Filter-Software

14. November 2016 10:16; Akt: 14.11.2016 18:07 Print

Auch in der Schweiz sieben Roboter Bewerbungen aus

von V. Blank - Viele Job-Kandidaten werden von Firmen mittels einer Software ausgesiebt. Auch Schweizer Arbeitgeber setzen zunehmend auf digitale Filter-Systeme.

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Jobsuchende denken beim Schreiben einer Bewerbung normalerweise an einen Menschen in der Personalabteilung, der ihre Unterlagen im besten Fall wohlwollend prüft. Doch immer öfter entscheidet eine Software, welcher Kandidat es in die engere Auswahl schafft.

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Sogenannte Applicant-Tracking-Systeme (ATS) analysieren Online-Bewerbungen und Lebensläufe auf bestimmte Inhalte. Nicht alle Bewerber haben Freude am HR-Roboter: In den USA wollen abgelehnte Job-Kandidaten den Anbieter einer solchen Filter-Software vor Gericht bringen. Sie seien systematisch benachteiligt worden.

Firmen wollen Effizienz steigern

In den USA setzten mittlerweile fast alle grossen Unternehmen auf ATS. «In der Schweiz werden sie noch etwas weniger eingesetzt, haben sich aber in den letzten Jahren stark verbreitet», sagt Reto Rüegger, Gründer der Firma Softfactors.

Das Schweizer Start-up bietet selbst eine Software im Bereich der digitalen Rekrutierung an. Die Gründe für die Verbreitung von Bewerbungs-Software lägen auf der Hand: «Da geht es ganz klar um Effizienzsteigerung – wenn ein Unternehmen für eine Stelle mehrere Hundert Bewerbungen erhält, kann es diese Masse gar nicht mehr anders bewältigen», so Rüegger.

In der Schweiz würden praktisch alle Grossfirmen auf digitale Bewerbermanagement-Systeme setzen. «Die meisten haben einen sogenannten CV Parser integriert – diese Technologie ist am meisten verbreitet», erklärt der Firmengründer. Beim CV Parsing durchsucht die Software die eingereichten Lebensläufe etwa nach dem Namen des Bewerbers, aber auch nach Schlüsselbegriffen, Titeln und Daten. So findet der Bewerbungsroboter beispielsweise heraus, wie gross und wie relevant die Erfahrung des Bewerbers für eine offene Position ist.

Umstrittenes System

Die Methode ist umstritten, wie die Klagen von abgewiesenen Bewerbern in den USA zeigen. Auch Software-Experte Rüegger ist «gar kein Fan davon», wie er zu 20 Minuten sagt: «CV Parsing ist einfach zu ungenau.»

Die Gefahr für Bewerber liegt darin, dass sie beispielsweise wegen fehlender Schlüsselwörter fälschlicherweise aussortiert werden – obwohl sie eigentlich zum Stellenprofil passen würden. «Die Systeme beziehen nur nackte Fakten wie Berufserfahrung und Bildung ein, nicht aber die Persönlichkeit des Kandidaten», bemängelt Rüegger. Darum habe er sich auch entschieden, seine eigene Software auf den Markt zu bringen – «wir messen 25 persönliche Kompetenzen der Kandidaten, um den Menschen als Ganzes zu erfassen».

Manche Firmen dafür, manche dagegen

Eine Firma, die beim Rekrutieren auf digitale Helfer setzt, ist IBM Schweiz. «Nach Eingang der Bewerbung findet ein Abgleich durch eine entsprechende Software statt, die eine Übersicht über die Qualifikationen der Bewerber aufbereitet», sagt IBM-Sprecherin Susan Orozco. Danach würden alle eingegangenen Bewerbungen persönlich durch eine HR-Fachperson geprüft.

Gleichzeitig gibt es auch Arbeitgeber, die die Lebenslaufanalyse bewusst nicht einsetzen. «Wir möchten unsere Mitarbeitenden nicht nach einem bestimmten Muster vorselektionieren», sagt Daniel Sommer, HR-Leiter bei KPMG Schweiz. Diesen wichtigen Schritt wolle man nicht einem automatisierten Prozess überlassen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heiri am 14.11.2016 10:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehrere Hundert Bewerbungen?

    Ich denke, in der Schweiz fehlen Fachkräfte

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  • afedial am 14.11.2016 10:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich traue dem nicht...

    Ich bin immer noch der Meinung, dass kein Roboter der Welt ein persönliches Gespräch mit dem Bewerber ersetzen kann! Erst hier kann man beurteilen, wie er reagiert und ob er dafür tatsächlich geeignet ist. Die Zeit sollte man sich nehmen. Denn es geht hier um die Zukunft eines Menschen!

    einklappen einklappen
  • Steff am 14.11.2016 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Aufwand

    Also dann einfach unmengen an Schlagwörter in die Bewerbung packen... sehr intelligent und verringert sicher den Aufwand des HR.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marcel am 29.11.2016 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Kein PDF???

    Heutzutage eine Bewerbung als Word versenden ist absolut Gottsträflich. Es kursieren extrem viele Virenmails mit Kryptolocker drin, welche als Bewerbung getarnt sind und ein Word im Anhang haben. Es gibt viele Firmen, die Bewerbungsmails mit Word-Dateien im Anhang direkt löschen. Bitte korrigiert euren Bericht.

  • Tinu am 16.11.2016 02:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    PDF ist kein Problem, im Gegenteil!

    Also wenn so eine Software keine PDF's lesen könnte, dann wäre sie so gut wie nicht zu gebrauchen. Wer schreibt denn so was hier rein? Wer Doc's einreicht wirkt unprofessionell. Besser: Direkt aus Word oder halt einer besseren Software als PDF abspeichern. Jaaa Word kann das auch!

  • c.g. am 16.11.2016 00:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was ist tatsächlich richtig/falsch?!

    selber arbeitslos und am bewerbungen schreiben, weiss ich langsam nicht mehr was nun bei einer bewerbung inhaltlich tatsächlich gültig ist?! es gibt soviele unterschiedliche meinungen und geschmäcker... wenn absagen kommen, tönt es eh immer gleich! ... viele bewerbungen und jmd passenderes für die stelle gefunden, tja! schwieriges thema ...

  • Jösu am 15.11.2016 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Well done...

    Also anders gesagt macht dieser Roboter sein Job?! Man lernt doch in der Schule, wie man sich bewirbt!

  • Guschti am 15.11.2016 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    kein PDF?

    PDF wird in der Regel vorgeschrieben und ist auch für die Software kein Problem. Dazu ist es nur nötig, das Dokument nicht als "Bild" zu erstellen. Testen kann man das in dem man das Dokument im Reader öffnet. Lassen sich Textpassagen mit dem Auswahlwerkzeug anzeichnen, versteht auch die Software den Text.