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Raffinerie-Pleite
24. Januar 2012 10:07; Akt: 24.01.2012 16:23 Print
Anleger stossen Petroplus-Aktien ab
Der in finanzielle Schwierigkeiten geratene Schweizer Raffineriebetreiber Petroplus steht vor dem Aus. Anleger wollen die Aktien loswerden. Der Wert gab um über 80 Prozent nach.
Der angeschlagene Raffineriebetreiber Petroplus hat in den seit Ende Dezember laufenden Verhandlungen mit den Kreditgebern keinen Erfolg erzielen können und muss nun die Nachlassstundung vorbereiten. Dies gab das Unternehmen am Dienstag bekannt.
Interessenten für Raffinerie CressierDer Neuenburger Staatsrat Thierry Grosjean bleibt im Hinblick auf die Zukunft der Erdölraffinerie Cressier optimistisch - trotz der möglichen Pleite des derzeitigen Betreibers Petroplus. Das Ziel sei es, durch einen Weiterbetrieb potenzielle Käufer anzulocken.
«Es gibt fünf bis zehn interessierte Käufer», erklärte Grosjean am Dienstagnachmittag anlässlich einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz in Neuenburg. Er nannte zwar keine Namen, bestätigte jedoch, dass es sich bei den Interessenten um grosse ausländische Konzerne handle, die auf das Betreiben von Raffinerien spezialisiert seien.
Man wisse derzeit noch nicht genau, zu welchem Preis und zu welchen Konditionen die potenziellen Käufer zu einem Einstieg bereit wären, präzisierte das Mitglied der Kantonsregierung. Für den Kanton sei es von oberster Priorität, den Wert des Standorts zu erhalten.
Zuerst einmal will Grosjean nun aber das Urteil des Richters abwarten, der den Petroplus-Antrag um Nachlassstundung für die Raffinerie Cressier bearbeiten wird. Stimmt er dem Antrag zu, gehe es in einem nächsten Schritt um die Ernennung eines Sachwalters. Dieses Vorgehen ermögliche die Einführung von Kurzarbeit für die 260 Mitarbeitenden der Raffinerie.
Die Alternative wäre der Konkurs der Raffinerie, was unausweichlich zu Entlassungen und dem Verkauf der Arbeitsgeräte führen würde, hielt Grosjean fest. Aktuell führen die Mitarbeitenden Unterhaltsarbeiten durch. Die Produktion ist seit vergangener Woche gestoppt. (sda)
Petroplus sei für Schuldverschreibungen und Anleihen im Volumen von 1,75 Mrd. Dollar technisch zahlungsunfähig geworden, teilte das Unternehmen mit.
Der Schritt zur Nachlassstundung würde sowohl in der Schweiz als auch in jenen Ländern eingeleitet, in denen Petroplus mit Tochterfirmen vertreten ist, also in Deutschland, Grossbritannien, Frankreich und Belgien. Das Ziel müsse es nun sein, dass alle Operationen sicher heruntergefahren werden und möglichst viel Wert für die verschiedenen Stakeholders erhalten werden könne.
Seit Dezember unter Druck
Der Raffineriebetreiber war Ende Dezember in massive Schwierigkeiten geraten, nachdem dessen kreditgebende Banken noch nicht bezogene Kredite in Höhe von 1 Mrd. Dollar (rund 932 Mio. Fr.) eingefroren hatten und das Unternehmen kein Rohöl mehr zur Verarbeitung kaufen konnte.
Petroplus hatte seitdem mit den Kreditinstituten verhandelt und zeitweise auch den Verkauf der Anlagen im französischen Petit- Couronne erwägt sowie den Verkauf der Anlagen in belgischen Antwerpen und im schweizerischen Cressier zumindest nicht ausgeschlossen.
Anleger stossen Aktien ab
Anleger wollen die Aktien von Petroplus so schnell wie möglich loswerden. Die Aktien des Raffineriebetreibers sind nach Ankündigung der Nachlassstundung am Dienstag massiv eingebrochen.
Nach 9.30 Uhr notierten die Petroplus-Aktien bei hektischem Handel mit gerade noch 28 Rappen und kosteten damit um über 80 Prozent weniger als am Vortag. Eröffnet hatte die Aktie sogar mit einem Minus von 90 Prozent.
Mit einem Umschlag von 5,6 Mio Titeln ist bereits in der ersten halben Stunde mehr als das Doppelte des durchschnittlichen Handelsvolumens der letzten beiden Monate umgesetzt worden. Am Montag waren die Titel ab 13.30 Uhr bis Börsenschluss vom Handel ausgesetzt gewesen.
Das Unternehmen ist seit einigen Wochen in akuter Geldnot. Ende Jahr hatte es bereits angekündigt, drei seiner fünf Raffinerien zu schliessen, und hatte in der Zwischenzeit entsprechend den Betrieb im französischen Petit Couronne im schweizerischen Cressier und in Antwerpen heruntergefahren.
Schlimmstes Szenario eingetroffen
Nun sei das schlimmste Szenario für das Unternehmen eingetroffen, kommentiert ZKB-Analyst Martin Schreiber. Aus der Insolvenzmasse würden in erster Linie die Aufwendungen für das Personal bedient, an nächster Stelle stünden die besicherten Anleihen und Bankenkredite, erinnert der Analyst.
Wie viel nachrangigen Gläubigern und schliesslich den Aktionären aus der Konkursmasse noch zustehe, sei aufgrund der undurchsichtigen Lage von Petroplus derzeit kaum abschätzbar.
(sda)
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Alle 20 Kommentare




























Bank sei Dank!
Schon toll, wie die Banken, die selbst vor kurzem in Argen Nöten waren dieses Unternehmen fallen lassen. Milliarden der Steuerzahler zur eigenen Rettung erhalten, aber ohne mit der Wimper zu zucken hunderte Arbeitsplätze zerstören...danke liebe Banken! *zynismus aus* :)
Petrominus als Privileg
Eine Geschichte mehr, welche als legaler Abzock deklariert wird. Justiz macht natürlich nichts, aber die kleinen Fische fangen sie wie Heringe ...
Banken
Was bringt es den Banken gerade jetzt die Kredite zu blockieren, wollen die mit Gewalt Geld verlieren?
Ganz einfach
Wirf schlechtem Geld kein gutes hinterher! Dieser Grundsatz gilt auch heute noch bei der Kreditvergabe. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!
Int. Absprache zum wohle CH
Mögl. Szenario: Die Banken sind bei den 3 grossen europ. Branchenbrüdern stark investiert und mit dem Engagement verdienen diese mehr. Geht PP hops, muss die Schweiz mehr Raffinerierte Prod. importieren. Damit dies möglich ist benötigt man in der Regel einen üppigen Kreditrahmen bei einer Bank - der Lieferant möchte ja eine gewisse Sicherheit. Weiter kann man an der "Abwicklung" auch noch sehr gut Geld verdienen. Wie wir gesehen haben, verlieren Banken selten Geld (Wie auch, haben kaum welches). Es ist immer der Bütel, ähm Bürger.