Umfrage

09. Januar 2018 05:43; Akt: 09.01.2018 07:51 Print

Schweizer lügen bei der Bewerbung über den Lohn

Die Schweiz ist Europameister bei falschen Lohnangaben in der Bewerbung. Entweder lügen Schweizer besonders viel, oder sie werden ungewöhnlich oft erwischt.

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Nicht alle sind komplett ehrlich bei der Bewerbung. Die Schweizer sollen besonders schlimm sein. Laut einer Umfrage von Robert Half haben zwei von drei Managern in der Schweiz (68 Prozent) schon einmal einen Bewerber aussortiert, nachdem falsche oder übertriebene Angaben im Lebenslauf aufgeflogen sind. 22 Prozent davon gaben an, die falschen Angaben hätten den früheren Lohn betroffen – so viel wie in keinem anderen untersuchten Land. Nicht nur bei den Lohnangaben entdecken Personaler häufiger Unwahrheiten: Die Hälfte der Befragten in der Schweiz hat falsche und übertriebene Informationen bei den fachlichen Fähigkeiten der Kandidaten festgestellt, 48 Prozent bei den Berufserfahrungen, 31 Prozent bei der Ausbildung, 30 Prozent bei Fremdsprachenkenntnissen und 24 Prozent bei früheren Aufgabenbereichen. Ein weiterer Trend, wenn es um Bewerbungen geht: Viele Interessenten müssen vor einem Gespräch erst mal ein Video von sich selbst aufnehmen. Bei der UBS werden hauptsächlich zur Rekrutierung von Praktikanten und Auszubildenden zuerst Videos gemacht. Dabei wird den Bewerbern auf dem Bildschirm eine Frage gestellt, auf die sie dann in einem Video antworten sollen. Die irische Firma Sonru bietet den Videoservice. Bei Salt kommt das System von Sonru vor allem bei Bewerbungen für Stellen in Salt Stores und Call Centers zum Einsatz, wie ein Sprecher des Unternehmens sagt. Man wolle gerade von diesen Kandidaten sehen, wie sie sich in ungewohnten Gesprächssituationen verhalten. «Der Mensch als Recruiter ist im Bewerbungsprozess ein limitierender Faktor», so Matthias Mölleney, Leiter Center für Personalmanagement an der HWZ. Mit einem automatisierten System in der ersten Vorauswahl sei es möglich, wesentlich mehr Kandidaten die Chance zu geben, sich persönlich zu präsentieren, als wenn nur Recruiter einzelne Gespräche führen würden. Laut einem UBS-Mitarbeiter fühlten sich die Kandidaten nicht wohl in diesem Prozess. Während die Digitalisierung im Bewerbungsprozess eine immer grössere Rolle spielt, verschicken viele Schüler ihre Lehrstellen-Bewerbung weiterhin per Post ab. Laut einer Umfrage der Plattform Yousty wählen 39 Prozent diesen Weg. «In der heutigen digitalen Welt ist das wenig nachvollziehbar», stellen die Experten von Yousty fest. Als Gründe für den Postweg nennen 19,9 Prozent der Schüler, dass ihnen die Eltern empfohlen hätten, ihr Schreiben auf die Post zu bringen, 17,2 Prozent erhielten vom Lehrer diesen Rat. Der am dritthäufigsten genannte Grund ist mit 13,9 Prozent, dass «ich nicht alle Dokumente auf dem Computer habe». 11,2 Prozent finden, die Online-Bewerbung sei zu kompliziert, und 6,8 Prozent wussten nicht, dass Online-Bewerbungen überhaupt möglich sind. Laut Experten hat das Festhalten am Postweg Folgen für die Job-Chancen der Schüler: Wer sich beispielsweise für eine Lehrstelle bei der Telecom-Firma Sunrise bewirbt, wird direkt auf ein Online-Formular weitergeleitet. Von einer Bewerbung per Post ist nicht die Rede. Rebecca Greter, Co-Geschäftsführerin der Coaching-Plattform Ciivii, rät darum den Schülern, sich in solchen Fällen nur online zu bewerben: «Wenn explizit Online-Bewerbungen gewünscht werden, findet das per Post eingereichte Schreiben wohl kaum Beachtung.» Weiter Tipps haben wir auf den folgenden Bildern zusammengestellt. Bei Problemen mit der Online-Bewerbung erkundigt man sich am besten bei Bekannten im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Denn viele Eltern haben sich selbst schon lange nicht mehr selber beworben und wissen daher oft nicht besser Bescheid. Akzeptiert das Online-Formular zum Beispiel die hochgeladenen Dateiformate partout nicht, kannst du die Firma ohne schlechtes Gewissen anrufen und um Hilfe bitten. Das zeigt, dass du dich um die Stelle bemühst. Ein vollständiges Dossier ist auch bei der Online-Bewerbung zwingend. Der erste Eindruck zählt. Motivationsschreiben, Zeugnisse und Lebenslauf sollten in separaten Dateien hochgeladen werden. Wer das berücksichtigt, hinterlässt bei den Personalverantwortlichen einen gewissenhaften und strukturierten Eindruck. Einfache Tricks zum Formatieren von PDFs oder Verkleinern von E-Mail-Anhängen liefert oft eine kurze Google-Suche.

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In der Schweiz schwindeln Bewerber öfters beim alten Gehalt als ihre europäischen Kollegen, um einen höheren neuen Lohn herauszuschlagen – oder sie werden häufiger dabei erwischt. Darauf lässt die Umfrage eines Personalvermittlers schliessen.

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Haben Sie schon einmal in der Bewerbung geschummelt?

Zwei von drei Managern in der Schweiz (68 Prozent) haben schon einmal einen Bewerber aussortiert, nachdem falsche oder übertriebene Angaben im Lebenslauf aufgeflogen sind. 22 Prozent davon gaben an, die falschen Angaben hätten den früheren Lohn betroffen – so viel wie in keinem anderen untersuchten Land.

Das zeigt eine Umfrage des Personalvermittlers Robert Half, für die unter anderem in der Schweiz 200 Manager befragt wurden. In Belgien entdeckten etwa nur 7 Prozent der Manager falsche Lohnangaben, im Vereinigten Königreich 13 Prozent, in Frankreich 14 Prozent und in Deutschland 19 Prozent.

Nur Singapurer werden mehr erwischt

In der gesamten Umfrage übertrifft nur Singapur die Schweiz: Hier berichteten 28 Prozent der Befragten, Bewerber deswegen aus dem Einstellungsprozess gekickt zu haben.

Nicht nur bei den Lohnangaben entdecken Personaler häufiger Unwahrheiten: Die Hälfte der Befragten in der Schweiz hat falsche und übertriebene Informationen bei den fachlichen Fähigkeiten der Kandidaten festgestellt, 48 Prozent bei den Berufserfahrungen, 31 Prozent bei der Ausbildung, 30 Prozent bei Fremdsprachenkenntnissen und 24 Prozent bei früheren Aufgabenbereichen.

Es droht die fristlose Kündigung

Personalverantwortliche seien geschult und wüssten, wie sie Ungereimtheiten im Lebenslauf oder im Vorstellungsgespräch aufdecken könnten, schreibt Robert Half. Beliebt seien etwa Fragen zu Nebensächlichkeiten, mit denen die Bewerber nicht gerechnet haben. Der Personalvermittler warnt: Stellten sich die Täuschungen nach einer Anstellung in der Praxis heraus, drohe eine fristlose Kündigung und schlimmstenfalls Schadenersatz.

Kein Vergehen ist es allerdings, auf Fragen zu lügen, die der Arbeitgeber gar nicht stellen darf. Dies betrifft etwa Fragen zur Familienplanung, Gewerkschaftszugehörigkeit, Religion oder Gesundheit. Robert Half empfiehlt aber auch hier, nicht zu lügen. Stattdessen solle man sachlich erklären, dass die Frage zu privat ist.

(rkn/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lena am 09.01.2018 06:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    privatsache

    Verstehe nicht. Wieso sollte ich meinen bisherigen Lohn preisgeben? Das ist privat. Ich gebe bei Bewerbungen eventuell mein gewünschtes Lohn.

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  • Max mässig am 09.01.2018 06:38 Report Diesen Beitrag melden

    Firma lügen auch

    Die Firmen lügen auch wenn man fragt wie es um sie steht, denn viele geben nicht zu , dass s wirtschaftlich schlechter um sie steht als zuhgegeben. Auch beim Betriebsklima wird gelogen, denn wer gibt schon zu dass die Mitarbeiter wegen den Vorgesetzten massenwiese die Firma verlassen.

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  • jöggeli am 09.01.2018 06:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unwahrheit

    Hört auf so ein Müll zu schreiben und zu erzählen es ist keine fristlose Kündigung auszusprechen bei so Angaben erstens machen das fast jeder und überrall und zweitens können sie dieses thema im Arbeitsrecht nachlesen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dieter Huber am 09.01.2018 22:45 Report Diesen Beitrag melden

    Kann mir jemand helfen?

    Ich hab ein Loch von 40 Jahren, das heisst ich habe nur ein einziges Zeugnis: das meiner Lehre. Ich werde im März 60 Jahre alt.

    • Conny am 09.01.2018 23:01 Report Diesen Beitrag melden

      @ Dieter Huber

      Kannst ja angeben, dass du die Zeugnisse während eines Ferienaufenthalts auf Puerto Rico bei einem Tropensturms verloren hast ... oder die Papiere während eines Megaerdbebens in Chile von den Trümmern verschüttet wurden. Beide Versionen sind sehr glaubwürdig.

    • A.F., Dietikon am 09.01.2018 23:14 Report Diesen Beitrag melden

      @Dieter Huber

      Warum nicht einfach schreiben, dass du 40 Jahre lang nicht gearbeitet hast? Dann bist Du nämlich in der Schweiz der ideale Mitarbeiter, der noch nicht vom Stress geplagt ist. Ich bin sicher, dass du auf diese Weise fast jeden Job kriegen wirst!

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  • päddi am 09.01.2018 22:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schon nur

    die fremdsprachenkenntnisse. was da im cv geschrieben wird ist oft dermassen übertrieben, dass einem die haare zu berge stehen. diese vorstellungsgespräche sind dann sehr kurz.

  • TomK am 09.01.2018 20:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unzulässige Frage

    Meines wissens ist es unzulässig bzw. widerrechtlich nach dem bisherigen Lohn zu fragen. Wird eine solche Frage gestellt kann man für eine unwahre Antwort daher nicht belangt werden. Wird man nach dem Lohn gefragt ist die naheliegende Gegenfrage: Was verdienen die Kollegen und welches Salär ist budgetiert?

  • Vega am 09.01.2018 14:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sich selbst der nächste

    Wer selbst seinen Lohn nicht hoch genug ansetzt , ist selbst schuld. Klar muss man immer realistisch bleiben, aber wer nichts wagt, der nichts gewinnt. Es gut um einen selbst, und Egoismus bezüglich Lohn, ist nur normal. Jeder muss an sich selbst denken. Der Chef freut sich wenn er weniger zahlen muss. Die Frage lautet aber: Freust du dich, wenn du weniger bekommst? Danken würde niemand.

  • Personalchef am 09.01.2018 13:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sprachkenntnisse

    Jeder spricht hier vom Lohn, als ob bei den Fähigkeiten nicht geflunkert wird. Bei den Sprachkenntnissen werden teilweise Sprachen angegeben die man überhaupt nicht beherrscht. Deshalb, auch wenn das mühsam ist, achten wir immer darauf ob auch ein Sprachzertifikat einer anerkannten Sprachschule vorhanden ist. Solange dieses Zertifikat nicht vorhanden ist kann jeder behaupten was er will. Dasselbe gilt für die Berufserfahrung, das Arbeitszeugnis ist in der Bewertung irrelevant, es ist aber relevant für den Nachweis der Berufserfahrung, dass man überhaupt hier und dort gearbeitet hat (ja auch darüber wird gelogen).

    • George am 09.01.2018 14:48 Report Diesen Beitrag melden

      Keiner bezweifelt's

      Ich bekunde bei einer Jobbewerbungen auch, dass ich Suaheli, Telugu und Georgisch beherrsche. Bis heute hat's noch keiner bezweifelt.

    • Krümelmonster am 09.01.2018 15:09 Report Diesen Beitrag melden

      @Georg

      Bei mir müsstest du die "Hosen runterlassen" und erklären, warum du diese Sprachen beherrschst. Nicht, dass ich es prüfen würde oder gar könnte - aber nachfragen würde ich bestimmt.

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