EU gegen Apple

30. August 2016 10:56; Akt: 30.08.2016 14:06 Print

Apple muss 13 Milliarden Euro Steuern nachzahlen

Die EU knöpft sich Apple vor: Sie erklärt das Steuerabkommen zwischen dem US-Konzern und Irland für unzulässig und will Milliarden nachfordern. Apple kündigt Berufung an.

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Bis zu 13 Miliarden Euro dürfte der iPhone-Konzern nachzahlen müssen wegen unzulässiger Steuervorteile in Irland. Wächter eines Imperiums: Tim Cook an einem Apple-Event in San Francisco. Tim Cook arbeitet seit 1998 bei Apple, seit 24. August 2011 ist er CEO. Im März 2012 besuchte er eine Fabrik des Zulieferers Foxconn. Marketingchef Phil Schiller (Bild) und andere Führungskräfte blühen unter Tim Cook auf. «Schiller ist das, was man eine Rampensau nennt; Cook ist viel zu blass, um da mitzuhalten. Er braucht Schiller als Showmaster», sagt Wolf Lotter vom Wirtschaftsmagazin «brand eins». Erstes längeres Interview mit dem neuen Apple-Chef: Tim Cook an der All-Things-Digital-Konferenz in Los Angeles. (29. Mai 2012) Hatten einen langen gemeinsamen Weg hinter sich: Tim Cook (links) und Steve Jobs neben Vizepräsident Phil Schiller (rechts) im Jahr 2008. Ist am Erfolg von Apple massgeblich beteiligt: Steve-Jobs-Nachfolger Tim Cook. Unter ihm wurde Apple erstmals zum wertvollsten Unternehmen der Welt. Der iPhone-Hersteller hat Tim Cook den Einstand am 24. August 2011 mit einem millionenschweren Aktienpaket versüsst. Der im Oktober verstorbene Steve Jobs holte den Compaq-Manager Cook 1998 zu Apple und Cook griff beim damals ums Überleben kämpfenden Unternehmen schnell durch. Cook schloss eigene Produktionswerke und setzte auf Auftragsfertiger. Er liess die Lagerbestände von Monaten auf Tage schmelzen. Es hilft Apple, bei dem schnellen Modellwechsel in der Elektronikbranche keine Auslaufgeräte als Altlasten herumliegen zu haben. Nach seinem Stellenantritt als Firmenchef Ende August 2011 schrieb Cook in einem Mail an die Mitarbeiter: «Ich möchte, dass Sie zuversichtlich sind, dass sich Apple nicht verändern wird. Ich schätze und würdige Apples einzigartige Prinzipien und Werte. Steve hat ein Unternehmen mit einer Kultur geschaffen, die mit keiner anderen zu vergleichen ist. Wir werden weiterhin daran festhalten.» Der neue Chef kleidet sich ähnlich wie Steve Jobs. Und ähnlich wie Jobs gilt Cook als öffentlichkeitsscheuer Workaholic, der auch mal E-Mails mitten in der Nacht verschickt und oft ähnlich schwierig im Umgang ist. Cooks Führungsstil illustrierte «Fortune» mit folgender Anekdote aus den 90er-Jahren. Apple-Manager um Cook beraten über ein Problem in Asien. «Das ist schlimm», sagt er, «jemand sollte sich direkt in China darum kümmern.» Eine halbe Stunde später blickt er einem der Anwesenden ins Gesicht und fragt: «Warum sind Sie eigentlich noch hier?»

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Der iPhone-Hersteller Apple hat einen seiner grössten europäischen Sitze im irischen Cork. Den US-Konzern lockten Steuererleichterungen dahin. Die Europäische Union sieht darin eine unerlaubte Beihilfe, wie Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager am Dienstag in Brüssel urteilte. Sie erklärte den Steuerdeal mit Irland für ungültig. Apple muss demnach bis zu 13 Milliarden Euro Steuern nachzahlen. Zinsen kommen noch dazu. Allein die Geldreserven des Konzerns beliefen sich diesen Juli auf über 200 Milliarden Dollar.

Apple zahlte für Gewinne seiner Handelstochter Apple Sales International einen effektiven Körperschaftsteuersatz von zunächst einem Prozent und dann 0,005 Prozent im Jahr 2014. Apple Sales International ist der offizielle Verkäufer von Apple-Geräten, die aus Asien eingeführt werden.

Irland wehrt sich

Die irische Regierung kündigte umgehend Berufung an. Finanzminister Michael Noonan sagte, er sei mit der Entscheidung der Kommission überhaupt nicht einverstanden. Auch Apple will einen Rekurs. Konzern-Chef Tim Cook hatte bereits Mitte August angekündigt, bei einer Entscheidung gegen sein Unternehmen in Berufung zu gehen.

In einer Mitteilung verurteilte Apple die Entscheidung aus Brüssel scharf. Diese werde «tiefgreifende und verheerende Auswirkungen» auf Investitionen und die Schaffung von Arbeitsplätzen in der EU haben.

Europäische Union räumt mit Steuerdeals auf

Die EU-Kommission hatte Irland schon 2014 vorgeworfen, internationale Steuerregeln umgangen zu haben, um ausländische Firmen anzulocken und so Arbeitsplätze zu schaffen.

Die EU Kommission hat bereits in ähnlichen Fällen von legaler Steuervermeidung Urteile gefällt: Die Niederlande wurden so aufgefordert, von der US-Kaffeekette Starbucks 30 Millionen Dollar Steuern nachzufordern.

Vorgehen gegen Starbucks und Fiat Chrysler

Starbucks betreibt in den Niederlanden seine einzige Kaffeerösterei in Europa. Von dort aus werden auch Essen sowie Zubehör wie Becher und Servietten vertrieben und Starbucks-Filialen in ganz Europa, im Nahen Osten und in Afrika beliefert. Der Umsatz war entsprechend hoch, doch Steuern zahlte Starbucks wegen legaler Lizenzgebühren-Tricks kaum. Die EU erklärte das im vergangenen Jahr für unzulässig.

Auch bei Fiat Chrysler griff die EU durch und forderte Luxemburg auf, von dem Autokonzern 30 Millionen Euro an Steuern zurückzufordern, die durch legale Steuerkonstruktionen vermieden worden waren.

(ish)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Teacher am 30.08.2016 11:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das freut mich.

    Schön, dass die Amis in Steuerangelegenheiten auch mal zur Kasse gebeten werden! Nach allem...

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  • THINK am 30.08.2016 11:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aber einen Konzern

    mit einem Geldberg von 240 Milliarden Dollar darf man nicht belangen.Jetzt sind die USA ganz schlecht gelaunt, obwohl es deren Job gewesen wäre dafür zu sorgen das Konzerne wie Apple endlich Steuern in entsprechender Höhe in den USA bezahlen.Aber geht ja nicht, Präsidenten werden bei der Wahl von den selbigen unterstützt... Alles klar.Machen wir die Reichen also noch reicher und die Armen noch ärmer.

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  • Rodney McKay am 30.08.2016 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Und Junker?

    Wird Junker und Luxembourg Auch an die Kasse kommen? Wenn nicht, wäre dies der Hohn. Dieser Schluckspecht gehört bestraft...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Igel am 31.08.2016 16:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausser Spesen..?

    Ja selber Schuld. Apple hats erfunden wie man schnelles Geld macht. Erstens Steuerhinterziehen zweitens überteuerte IPhones um noch mehr zu scheffeln drittens mit mehr kleinen Innovationen welche nicht wirklich der grosse Wurf sind neue Kunden oder die alten zu neukauf bewegen.

  • Apfel am 31.08.2016 16:00 Report Diesen Beitrag melden

    Und die Strafe?

    Schön & gut, 13 Milliarden Steuern nachzahlen.. Und wie hoch ist die Strafe?!! Unsereins müsste dafür eine gewaltige Summe Strafe bezahlen und zusätzlich noch hinter Gitter! Und Apple?

    • Alexander S. am 31.08.2016 17:47 Report Diesen Beitrag melden

      Wofür?

      Wieso sollte es eine Strafe dafür geben? Der niedrige Steuersatz wurde auf legalem Weg festgelegt und gesetzeskonform angewandt. Die EU hat lediglich beschlossen, dass dies so nicht in ihrem Interesse ist und das Abkommen für ungültig erklärt. Hierbei handelt es sich nicht um eine illegale Steuerhinterziehung - legale Konstrukte haben dies ermöglicht.

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  • More Money am 31.08.2016 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Capitalism ole!

    50 euro steurn fuer je 1 million gewinn... eine schande ist das! Klar sind solche mega firmen immer im plus, wir ALLE zahlen mehr steuern.... trauriges system.

  • Dini am 31.08.2016 12:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recht so

    Wurde aber auch zeit! Jetzt beisst apple mal in den sauren apfel!

  • Alois Niklaus am 31.08.2016 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Als nächstes ist Google dran!

    Als nächstes ist Google dran - schätze das wird etwa 200 Mia ausmachen (ist ungefähr der illegal erzielte Gewinn wegen Suchindexmanipulation - Eu-Kommission- Zerschlagung von Google. Google zahlt dies sicher aus der Portokasse. Also bereits genügend Beamte einstellen um das Goolge-Bussgeld zählen zu können!