Vorsicht Falle

19. November 2013 12:21; Akt: 20.11.2013 08:31 Print

Auf Airbnb wimmelts von falschen Chalets

von Dorothea Vollenweider - Auf Airbnb treiben derzeit Betrüger ihr Unwesen. Sie locken mit Luxus-Chalets in Zermatt zu einem unverschämt tiefen Preis. Und kassieren im Voraus ab.

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Vier Freunde wollen Neujahr in Zermatt verbringen. Sie suchen nach einer Unterkunft und werden auf Airbnb fündig: Ein Luxus-Chalet mit vier Zimmern und vier Badezimmern für 205 Franken pro Nacht. Das Angebot scheint zu gut, um wahr zu sein. Also haken die vier Freunde nach, schreiben der Gastgeberin mit dem Namen Amita eine E-Mail. Diese antwortet umgehend, alles sei bestens, sie könnten das Chalet über Neujahr zu diesen Konditionen haben.

Das Geld ist weg

Die Freunde buchen und erhalten von Airbnb und der Gastgeberin umgehend eine Bestätigung. Zudem erhalten sie eine E-Mail, worin sie aufgefordert werden, eine Anzahlung von 680 Pfund als Depot auf ein englisches Konto zu überweisen. Sie gehen der Aufforderung nach. Kurz darauf werden sie von Airbnb informiert, dass es sich um ein Betrugsmail handelte. Zu spät: Das Geld ist weg.

Dies ist einem 20-Minuten-Leser, der anonym bleiben will, und seinen Freunden letzte Woche passiert. Airbnb bedauert den Vorfall und verweist darauf, dass auf der Website ausdrücklich darauf hingewiesen wird, niemals auf Zahlungsaufforderungen via E-Mail einzugehen.

Doch nicht nur die E-Mail mit der Zahlungsaufforderung stammt von Betrügern. Auch das Luxus-Chalet und die Gastgeberin existieren in Wirklichkeit wohl nicht – das Angebot ist bereits einen Tag nach der Buchung nicht mehr auffindbar. «Ich war schockiert, weil das Angebot so professionell daherkam», so das Airbnb-Opfer. Das Luxus-Chalet wurde mit rund 10 Bildern dokumentiert und die Gastgeberin kommunizierte in fehlerfreiem Englisch mit ihnen. Sogar die Strasse, an der sich das Chalet angeblich befindet, wurde angegeben.

Betrüger noch immer aktiv

Zwar ist das Luxus-Chalet von Amita derzeit nicht mehr auf Airbnb zu finden. Doch eine Recherche von 20 Minuten ergab: An derselben Strasse in Zermatt wurde am Montag ein anderes Luxus-Chalet von Isaias aus Brasilien angeboten. Es bietet angeblich Platz für 10 Personen, hat 5 Schlafzimmer und 3 Bäder und ist für 250 Franken pro Nacht erhältlich. Die Bilder zeigen ein wunderschönes Haus, mit riesigem Wohnbereich und einer Glasfront mit Panoramasicht. Es gibt nur ein Problem: Die Bilder stammen von einem weiteren Luxus-Chalet, das ebenfalls auf Airbnb im Angebot steht – für etwas über 1200 Franken pro Nacht. Ein Preis, der dem Angebot viel eher entspricht.

Bleibt die Frage: Prüft Airbnb die Unterkünfte, die auf ihrer Website angeboten werden, auf Echtheit? «Wir haben ein 80-köpfiges Trust and Safety Team, das rund um die Uhr arbeitet, um Betrüger von der Plattform fernzuhalten», sagt Paula Kadelski, Sprecherin von Airbnb, auf Anfrage von 20 Minuten. Doch wie das Beispiel zeigt, reicht diese Kontrolle nicht aus, um alle dubiosen Angebote von der Seite zu entfernen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus W. am 19.11.2013 14:07 Report Diesen Beitrag melden

    Geiz ist geil

    die Jungs werden sicherlich nicht nur 1 Objekt angeschaut haben, dass nun gerade so ein günstiges Luxusangebot nur auf sie gewartet hat müsste sie doch stutzig gemacht haben... aber nein, geiz ist ja geil und man hinterfragt solche günstigen Angebote überhaupt nicht mehr - sorry, aber mit den Jungs habe ich kein Mitleid.... ausserdem haben sie ja auch noch falsch gehandelt, bei den Zahlungsinformationen steht klipp und klar drin, dass man über das Airbnb Zahlungssystem zu bezahlen hat..... aus Fehlern lernt man... hoffe, die Jungs haben auch etwas gelernt ;-)

  • Markus Bernardi am 19.11.2013 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zahlung über Airbnb nutzen!

    Nur am Rande wird erwähnt, dass die Zahlung nicht über Airbnb abgewickelt wurde sondern gemäss Zahlungsinfos aus separatem Mail. Airbnb verlangt eine Servicekommission, überweist dafür aber das Geld dem Gastgeber erst am Tag der Anreise. Dies bietet einen Schutz, den man nutzen sollte.

    einklappen einklappen
  • Rösli am 19.11.2013 12:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer billig kauft, kauft zweimal

    Geiz ist soo geil.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Adriano Bürgi am 21.11.2013 14:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufs bauchgefühl hören

    Wäre auch fast reingelaufen. 3 zimmer dachwohnung, all inclusiv in basel für 1300.- Zum glück hab ich ein gutes bauchgefühl....

  • Klaus am 20.11.2013 07:48 Report Diesen Beitrag melden

    Offensichtlich unbelehrbar

    Obwohl solche "Dumping" Angebote gerade zu aus dem Bildschirm schreien "Hey - ich bin im Fall so was von gefälscht!", fallen offensichtlich immer noch viele auf solche Lockangebote rein. Und dann sind sie auch noch bereit, einen hohen Vorschuss zu leisten! Nebst der Tatsache, dass viele Geprellte einfach schlicht unbelehrbar zu sein scheinen, spielt hier offensichtlich die "Geiz ist Geil" Mentalität eine grosse Rolle. Das Angebot lässt scheinbar bei vielen Glückshormone ausschütten, die folglich die Vernunft ausgehebeln!

  • Mändu am 20.11.2013 07:41 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz klar

    Klarer Fall von Geiz. Wenn man die Zahlungsbedingungen von Airbnb einhält, läuft das Ganze ja nicht direkt über den Vermieter, sondern über Airbnb selbst (Betrag wird auf Kreditkarte blockiert und erst einen Tag nach bestätigtem Check-In an den Vermieter überwiesen). Nur, weil Leute die Vermittlungsgebühr von Airbnb (die übrigens lächerlich tief ist) umgehen wollen, heisst das nicht, dass Airbnb schuld ist. Finde die Berichterstattung deswegen reisserisch, falsch recherchiert und sie suggeriert, dass Airbnb schuldig ist.

  • Chrigu am 20.11.2013 07:30 Report Diesen Beitrag melden

    Also bitte.

    Jeder, der nicht die Zahlungskonditionen von Airbnb einhält, ist echt selber schuld. Dort ist alles geregelt - und bei Problemen erhält man das Geld zurück. Wer direkt an den Vermieter zahlt; naja, halt mal AGB's lesen und sich darüber informieren, wie Airbnb eigentlich funktioniert. Ist nicht allzu schwierig (man mietet eine Wohnung, zahlt an Airbnb (inkl. deren Provision), wenn man dann alles als ok meldet, gibt Airbnb das Geld an den Vermieter - aber erst dann). Interessant ist nur, dass dieser Bericht kommt, nachdem Verwaltungen und Hoteliers gegen Airbnb opportuniert haben. Mhmm.

  • Luditus am 20.11.2013 07:25 Report Diesen Beitrag melden

    Wisst ihr überhaupt, wie Airbnb läuft?

    Liebe 20min und Kommentierende; Wisst ihr eigentlich, wie das mit Airbnb läuft? 1. Man wählt sich eine Wohnung aus 2. Man zahlt vorab für diese an AIRBNB, nicht an den Vermieter 3. Erst wenn man als Mieter bestätigt, dass alles ok ist (!!!), erhält der Vermieter das Geld von Airbnb. Ansonsten wird das Geld (oder einen Teil davon) zurückerstattet. Hab' Airbnb jetzt schon zig mal gebraucht und hatte noch nie ein Problem. Auch, als uns in Tromsö (Nor) eine Wohnung gecancelled wurde - Geld einen Tag später zurückerhalten und eine Option für die Übernachtung wurde uns angeboten (zum selben Preis).