Mann abgelehnt

05. Oktober 2017 17:08; Akt: 06.10.2017 11:55 Print

Airbnb sperrt Zürcherin wegen Diskriminierung

von Dominic Benz - Die Plattform für die Vermietung der eigenen Wohnung boomt. Auch Julia war Mitglied bei Airbnb – bis sie einen Mann nicht als Gast wollte.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Julia* war der Mann nicht geheuer. Ihre Wohnung wollte sie ihm auf Airbnb nicht vermieten. Sie wies ihn mit der Begründung ab, sie bevorzuge einen weiblichen Gast. «Ich hatte bei dem Mann einfach kein gutes Gefühl», sagt die Zürcherin zu 20 Minuten.

Umfrage
Benutzen Sie Airbnb?

Kurz darauf war Julias Airbnb-Account gesperrt. Die Firma teilte ihr mit: «Leider können wir dein Nutzerkonto aufgrund des Verstosses gegen unsere Antidiskriminierungsrichtlinie nicht wieder aktivieren.» Julia habe den Gast wegen seines Geschlechts abgelehnt und damit diskriminiert.

Airbnb betreibt Null-Toleranz-Politik

Die Zürcherin verstand die Welt nicht mehr. Sie versuchte sich bei Airbnb zu erklären. Zurück kamen nur Standardmails. «Meine Wohnung habe ich schon oft Männern vermietet», sagt Julia. Sie vermietete über die Vermittlungsplattform regelmässig ihre ganze 2-Zimmer-Wohnung. Dafür erhielt sie die besten Bewertungen: Julia war eine vorbildliche Gastgeberin, ein sogenannter «Superhost».

Das ist Airbnb egal. Die US-Firma aus dem Silicon Valley betreibt gegenüber Diskriminierung einer Null-Toleranz-Politik. In ihren Antidiskriminierungsrichtlinien legt Airbnb fest: «Wenn du keine Wohnbereiche mit Gästen teilst, ist dir Folgendes nicht gestattet: Ablehnung eines Gastes aufgrund seines Geschlechts.»

Neue Regeln seit 2016

Ein Sprecher der Firma teilt auf Anfrage von 20 Minuten lediglich mit: «Wenn Airbnb darauf aufmerksam wird, dass Nutzer gegen bestimmte Aspekte dieser Richtlinien verstossen, ergreift das Unternehmen entsprechende Massnahmen.» Dies könne auch den Ausschluss von der Plattform bedeuten. Die Regeln hat Airbnb 2016 eingeführt.

Martin Steiger, Anwalt für Recht im digitalen Raum, befürwortet die klaren Regeln von Airbnb gegen Diskriminierung. «Die Firma ist mittlerweile sehr konsequent, was das Thema betrifft», sagt er zu 20 Minuten. Diese Haltung sei aufgrund der veröffentlichten Regeln klar ersichtlich und allen Nutzern bekannt.

Nutzer lesen Geschäftsbedingungen nicht

Doch wann wäre die Absage von Julia nicht diskriminierend gewesen? Die Ablehnung eines Gastes aufgrund seines Geschlechts müsse sachlich begründet sein, so Steiger. «Dann ist es keine unzulässige Diskriminierung.» So darf ein Hotel Kinder mit der Begründung ablehnen, es sei auf Erwachsene mit einem höheren Erholungs- und Ruhebedürfnis spezialisiert. Der Grad zwischen Vertragsfreiheit und Diskriminierung aber sei je nach Begründung schmal, sagt der Anwalt. Häufig scheitere es an der Formulierung: «Wer sich ungeschickt ausdrückt, wird kritisiert, alle anderen diskriminieren unerkannt.»

Ein weiteres Problem: Häufig würden die Nutzer die allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht lesen, sagt Steiger. Doch gerade dann, wenn Kunden über eine Plattform Geld verdienen könnten, dürfe man von ihnen erwarten, dass sie diese lesen.

Unverhältnismässige Sperre

Allerdings findet es Steiger unverhältnismässig, ohne Vorwarnung das Nutzerkonto für immer zu sperren. Zudem sei die Abfertigung von Anfragen mit Standardmails unbefriedigend. «Wegen der strengen Regeln bei Airbnb sollten Nutzer die Möglichkeit haben, sich bei Problemen zu erklären.»

Doch viele grosse Plattformen würden sich den Aufwand für eine direkte Kommunikation mit ihren Nutzern sparen. «Grosse amerikanische Plattformen sollten befriedigende Lösungen bei auftretenden Problemen bieten müssen», so Steiger. Letztlich bleibe einem oft nur der aufwendige Rechtsweg. Da es sich um einen internationalen Sachverhalt handle, müsse die Frage von Rechtswahl und Zuständigkeit aber mit Blick auf den Einzelfall geprüft werden, sagt Steiger.


*Richtiger Name der Redaktion bekannt

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jonas Gerber am 05.10.2017 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld

    "Schlechtes Gefühl weil Mann" ist auch kein guter Grund.

    einklappen einklappen
  • Frau Meier am 05.10.2017 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übertrieben

    Ich versteh die Frau, wenn mir jemand nicht geheuer ist, dann würde ich ihm auch keine Wohnung vermieten. Ob Mann oder Frau. Vielleicht hätte sie halt nicht so ehrlich sein und den Grund nicht offensichtlich angeben sollen. Die Sperrung finde ich übertrieben, wenn jemand ein Superhost war.

    einklappen einklappen
  • Rafael Buovac am 05.10.2017 09:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld

    Unglückliche Wortwahl, auch wenn man sich fragen muss, warum sie nicht an diesen Mann vermieten wollte? "Kein gutes Gefühl", warum? Sah er nicht gut aus, oder was war es? An sich wirklich diskriminierend, kann man nicht abstreiten.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Neeeeee am 08.10.2017 21:25 Report Diesen Beitrag melden

    ist Zwang ok?

    heisst es nun, wenn die Intuition sagt dir, diese Person ist nicht ok für das Geschäft, bist du trotzdem verpflichtet zu vermieten? Das ist krass. Ich denke, dass die Frau sich nur nicht korrekt geäussert. Aber sie hat es erwähnt: sie hatte kein gutes Gefühl bei der Person gehabt. Sie musste es anders formulieren.

  • Jommeri am 07.10.2017 17:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Code of Conduct

    Willkommen in der Realität. Dieser Code wird von den meisten grossen Firmen, auch in der Schweiz, täglich gelebt. Drauflosheulen nützt nichts. Entweder du machst mit, oder du bist raus.

  • Fragender am 07.10.2017 12:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neues Konto?

    Kenne mich übethaupt nicht aus, daher meine Frage: Kann die Frau nicht einfach ein neues Profil bei Airbnb eröffnen?

  • oli g am 07.10.2017 08:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nie,aber gar nie

    käme es mir in den Sinn in der heutigen Zeit wo sich so viel Irre tummeln meine Wohnung an unbekannte zu vermieten ! Selber schuld solche jammeris....

  • reini am 06.10.2017 20:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    einfach abmelden

    blödes Angebot! Ich kann die Frau sehr gut verstehen! Auch als Kunde würde ich niemals diesen Dienst beanspruchen. Wozu gibts B&B oder Hotel?? Alles viel professioneller und angenehmer..