Energiewende

07. November 2012 17:50; Akt: 08.11.2012 08:13 Print

ABB löst 100 Jahre altes Rätsel

Die Ingenieure der ABB haben das fehlende Glied entwickelt, mit dem grosse Elektroenergiemengen ohne grosse Verlust über weite Distanzen transportiert werden können.

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Dem Elektrokonzern ABB ist ein lang ersehnter technischer Durchbruch für die Energiewende gelungen. Die Ingenieure hätten es geschafft, eine Sicherung für weitreichende Gleichstromverbindungen zu entwickeln, teilten die Zürcher am Mittwoch mit.

Damit können lange Stromstrassen - wie etwa von der Nordsee in den Süden - oder moderne Netze stabiler betrieben und Grossverbraucher direkt angeschlossen werden. «ABB hat ein neues Kapitel in der Geschichte der Elektrotechnik aufgeschlagen», wird Vorstandschef Joe Hogan im Communiqué zitiert. Dieser historische Durchbruch macht es möglich, das Netz der Zukunft zu errichten. ABB habe ein 100 Jahre altes Rätsel der Elektrotechnik gelöst, erklärte Hogan.

Schutzschalter für sogenannte Hochspannungs-Gleichstromübertragungs-Netze (HGÜ) waren das bisher fehlende Glied für einen flächendeckenden Durchbruch der Technik. Diese wird vor allem zum Anschluss von Windparks auf hoher See und zur Übertragung von grossen Energiemengen in Meereskabeln und auf grossen Distanzen genutzt.

Geringere Stromverluste

Bei der Gleichstromübertragung sind die Verluste im Gegensatz zum gängigen Wechselstrom-Transfer auf langen Strecken deutlich geringer. Damit liessen sich die Stromverluste um bis zu 50 Prozent senken, hiess es.

«Nun wird es erstmals möglich sein, die Effizienzvorteile der Gleichstrom-Übertragung mit der Stabilität herkömmlicher Netze zu kombinieren», sagte ein ABB-Sprecher. Die Sicherung löse innerhalb von fünf Millisekunden aus und unterbreche den Strom mit der Leistung eines Grosskraftwerks.

Die neuen Schutzschalter könnten ein Kernproblem der HGÜ lösen. Bislang wurden die Verbindungen meist genutzt, um lediglich zwei Punkte miteinander zu verbinden. Hohe Gleichströme liessen sich bisher effektiv nicht abschnittsweise sichern, daher konnten im Gegensatz zum Wechselstrom nur schlecht mehrere Verbraucher wie etwa Industriebetriebe angeschlossen werden.

Würde eine Fabrik einen Kurzschluss verursachen, fiele das komplette Gleichstromnetz aus. Kritiker monieren an dem von ABB vorgestellten Prototypen allerdings, dass er bislang noch nicht an das Leistungsniveau moderner HGÜ-Leitungen heranreicht, die bis zu 800 Megawatt führen.

Grosser Markt

Der Markt für die Schutzschalter wird von Experten auf mittlere Sicht als riesig eingeschätzt. Ein Sprecher des deutschen ABB- Rivalen Siemens hatte noch im Frühjahr erklärt: «Wer als erster so einen Schalter erfindet, wird sich eine goldene Nase damit verdienen.» Auch Siemens arbeitet an einem HGÜ-Leistungsschalter.

HGÜ-Leitungen erfreuen sich weltweit wachsender Beliebtheit, den Markt teilen ABB und Siemens weitgehend untereinander auf. Auch die geplanten Stromautobahnen von der deutschen Küste in die Verbrauchszentren des Südens sollen nach bisherigen Planungen Gleichstrom transportieren.

Die Technik wird vor allem verwendet, um Strom über weite Distanzen von mehreren hundert Kilometern zu bringen. So installiert ABB derzeit etwa eine Verbindung von den Wasserkraftwerken im Himalaya zum Grossraum Neu Delhi.

Zudem spielt HGÜ eine grosse Rolle beim Anschluss von Windparks auf See, wo der Strom häufig kaum anders ins Festlandnetz eingespeist werden kann. Bei dieser Anwendung kämpfen allerdings die Hersteller mit Problemen, der Anschluss der Umspannstationen im Meer verzögert sich seit langem.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peti am 07.11.2012 18:07 Report Diesen Beitrag melden

    Grüner Strom

    Na dann mal los. Gewinnen wir unsere Energie durch die Sonne der Wüsten Afrikas und transportieren diese nach Europa.

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  • Akademiker am 08.11.2012 07:56 Report Diesen Beitrag melden

    mal weiter gedacht

    Hirnrissige Idee mit dem Strom aus der Wüste. 1. Noch abhängiger sein von ihnen als bereits mit dem öl. 2. Anschlag auf die Anlagen und die halbe Welt hat keinen Strom mehr, da alles von dort kommt. Super Idee

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  • unwissend am 08.11.2012 01:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lol

    ich versteh kein wort... entweder liegts an mir oder ihr habts zu technisch geschrieben?!?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kritiker am 09.11.2012 00:19 Report Diesen Beitrag melden

    Fehler

    "und unterbreche den Strom mit der Leistung eines Grosskraftwerks." Das "mit" ist falsch und muss ersatzlos weg. Wenn es ein Grosskraftwerk bräuchte um diesen Schalter zu aktivieren dann wäre keine Energie mehr für die Verbraucher da...

  • Kurt N. am 08.11.2012 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Plasmakugel V2.0

    Kann man jetzt also doch einen Energiezähler an Teslas-Erfindungen kleben? Edison wird sich sicher im Grab umdrehen so energisch er das mit dem Wechselstrom damals durchgeboxt hat.

    • Ben o am 08.11.2012 20:08 Report Diesen Beitrag melden

      Elefant wurde mit Wechselstrom getötet..

      Edison wollte Gleichstrom, Westinghouse wollte Wechselstrom...

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  • Alex Ramseyer am 08.11.2012 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Echter Fortschritt!

    Super, das wird auf jeden Fall helfen - auch bei der Förderung von nachhaltigen Energiequellen. Die Vertreter der herzigen "Solarpanels auf dem Dach" sollten mal ihren Strombedarf auf der Rechnung genau nachschauen und den benötigten Strom danach in Anzahl Solarpanels aufrechnen. Bin Segler und weiss deshalb von was ich spreche. Auf See gibt es keinen Stromanschluss und leider nachts auch kein Sonnenlicht und tagsüber meist nur wenige wirklich gut nutzbare Stunden. Facts are stupid things...

    • Solar Power am 08.11.2012 20:02 Report Diesen Beitrag melden

      Und sie reichen doch, die Herzigen!

      Nur gerade jedes siebte Dach füllen mit Solarpanels und wir brauchen keine AKW's mehr!!!

    • irgendsoaina am 08.11.2012 22:56 Report Diesen Beitrag melden

      Go Erneuerbare Energien

      wenn man mal an den solarpanels weiterentwickeln würde, könnte man den wirkungsgrad enorm steigern. das problem liegt noch an der umsetzung der sonneneinstrahlung zum elektrischen strom. doch auch schon heute holst du dir dein geld schnell raus wenn du deine eigene energie so produzierst. wenn diese dann fortgeschrittener wären, käme es auch nicht mehr so teuer, da das angebot vielfältig sein wird. bin elektroniker und weiss auch von was ich spreche.

    • Solar Powerless am 08.11.2012 22:57 Report Diesen Beitrag melden

      Realität?

      Ja genau. Und die Energie um die Dinger herzustellen erscheint magisch an der Grenze zu Frankreich, während die Speicherseen in der Schweiz ohne einsprache der Naturschützer bedeutend vergrössert werden um die unregelmässige Energieproduktion auszugleichen. Ach ja, und "nur gerade" jeder siebte Hausbesitzer muss rund 50'000 Franken aus der Tasche zupfen um die ineffizienten PV-Zellen aufs Dach zu stecken. Ja, hört sich nach einem Machbaren szenario an. Nein, Solartechnologie braucht noch einige Jahre, bis es im grossen Massstab umsetzbar ist. Eine "nur gerade" gibt es definitiv nirgends.

    • Diro Anders am 09.11.2012 17:56 Report Diesen Beitrag melden

      Längst entwickelt und eingestellt.

      An der Solarenergie wurde längst 'weiterentwickelt'. Nach der entwickelten-90%prozentig-umgesetzten Sonnenenergie wurde dem Entwickler (hier in der Schweiz) das Recht zur Weiterarbeit entzogen und das Projekt eingestellt. Dieser Mann ist heute alt und mausarm.

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  • Fritz am 08.11.2012 10:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abb aktien

    Jetzt abb aktien kaufen!!!

    • Juerg Gilomen am 08.11.2012 15:01 Report Diesen Beitrag melden

      Gute Investition

      Hättest du machen sollen als die Aktie bei CHF 2.05 waren, und niemand an ABB gegalubt hat.

    • Jürg S am 08.11.2012 17:26 Report Diesen Beitrag melden

      Super Schlaumeier

      Habe ich gemacht vor 13 Jahren als die ABB bei 45.- war!!?

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  • J.D. am 08.11.2012 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Sehr gut! Desertec lässt grüssen ;-)