Nebenwirkung

22. Februar 2015 09:01; Akt: 22.02.2015 09:01 Print

Arbeitslosigkeit macht asozial und unfreundlich

von Kaspar Wolfensberger - Den Job zu verlieren ist eine einschneidende Erfahrung. Laut einer Studie kann sie die Persönlichkeit eines Menschen für immer verändern.

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Erwerbslosigkeit kann die Persönlichkeit einer Person tiefgreifend verändern. Das ist das Resultat einer Studie des englischen Psychologen Christopher Boyce, der an der Universität Stirling lehrt. Das Kernresultat des Forschers: Wer lange Zeit keinen Job hat, der wird dauerhaft zu einem weniger pflichtbewussten, offenen und umgänglichen Menschen. Dies wiederum vermindere die Chancen, einen neuen Job zu finden.

«Die Resultate zeigen, dass unsere Persönlichkeit nicht fest ist und sich aufgrund externer Effekte immer wieder verändern kann», erklärte Boyce bei der Präsentation seiner Resultate. «Bisher waren wir uns nicht bewusst, wie tiefgreifend die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf die menschliche Psyche sein können», so der Forscher weiter.

Zu Beginn freundlicher

Für die Studie verwendeten Boyce und sein Team eine Stichprobe von insgesamt 6‘769 deutschen Erwachsenen. Diese absolvierten zweimal innert vier Jahren einen standardisierten Persönlichkeitstest. Dabei analysierten die Forscher primär fünf Charaktereigenschaften der Probanden: Pflichtbewusstsein, Emotionalität, Freundlichkeit, Extrovertiertheit und Offenheit.

«Wir fanden heraus, dass Personen zu Beginn einer Phase der Arbeitslosigkeit oft freundlicher sind als zuvor.» Der Grund: Sie versuchen sich gut zu verkaufen, um bald wieder einen Job zu finden. «Allerdings ist diese Phase bald vorbei. Je länger die Arbeitslosigkeit andauert, desto unfreundlicher wurden die Probanden.»

Politik ist in der Pflicht

Auch das Pflichtbewusstsein habe nachweislich immer weiter abgenommen. Ausserdem würden die Personen immer verschlossener und begännen sich sozial abzugrenzen. Es liessen sich dabei gewisse Unterschiede zwischen den Geschlechtern beobachten, allerdings sei die Auswirkung von Erwerbslosigkeit auf die Persönlichkeitsstruktur sowohl bei Männern als auch bei Frauen durchwegs negativ.

Boyce selbst sieht aufgrund seiner Resultate die Politik in der Pflicht. «Sie muss mit besserer Hilfe für die Arbeitslosen und dem Schaffen von Jobs verhindern, dass es zu solchen negativen Persönlichkeitsveränderungen kommt.» Bemühungen der Regierungen, die Arbeitslosenraten zu senken seien also nicht nur wichtig, um der Wirtschaft zu helfen, sondern auch, um den Charakter und die Persönlichkeit der Menschen zu stärken.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • contramis am 22.02.2015 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Unglück kommt selten allein

    Unverschuldet den Job zu verlieren, kann für jemanden, der sein Geld lieber selber verdienen würde, sehr schlimm sein. Insbesondere wenn noch verschiedene andere Probleme bereits an einem zünftig nagen. So einer braucht dann nur noch an den falschen RAV-Berater zu geraten, der lieber den Temporärbüros die Stange hält, als den Familienvater zu beraten/unterstützen. Da verliert man schnell mal den Glauben, dass am Ende des Tunnels Licht ist. Deshalb ist es absolut von grösster Wichtigkeit, dass die Berater gut geschult werden.

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  • Jobless am 22.02.2015 12:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitslos

    Ich bin seit 5 Monaten ausgesteuert, das RAF konnte mir nicht mal eine einzige Stelle präsentieren. Ich frage mich wirklich ernsthaft was diese Funktion für die verzweifelten Arbeitssuchenden soll. Für mich ist das RAF lediglich ein Kontroll Organ das leider den falschen Namen hat, mit Arbeitsvermittlung hat das RAF nicht viel zu tun. Ich bin 52 und habe, wie es aussieht auch nach über 400 Bewerbungen und Absagen keine Chance mehr eine Stelle zu bekommen. Ich bin am verzweifeln !!!!

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  • aargau er am 22.02.2015 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz tragisch heute...

    ...zum Jobverlust, kommen meisstens noch Druck von Behörden(siehe Spreienbach, kein Einzelfall). Der Arbeitlose Mensch wird vielfach im Stich gelassen, obwohl das Gegenteil behauptet wird. Die Pseudoausbildungen, die Pflicht sind, bringen nichts, da die Ausbildung der Personen vielfach besser sind. Sie sind nur eine weitere Hürde im Zeitmanagment der Arbeitslosen bei einer Stellensuche. Die Hilfe von der entlassenden Firma ist ebenfalls nur so, dass sie das behaupten kann, sie hätte es getan. Zweifelhafte Stellenvermittlungsbüros helfen auch kaum, die Karteigrösse ist ihnen wichtiger. usw...

Die neusten Leser-Kommentare

  • gianni am 23.02.2015 18:29 Report Diesen Beitrag melden

    RAV sollte generalüberholt werden

    Beim RAV Heerbrugg hat mir Hr. Valentinelli gesagt dass Webdesign und Websupport Jobs ohne Zukunft seien. Ich bekäme keine Unterstützung... Der hatte aber wirklich Ahnung, sass aber immer ganz cool auf dem Schreibtisch nach dem er immer zu spät erschien, während ich Zukunftsorgen hatte.

  • Waurm nur so am 23.02.2015 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    Grenzgänger m.Job Einheimische ohne

    Wohne in Grenzregion, jeden Tag Stau von Grenzgängern und bei uns gibt es mehr Arbeitslose in der Stadt als enet der Grenze. Das kann doch einfach nicht wahr sein.

    • nicht aufgegeben am 23.02.2015 14:41 Report Diesen Beitrag melden

      günstige "Fach"-Kräfte

      Das sind nun einfach mal die billigen Arbeitskräfte aus dem Ausland - so sieht's aus. Ob man das nun wahr haben will oder nicht. Will der Schweizer, der durch eine "EU-Fachkraft" ausgewechselt wurde, jedoch über der Grenze in DE/AT etc. günstiger einkaufen, ist er ein ganz Böser. Die Wirtschaft will billige Arbeitskräfte und überteuerte Produkte in der CH verkaufen. So sieht's aus. Denkt bei der nächsten Abstimmung bitte auch daran...

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  • nicht aufgegeben am 23.02.2015 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    mit 28ig schon 2x gekündet

    Als ich 28ig war, hatte man mir schon zwei Mal "aus wirtschaftlichen Gründen" gekündet. Das war jeweils immer nach erfolgreichem Abschluss einer Weiterbildung (neben 100% Arbeit). Es ist schon witzig, einerseits fordern die Arbeitgeber etc. gut aus- / weitergebildete Mitarbeiter und wollen dies auch unterstützen. Tut man das und schliesst erfolgreich ab, kriegt man den Tritt in den Hintern. Witziges System...

    • E.S. am 23.02.2015 14:50 Report Diesen Beitrag melden

      wird nicht das letzte Mal sein

      Ja, dann kriegst du den Tritt in den Hintern und den Beweis gleich dazu, dass es eben NICHT um Qualifikation geht sondern um BILLIGE Arbeitnehmer. Aber solange das Volk hier wirklich jede Lügenpille schluckt....Ich wünsch dir von Herzen viel Glück!

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  • Ramon K. am 23.02.2015 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Kenne da

    Ich war Jahre lang pflichtbewusst, arbeitete auch mal am Wochenende ohne zu murren. Wollte meine Projekte immer zur Zufriedenheit des Kunden durchführen. Dann aus dem heiteren Himmel beschlosse der neue CEO in allen Abteilungen Leute zu entlassen, in der Hoffnung noch mehr Gewinn einzufahren. Ich wurde mit dem scheinheilligen Grund, Umstrukturierung entlassen. Seit her reisse ich mir für keine Firma ein Bein aus. Siehe da, bekomme Geld ohne müde zu werden. Gut palavern reicht heute. Loyal bin ich nicht mehr, es hat mich geprägt.

  • Dieter Eberle am 23.02.2015 09:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbst ist der Mann

    Mein RAV Berater in Winterthur war immer sehr freundlich zu mir und hat mich immer Moralisch unterstützt. Liebe Arbeitslose seit euch endlich mal im Klaren " jeder ist seines Glückes Schmid " und " hilf dir selbst dann wird dir geholfen" . Nur zwei Weisheiten von vielen die die Wahrheit verkörpern. Wenn man das verinnerlicht so strahlt man das auch bei der Stellen Suche aus und kommt somit auch positiv rüber und das hilft ungemein.