Wertvolle Daten

20. März 2017 08:33; Akt: 20.03.2017 08:33 Print

Apps von Versicherern überwachen Autofahrer

von S. Spaeth - Wer vorsichtig fährt, wird belohnt. Derzeit setzen Versicherer auf Apps, die Infos zum Fahrstil sammeln. Konsumentenschützer warnen.

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Wer der Versicherung Daten zum eigenen Fahrverhalten liefert, erhält Vergünstigungen. Gleich mehrere Schweizer Anbieter testen derartige Apps. Nicht nur Apps sammeln Daten, auch die Fahrzeuge selbst sind aktiv. Bei modernen Autos, die sind, weiss der Hersteller viel mehr über den Fahrer, als wohl vielen von ihnen lieb ist. Die Autos sind mit GPS ausgerüstet und verraten dem Hersteller ständig die Die Autos zeichnen zudem die gefahrenen auf. Ebenso kennen sie die ... ... und wissen übers Modul der Traktionskontrolle, ob ein Fahrer oder mit Kavaliersstart losbraust. Der Autohersteller weiss, ob man oft bei schlechtem und Kälte ... ... oder bei unterwegs ist. Zudem wissen moderne Autos aufgrund der Aufmerksamkeitskontrolle, ob man ein ist oder zum Abschweifen oder Einnicken neigt. Im Bild: VW demonstriert den Prototyp einer automatischen Aufmerksamkeitskontrolle. Autos sind Datensammler, die je nach Modell mehrmals stündlich Angaben an den Hersteller liefern. Darunter sind Angaben übers, ... ... die Anzahl der ... ... die wie Smartphone oder Tablett im Auto, ... ... oder den der Besitzer, wenn sie beispielsweise entspannt im Auto ausruhen. Ebenso zeichnen moderne Autos Angaben über den auf, ... ... wissen wie oft die Fahzeugbesitzer eine ... ... oder mit wird. Stark im Aufzeichnen von Daten sind laut Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer BMW mit seinem Modell i3 ... ... oder Tesla. Dass die Autohersteller Daten sammeln, sei wichtig für die Mobilität der Zukunft, sagte Thomas Schiller, Autoexperte bei der Beratungsfirma Deloitte. «Fürs autonome Fahren sind die Daten zwingend. Das eine kann man nicht ohne das andere haben.»

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Moderne Auto sind mit Dutzenden von Sensoren ausgerüstet, die dauernd Daten sammeln und sie an die Hersteller übertragen: Vom Standort über die Geschwindigkeit bis zum Gurttragen. Diese Sammelwut ärgert zwar einen Teil der Autokäufer, weil damit aber Garantieleistungen verknüpft sind, kann man sich nur schlecht dagegen wehren.

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Ebenso fleissig im Datensammeln sind die Smartphones, die Autofahrer ständig mit sich führen, was sich gleich mehrere Versicherer zunutze machen, wie die «SonntagsZeitung» berichtet. Auf Anfrage von 20 Minuten heisst es bei der Helvetia, dass in Spanien seit 2016 eine App im Einsatz ist, die Parameter wie Tempo, Beschleunigung und Bremsverhalten aufzeichnet. Das Produkt «Helvetia Good Driver» hat der Versicherer gemeinsam mit dem Telecomkonzern Telefonica entwickelt. Es ist derzeit bei 6000 Personen im Einsatz. «Die App setzt auf Gamification und erlaubt den Kunden, spielerisch ihr Fahrverhalten zu verbessern», sagt Helvetia-Sprecher Jonas Grossniklaus.

Datenschutz mit höheren Prämien erkaufen?

Damit die Autofahrer der freiwilligen Auswertung der Fahrdaten zustimmen, locken Gutscheine für digitale Einkäufe. Skeptisch ist darum Konsumetenschützerin Sara Stalder: «Man muss sich bewusst sein, dass ein solches Entgegenkommen in Zukunft nicht mehr der Fall sein könnte, weil es sich in eine Pflicht umkehrt», so Stalder zu 20 Minuten (siehe Interview). Wer den Datenschutz gewährt haben will, müsse sich diesen mit höheren Prämien erkaufen. Ob Helvetia die App auch hierzulande lanciert, ist offen. Der Versicherer hat die Software bereits bei Schweizer Mitarbeitern getestet, wie Grossniklaus sagt. Nun werde das weitere Vorgehen festgelegt.

Heute entscheiden simple Kriterien wie Alter, Geschlecht und Nationalität darüber, wie hoch die Prämie für die Autoversicherung ist. Mit der Digitalisierung ergeben sich aber Möglichkeiten, das Risiko der einzelnen Personen genauer abzuschätzen. Tests bei der Mobiliar haben gezeigt, dass Kunden bereit sind, ihre Fahrdaten zur Verfügung zu stellen, wenn sie im Gegensatz eine günstigere Prämie erhalten. Die App der Mobiliar zeichnete auf, wo und wann die Testteilnehmer unterwegs waren, so Sprecher Jürg Thalmann zu 20 Minuten. Am Test hätten 500 Personen mitgemacht, vorwiegend Mitarbeitende. Ob und in welcher Form dieses Modell auf den Markt kommt, ist noch offen.

Hohe Rabatte bedeuten indirekten Zwang

Eine App zur Auswertung der Fahrdaten entwickelt hat auch die Swiss Re. Sie vergleicht anonymisierte Daten von Navigationssystemen mit dem Fahrstil der Nutzer: Wer risikoarm fährt, erhält Punkte. Die Autobesitzer erhalten laufend ein Feedback zu ihrem Fahrverhalten. Derzeit wird die App bei 2000 Angestellten getestet. Wer gut fährt, dem winken Gratiskaffee oder Vergünstigungen auf Benzin. Die App soll irgendwann anhand von Auffälligkeiten beim Fahren messen können, ob ein Fahrer Alkohol getrunken hat.

Laut dem aktuellen Datenschutzgesetz müssen die Autofahrer ihre Daten freiwillig zur Verfügung stellen. Zu hohe Rabatte hätten einen indirekten Zwang zur Folge, sagt Francis Meier, Sprecher des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragen zur «SonntagsZeitung». Wer eine solche App nicht nutzen will, darf laut Gesetz keine erheblichen Nachteile erfahren.

Bewegungssensor lieferte ungenaue Daten

Das Registrieren der Fahrbewegungen ist aber nicht ganz so simpel. Der Versicherer Axa zog den 2014 lancierten Drive Recorder Ende 2016 wieder aus dem Verkehr, weil der Bewegungssensor teilweise zu wenig genaue Daten geliefert hatte. Über 6000 Kunden liessen sich den Recorder installieren und erhielten im Gegenzug Rabatte zwischen 15 und 25 Prozent.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • JMC M am 20.03.2017 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Comon

    Zuerst die Prämien zahlen und dann wegen Kontrolle nicht einmal den Schaden bezahlt bekommen. Langsam wird es wirklich lästig.

  • Fritz Lauener am 20.03.2017 08:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kontrolle

    Sehr gefährlich Im Schadenfall wird man kontrolliert. Prämie bezahlen und noch Kontrolle

  • TheRealSchnauz am 20.03.2017 08:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lol

    Als wenn das nicht von Anfang klar war.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Anonymous am 21.03.2017 11:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    falsche Fährte

    Wir wissen das diese Daten weiterverkauft werden, so wie bei allen Telefonanbietern unsere Handynr. an Call Centern. - Diesmal für einen anderen Zweck. Ich kenne mich aus damit und glaubt mir, das würde ich nicht machen!

  • B.Z am 21.03.2017 07:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Durchdacht

    Super Sache und voll durchdacht. Da lade ich gerne alle APPs runter und spare Prämien. Rumgurken werde ich dann mit meinem zweiten Handi das keine Infos hergibt.

  • Meschugge am 21.03.2017 03:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schneller - langsamer

    Vor kurzem habe ich hier gelesen, die Polizei will, dass man schneller fährt. Hier steht wieder das Gegenteil, wenn es um die Versicherungen geht. Ja, was denn nun?

  • PDD am 21.03.2017 01:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bessernicht

    Das sammeln alleine würde mich nicht stören, nur weiss ich dass meine Prämie ins unermässliche steigen würde. Wenn die wüssten ;)

  • Raser am 20.03.2017 23:00 Report Diesen Beitrag melden

    Ja zur Blackbox

    Erstens: Alle, die ein Telefon haben, auf dem Apps installiert sind, werden eh von A bis Z überwacht,darum sind diese alle per se einverstanden mit dem Fahrtenschreiber/Blackbox. Wer dazu noch bei Facebook & Co dabei ist, kann seine Daten eh gleich auf einem Leintuch aus dem Fenster hängen. Zweitens: Ein Fahrtenschreiber kann nicht nur dazu dienen, die Schuld des Fahrers festzustellen, sondern auch dessen Unschuld. Ich bin für die Einführung einer Blackbox, aber nur, wenn sie nur die letzten 5 Minuten festhält für den Fall eines Unfalls,aber nicht ununterbrochen alles abspeichert.

    • Ver.Vor am 21.03.2017 09:14 Report Diesen Beitrag melden

      Versicherungs- und Vorsorgespez.

      Und genau so funktioniert es! die letzten 5 min... aus erster hand!!

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