20'000 neue Jobs

18. Januar 2018 02:53; Akt: 18.01.2018 08:58 Print

Apple holt wegen Trump Milliarden zurück

Der iPhone-Konzern will seine enormen Geldreserven in die USA zurückbringen sowie 20'000 neue Stellen schaffen. Das Weisse Haus lobt die Ankündigung.

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Kündigt in den USA massive Investitionen an: Apple. (Archivbild)

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Apple will nach der US-Steuerreform den Grossteil seiner gewaltigen Geldreserven ins Heimatland bringen. Zusätzlich zu einer beispiellosen Steuerzahlung von 38 Milliarden Dollar stellte der iPhone-Konzern massive Investitionen in den USA und den Bau eines neuen grossen Standorts in Aussicht.

Nach jüngsten Angaben vom Herbst lagerte Apple einen Geldberg von gut 252 Milliarden Dollar ausserhalb der USA. Die Höhe der erwarteten Steuerzahlung legt nahe, dass der Konzern nur wenig davon im Ausland lassen will. Eine spannende Frage wird sein, wie die Entscheidung den Konflikt mit der EU-Kommission um die von ihr geforderte Steuernachzahlung von 13 Milliarden Euro an Irland beeinflussen wird.

30 Milliarden in den USA investieren

Amerikanische Unternehmen müssen auf Auslandsgewinne erst Steuern bezahlen, wenn das Geld in die USA überwiesen wird. Dann wurde nach bisherigen Regelungen aber ein hoher Satz von 35 Prozent fällig – und etwa 5 Prozent für den jeweiligen Bundesstaat obendrauf. Unter diesen Umständen zogen es die Firmen vor, das Geld jahrelang im Ausland zu lagern und auf günstigere Konditionen zu warten.

Diese kommen jetzt: Nach der unter US-Präsident Donald Trump beschlossenen Steuerreform soll Bargeld mit 15,5 Prozent besteuert werden und weniger liquide Werte mit acht Prozent. Die Zahlungen können über acht Jahre gestreckt werden.

Apple will nun in den kommenden fünf Jahren 30 Milliarden Dollar in den USA investieren, wie das Unternehmen am Mittwoch ankündigte. Gut ein Drittel davon solle in Rechenzentren in den USA fliessen. Der Fonds für den Ausbau von High-Tech-Produktion in den USA – der Zulieferern zugute kommt – wird von einer auf fünf Milliarden Dollar aufgestockt.

Neuer Campus, Boni für Mitarbeiter

Auch wolle Apple einen neuen Campus für seine Mitarbeiter an einem noch nicht genannten Ort eröffnen. Zudem sollen 20'000 neue Jobs an bereits existierenden Standorten entstehen. Zum Stichtag 31. Dezember 2016 hatte Apple rund 80'000 Mitarbeiter in den USA.

Insgesamt werde Apple in den kommenden fünf Jahren 350 Milliarden Dollar zur US-Wirtschaft beitragen, hiess es ohne nähere Aufschlüsselung dieser Rechnung. Der Grossteil davon dürfte aber auf Zahlungen an US-Zulieferer zurückgehen, die bei über 50 Milliarden Dollar jährlich liegen.

Trump verbuchte die Apple-Entscheidung schnell als seinen Verdienst. «Ich hatte versprochen, dass meine Politik es Unternehmen wie Apple erlauben wird, massive Geldbeträge in die USA zurückzubringen», schrieb er bei Twitter. Es sei grossartig zu sehen, dass Apple angesichts der Steuerkürzungen genau das mache. «Ein riesiger Sieg für amerikanische Beschäftigte und die USA!»

Nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg sollen die Apple-Mitarbeiter nach der Steuerreform zudem als Bonus Aktienoptionen im Wert von 2500 Dollar erhalten.

EU fordert Steuernachzahlung

Die EU-Kommission fordert die Steuernachzahlung an Irland, wo ein grosser Teil der Auslandseinnahmen landet. Aus Sicht der Brüsseler Behörde verzerrten Apples Steuervereinbarungen in dem Land den Wettbewerb. Der Konzern und Irland wehren sich dagegen.

Die Kommission hatte zudem kritisiert, das der Konzern ein System geschaffen habe, in dem die Auslandsreserven praktisch steuerfrei seien. Apple hatte stets betont, auf das Geld müssten Steuern in den USA bezahlt werden. Auch der US-Fiskus hatte kritisiert, die Europäer wollten an Geld ran, das eigentlich ihm zustehe.

Apples Geldreserven betrugen Ende September 268,9 Milliarden Dollar. Davon lagerten 94 Prozent ausserhalb der USA.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lämpel am 18.01.2018 06:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Switzerland first

    Auch wir Schweizer sollen uns nicht von der EU beeindrucken lassen, ruhig unsere vielbewährte Tief-Steuerstrategie weiterführen und innovativ bleiben. Nur so können wir uns vom Rest der Welt abheben.

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  • Hans Bürki am 18.01.2018 07:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abschätzend

    Trump verbuchte den Erfolg schnell als seinen Verdienst ist ein sehr negativ belasteter Satz bei dem ich etwas Ironie heraushöre. Versteht mich nicht falsch, ich bin kein Fan von Trump! Aber wenn er dafür gekämpft hat die Steuern zu senken und dies auch erreicht hat, dann ist der Schritt von Apple bestimmt ihm gutzuschreiben. Ohne die Steuersenkung wäre es ja wohl nie dazu gekommen.

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  • Mani Motz am 18.01.2018 05:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aus Sicht der USA

    Nicht "wegen" Trump, sondern "dank" Trump.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Muro83 am 19.01.2018 15:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gebt solchen Konzernen keine Chance

    In Europa mussten sie ja kaum Steuern zahlen und nun können sie ihr gespartes zuhause ausgeben. Verstehe nicht wie man solche Konzerne so tief Besteuern kann!

  • V. Scherrer am 19.01.2018 11:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prioritäten

    Es werden in den nächsten 1-2 Jahren noch mehr Erfolge zu verbuchen sein. Aber, sorry Trumpianer, man weiss aus den letzten Jahrzenten, dass die Auswirkungen von Wirtschaftsreformen jeweils erst nach 1-3 Jahren nach Beschluss sichtbar werden. Ich empfehle Trump dem (öffentlichen) US Schulsystem mal zu einem Erfolg zu verhelfen. Das wäre mal eine Investition in die Zukunft. Aber Donny macht erst mal auf Kohle. Zu kurzfristig denkend.

    • wooz am 19.01.2018 13:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @V. Scherrer

      Wohin sollen dann die Absolventen nach dem Abschluss? Ins Ausland?

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  • V. Scherrer am 19.01.2018 10:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dimensionen....

    Schön, 20000 Jobs mehr. Das ist gut. Bei ca. 13000 Mio Stellenlosen brauchts jedoch schon noch ein paar mehr. Niedrigere Unternehmensteuern - auch schön. Und wer zahlt die Ausfälle die die US einfahren dadurch? Du denkst doch nicht, dass Unternehmen jetzt grossflächig (direkt oder indirekt) in neue Mitarbeiter investieren? Ich sags mal ganz anti-akademisch: Das macht die Sparsau nicht Fett. Aber der orangen Flatulenz kanns egal sein. Bis seine Wählerschaft es schnallt ist er verduftet.

  • Elisabeth am 18.01.2018 20:13 Report Diesen Beitrag melden

    Spezialisten woher nehmen?

    Toll! und nun muss Apple die Spezialisten doch aus Indian und anderen Fernost Ländern einstellen. Auch Israel wird nicht zu kurz kommen als neue Immigranten in die USA!

  • Steven135 am 18.01.2018 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Die Gedanken eines Narzissten....

    Wie kann man eine solche Mentalität hochloben wenn sie besagt, zuerst kommen wir, erst viel später die anderen, vor allem vom einem Land das sich immer als Moralapostel und Weltpolizisten aufspielte... Ich kann darin nichts gutes erkennen... und ich bin wahrlich kein kommunistisches Gedankengut verfallen... aber gut für uns und der Schweiz kann ich nichts finden... habe nichts gegen Trump, aber ein Grund ihn deswegen zu feiern sind ich deplatziert...