Betroffene automatisch Teilnehmer einer Klage. Er müsste selbst aktiv werden - was aber eben nicht rentiert.

Die SKS hat für den Fall VW in Zusammenarbeit mit der Anwaltskanzlei Schwärzler ein spezielles Klagekonzept entwickelt. Geschädigte hatten die Möglichkeit, ihre Ansprüche auf Schadenersatz an den Konsumentenschutz als gemeinnützigen Verband abzutreten. SKS macht diese nun gesammelt geltend.

Berge von Papier

Weil die Ansprüche aber dennoch einzeln dargelegt und nachgewiesen werden müssen, umfasst die eingereichte Klage etwa 100'000 Seiten - verpackt waren diese am Freitag in etwa 25 Kartons. «Und das im Internetzeitalter», sagte Alexander Amann, Partner bei Schwärzler Rechtsanwälte, vor den Medien. Alleine schon der Papier-Berg zeigt laut dem Anwalt, dass es sich bei diesem Verfahren «in keiner Weise um einen vollwertigen Ersatz für gesetzlich geregelte Instrumente für kollektiven Rechtsschutz» handle. Gefordert sei der Gesetzgeber.

Bereits im September hatte SKS beim Handelsgericht des Kantons Zürich eine Verbandsklage gegen Amag und den Volkswagenkonzern eingereicht. Die Klage lautete auf widerrechtliche Täuschung bei den Abgas-Manipulationen. Insgesamt bezeichnet die SKS ihr Vorgehen gegen VW und Amag als «zweistufig».

«Monsterprojekt»

Alles in allem sei dies ineffizient und ein «Monsterprojekt» gewesen, betonten Amann und Stalder. Bis ein Entscheid vorliegt, könnte es Jahre dauern. Dank der beteiligten Rechtsschutzversicherungen sei es aber immerhin finanzierbar. Es ist das erste Mal überhaupt, dass alle Rechtsschutzversicherungen schweizweit ein koordiniertes juristisches Vorgehen unterstützen. Die Rechtsschutzversicherungen haben ihre Kunden aktiv auf die Klagemöglichkeit hingewiesen und entsprechende Kostengutsprachen erteilt.

Begründet wird der Schadenersatz damit, dass die Autos beim Verkauf als umweltfreundlich angepriesen worden seien, was sie eigentlich nicht waren. Darum seien sie von vornherein überteuert gewesen. Wegen der Manipulationen der Abgasvorrichtungen hätten die Wagen auf dem Occasionsmarkt zusätzlich an Wert verloren. Der Konsumentenschutz geht von einem durchschnittlichen Schaden von 15 Prozent des Neuwerts der betroffenen Wagen aus.

Beklagte sind der Volkswagen-Konzern und der Generalimporteur Amag. Weder der Konzern VW noch Amag seien bereit gewesen, mit dem Konsumentenschutz über den Ersatz der finanziellen Schäden der Kunden zu verhandeln.

Amag kontert

Amag wehrt sich in einer Reaktion am Freitag. Sie nehme die Klage mit Unverständnis zur Kenntnis, heisst es in der Mitteilung. Die Occasionspreise der Dieselfahrzeuge des Volkswagenkonzerns seien gemäss den Branchenexperten von Eurotax gleich oder besser als die der Mitbewerber. Von einem Wertzerfall könne keine Rede sein.

Auch der Vorwurf der widerrechtlichen Täuschung wird «mit Nachdruck» zurückgewiesen. Amag ortet in der ganzen Aktion rein politisches Kalkül: «Die SKS versucht, ihre Bekanntheit und Medienwirkung zu eigenen Zwecken zu missbrauchen und entfernt sich von den eigenen Zielen.»

180'000 Kunden in der Schweiz betroffen

Unbestritten sind hingegen die Fakten: Weltweit hatte Volkswagen etwa 11 Millionen seiner Autos mit einer Schummel-Software ausgestattet, welche die Abgaswerte bei Tests manipulierte. Auf der Strasse war der Ausstoss dagegen um ein Vielfaches höher.

In der Schweiz sind rund 180'000 Kunden von diesem sogenannten Abgas-Skandal betroffen. Die betroffenen Autos wurden fast alle umgerüstet, wie Amag weiter betonte.

Zudem weist das Unternehmen darauf hin, dass Amag rechtlich unabhängig von der Volkswagen AG sei und lediglich den Import und Vertrieb diverser Marken in der Schweiz und in Liechtenstein übernehme. Von den Manipulationen hatte Amag keine Kenntnis.

(woz/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Guschtaff am 29.12.2017 10:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bescheidene Anzahl

    6000? Eine bescheidene Anzahl, wenn man bedenkt, Wieviel zehntausende von VW's herumdieseln...

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  • Res am 29.12.2017 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    Präzedenzfall

    Grundsätzlich eine gute Initiative des SKS. Es wird auch zeigen, ob das Schweizer Gesetz Konsumenten wirklich schützt oder ob VW mit hochbezahlten Anwälten ein nettes Schlupfloch im Gesetz findet. In jedem Fall ist von Volk in diesen Wagen schon lange nichts mehr übrig

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  • Spirig am 29.12.2017 10:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufschrei für nichts.....

    Bemerkenswert ist der Aufschrei in den USA wegen dem bisschen mehr Abgasen während deren Autos mit grossem Hubraum und riesigem Durst dermassen viel Emissionen verursachen...aber stören tuts niemanden...es geht ja nur ums Geld....wie hier auch.....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Alen17ni am 04.01.2018 23:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja

    kann ich da mitmachen

  • Paul am 02.01.2018 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    VW ist unzerstörbar

    Wieso sollte ich gegen VW klagen, etwa weil ich mein VW mit 360 000 km nach 15 Jahren nicht mehr gewollt war, das Fahrzeug alle 2 Jahre bei der MFK vorzuführen.

  • Martial2 am 01.01.2018 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besser als Strom...

    Wo ist das Problem? Diesel-Motoren sind heute so sauber wie Benziner. Wir fahren jetzt auch mit Diesel und geniessen die Sparsamkeit und den ruhigen Motor. In gewissen Länder gibts nichts besser!

    • HEMI am 01.01.2018 19:19 Report Diesen Beitrag melden

      @Martial2

      Kein Problem! Fahre ein DC mit einem modernen HEMI. Dafür fliege ich alle 10 Jahre ein mal!

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  • allaboutmoney am 31.12.2017 15:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    total überrissen

    es ist kein mensch umgekommen und bezüglich erderwärmung und klimawandel (der sowieso nur eine erfindung der reichen ist, um noch reicher zu werden) denn er ist nicht menschen gemacht. das ganze wird von den usa nur soweit getrieben, um die deutsche und folgedessen auch europäische wirtschaft zu schwächen. ist es doch sehr perfide, dass das land, dass mit unter der grösste umweltverschmutzer ist und öl/strom on mass verschwendet mit dem finger auf andere zeit. solche schadenersatzklagen sind nur gerechtfertigt, wenn jemand zu tode gekommen wäre und der konzern dies inkauf genommen hätte!

    • Lukas am 01.01.2018 19:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @allaboutmoney

      Dann ist es ausgeglichen, denn die deutsche Autoindustrie bezahlt und besticht viele deutsche Autozeitschriften. Es ist Vielen bekannt, dass manche Auto Motor Sport Redakteure, plötzlich ein neuer Golf vor der Tür hatten. Dafür gewann der Golf und andere VAG-Fahrzeuge immer jeden Vergleichstest.

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  • Papi am 31.12.2017 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Feinstaub

    Ich bin überzeugt, dass zurzeit von Dieselfahrzeugen die grösste gesundheitsschädigende Gefahr ausgeht. Dass genau da der Betrug von VW ansetzt ist Grund genug für mich, diese Marke oder generell Dieselfahrzeuge zu boykottieren.

    • Mann am 31.12.2017 17:18 Report Diesen Beitrag melden

      Papi hat 0-Ahnung

      Es ist die Gesetzeslücke, welche es den Autobauern ermöglichte ein Diesel auf dem Prüfstand entsprechende Abgasvorschriften einzuhalten. Auf der Strasse segen die Werte anders und besser aus. Ausserdem sind die Feistaubbelastungen von verbrannten Dieselkraftstoff labidar. Der grösste Feinstaubanteil kommt von den Holzheizungen jglicher Art. Ölheizungen und der Bremsstaub aller Fahrzeuge, Bahn und vorallem von Flugzeugen u. Baumaschinen

    • Phil Seggs am 01.01.2018 11:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mann

      Auch Mann irrt: Grundsätzlich reduziert eine effektive Abgasreinigung in allen Betriebszuständen die Leistung und erhöht den Verbrauch. Stell Dir vor: ein optimal auf Sauberkeit eingestellter M3 verliert von 0 auf 200 km/h 1 Sekunde! Das reinste Verkehrshindernis.

    • Fink am 02.01.2018 14:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Papi

      Dieser Meinung bin ich auch. Aber viele meiner Kollegen, die meisten Familienväter fahren Dieselkutschen. EGOS

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