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«Pitbull» Homm
15. November 2012 14:38; Akt: 15.11.2012 16:34 Print
Auch die Schweiz jagt diesen Finanzhai
von B. Bruppacher - Nach fünf Jahren im Untergrund meldet sich der deutsche Finanzakrobat Florian Homm zurück. Er will sich den Vorwürfen stellen, die unter anderen auch die Bundesanwaltschaft gegen ihn erhebt.

Florian Homm: Der deutsche Finanzakrobat soll 200 Millionen Euro in der Schweiz versteckt haben. (Bild: Keystone)
Mit Interviews in führenden deutschen Medien und der Publikation eines Buchs mit dem Titel «Kopf Geld Jagd» inszenierte er letzte Woche seine Rückkehr: Florian Homm, 53 Jahre alt, wurde auch schon als skrupellosester Finanzinvestor Deutschlands bezeichnet.
Homm: Zigarren, Villen, BVBFlorian Homm, Grossneffe des deutschen Versandhauskönigs Josef Neckermann, sorgte in der Schweiz erstmals in den 90er-Jahren mit einem erfolglosen Übernahmeversuch beim Berner Nahrungsmittelproduzenten Galactina für Aufsehen. Es folgten Beteiligungen bei Comet, Ascom, SIG und Mobilezone. Ein Übernahmeversuch der Basler Medienfirma Highlight Communications scheiterte. In Deutschland griff Homm unter anderem den Autoverleiher Sixt und den Finanzdienstleister MLP an. Im Falle Sixt wurde er wegen Kursmanipulation zu einer Busse verurteilt.
Von der US-Börsenaufsicht SEC wird ihm vorgeworfen, mit seinen Fonds systematischen Betrug auf den Märkten für Kleinstaktien betrieben zu haben. Homm weist die Vorwürfe zurück.
Aufsehen erregte Homm aber nicht nur wegen seines aggressiven Geschäftsgebarens. Der 2,03 Meter grosse Harvard-Absolvent und Liebhaber kubanischer Zigarren trat zu seinen besten Zeiten in deutschen TV-Talk-Shows auf. 2004 stieg er zusammen mit dem Mobilezone-Gründer Ruedi Baer beim vom Konkurs bedrohten Fussballklub Borussia Dortmund ein. Geschäftspartner empfing Homm gerne in seiner Villa auf Mallorca. 2006 überlebte er einen Raubüberfall in Venezuela nur knapp. «Ich mach lieber mein Ding, als beliebt zu sein», sagte Homm Anfang 2007 in einem Interview des Magazins «Facts» und fügte hinzu: «Everyone’s darling is everyone’s asshole.» (bb)
Fünf Jahre zuvor hatte Homm seine Anleger geschockt: In einem kurzen Statement hatte er den Rücktritt bei seinem Hedgefonds Absolute Capital Management (ACM) bekannt gegeben und war abgetaucht. Eine durchtanzte Nacht im Zürcher Kaufleuten soll dem Abgang vorausgegangen sein.
Phantom Homm taucht wieder auf
Seither blieb Homm spurlos verschwunden – zum Ärger damaliger Geschäftspartner und Gläubiger. Kundengelder von über 150 Millionen Euro sollen verschwunden sein. Erst im letzten Mai sorgte das «Phantom Homm» wieder für Schlagzeilen: Ein Privatdetektiv aus Lübeck stellte ein Video auf YouTube, in dem 1,5 Millionen Euro für Hinweise ausgesetzt wurden, die dazu führen, Homm dingfest zu machen.
Das Kopfgeld war angeblich der Anlass, dass sich Homm nun zurückmeldete. Es handle sich um einen verklausulierten Mordauftrag, sagte er in Interviews. Homm, der sich selber als Pitbull bezeichnet, produzierte ebenfalls ein Video .
«Finde die Feiglinge»
Darin setzt er seinerseits eine Belohnung von 10'000 Euro aus, für Hinweise, die zu den Auftraggebern des Kopfgelds führen. Was Homm von diesen hält, macht die E-Mail-Adresse für die Hinweise deutlich: findthecowards@innocent.com. Auf Deutsch: Finde die Feiglinge at unschuldig.com.
Apropos Unschuld: Homm kündigte zugleich an, er werde sich den Vorwürfen stellen, die Staatsanwaltschaften mehrerer Länder gegen ihn erhoben haben. Dazu gehört auch die Bundesanwaltschaft (BA) in Bern. Sie hat bereits am 8. September 2009 ein Verfahren wegen qualifizierter Geldwäscherei, Urkundenfälschung und Fälschung von Ausweisen gegen Homm eröffnet.
Arbeitet Homm mit der BA zusammen?
BA-Sprecherin Jeannette Balmer bestätigt entsprechende Recherchen von 20 Minuten Online. «Es wurden in diesem Verfahren auch Gelder blockiert.» Die Sprecherin wollte sich aber weder zur Höhe der gesperrten Gelder noch dazu äussern, ob Homm der Bundesanwaltschaft tatsächlich seine Zusammenarbeit angeboten hat.
Mehr zum Schweizer Verfahren und zu den Millionensummen ist einer Reihe von anonymisierten Beschwerdeentscheiden des Bundesstrafgerichts zu entnehmen. Die Geldwäscherei bezieht sich demnach auf Gewinne aus Börsendelikten, die Homm und weiteren Beschuldigten in den USA vorgeworfen werden. Laut der Bundesanwaltschaft geht es um Vermögenswerte in der Höhe von 200 Millionen Franken, die aus kriminellen Aktivitäten stammen sollen und in die Schweiz verschoben wurden.
Homms Frau muss nicht darben
Homms Finanzgeflecht umfasst auch Konten seiner Ex-Frau, liechtensteinische Stiftungen und Rechtsanwälte. Bei den Beschwerden vor Bundesstrafgericht ging es meist um die Freigabe gesperrter Gelder – bisher ohne Erfolg.
Selbst die 2006 von Homm geschiedene Frau blitzte mit dem Begehren ab, monatlich 15'000 Franken für ihren und den Unterhalt ihrer beiden Kinder zu erhalten. Darben muss die Ex-Frau allerdings nicht: Laut der BA-Analyse verfügt sie über Bargeld, Immobilien und andere Vermögenswerte in der Höhe von über 40 Millionen Euro.
Noch 1 Prozent übrig
Homm seinerseits will sich jetzt mit seiner Familie aussöhnen und seine beiden Kinder um Vergebung bitten. Von seinem Vermögen, das einst auf 400 Millionen Euro geschätzt wurde, sei nicht mehr viel übrig, vielleicht noch 1 Prozent, erklärte er in den letzte Woche erschienenen Interviews.
Überhaupt: Der einst als Plattmacher und Finanzhai verschriene Homm will sich vom Saulus zum Paulus gewandelt haben. Von karitativem Engagement zeugt zumindest die im Zürcher Handelsregister eingetragene Liberia Renaissance Foundation. Zweck der Stiftung ist die Förderung der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung Liberias. Als Präsidentin des Stiftungsrats fungiert Homms geschiedene Frau.

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