Sprit

06. September 2017 12:06; Akt: 06.09.2017 12:32 Print

Autofahrer müssen fürs Falschtanken bluten

von Dominic Benz - Jährlich tanken Tausende ihre Autos versehentlich mit Benzin statt Diesel. Das kann teuer werden. Was übernehmen die Versicherungen?

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Das Malheur an der Tankstelle ist schnell passiert: Ein abschweifender Gedanke, ein falscher Griff, und schwupps - im Autotank ist Benzin statt Diesel.

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Haben Sie auch schon mal ein Fahrzeug mit dem falschen Treibstoff betankt?
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Dass Autofahrer den falschen Sprit tanken, ist keine Seltenheit. Laut TCS kommt es in der Schweiz pro Jahr zu rund 10'000 solchen Verwechslungen.

Meistens wird versehentlich Benzin statt Diesel getankt. Das Umgekehrte kommt kaum vor, da der breitere Diesel-Rüssel nicht in den Benzinstutzen passt. Bei einer Verwechslung sollte der Fahrer das Auto stehen lassen. Ansonsten drohen massive Schäden am Motor. «Es können Reparturen in der Höhe von 3000 bis 5000 Franken oder mehr entstehen», teilt David Venetz, Mediensprecher von TCS, auf Anfrage mit.

«Das Auto begann zu stottern»

Diese schmerzhafte Erfahrung machte 20-Minuten-Leser Stefan R. Er war mit einem Diesel-Mietauto von Hertz unterwegs. An der Tankstelle füllte er Benzin ein. Den Irrtum bemerkte er vorerst nicht. «Ich fuhr los, bis nach kurzer Zeit das Auto zu stottern begann.»

Als gar nichts mehr ging, alarmierte er den Pannendienst. Dieser stellt rasch die Diagnose: Falschbetankung. Stefan R. kann es noch heute nicht fassen. «Es ist mir ein Rätsel, wie das geschehen konnte», sagt er.

Gesalzene Rechung

Schon bald flatterte eine Rechnung von 1002 Franken ins Haus. Hertz verrechnete das Abschleppen des Wagens, das Auspumpen des Tanks, die Reinigung sowie eine komplette Tankfüllung.

Berappen musste Stefan R. alles selber. Im Schadensprotokoll schreibt Hertz: «Eine Falschbetankung stellt laut unseren Mietbedingungen eine unsachgemässe Bedienung des Fahrzeuges das.» Daher greife die von Stefan R. gewählte Haftungsbeschränkung nicht.

«Die Versicherungen bezahlen meistens nicht»

Die Versicherer tun sich schwer mit Falschtanken. «Gemäss unseren Erfahrungen bezahlten die Versicherungen meistens nicht», sagt TCS-Sprecher Venetz. Selbst bei Mietwagen-Vollkasko sind Falschbetankungen oft von der Versicherung ausgeschlossen.

Das ist auch beim Versicherer AXA Winterthur so. «Das Risiko ist bei uns momentan nicht versicherbar», sagt Sprecherin Mirjam Eberhard. Mit einer Zusatzversicherung könnten aber die Kosten fürs Abschleppen und die Heim- oder Weiterreise gedeckt werden. Für das Auspumpen und Reinigen des Tanks sowie allfällige Motorschäden muss der Fahrer immer selber aufkommen.

Der Beifahrer ist versichert

Eine Ausnahme gibt es: «Wenn der Beifahrer und nicht der Fahrer falsch tankt, ist dies über die Grunddeckung der Privathaftpflichtversicherung des Beifahrers gedeckt», sagt Eberhard. Das gilt auch bei Mietwagen. Bei Ehepartnern zahlt die gemeinsame Haftpflicht jedoch nicht. Wer mit dem Beifahrer-Trick schummeln will, macht sich des Versicherungsbetrugs schuldig. «Das Thema steht bei uns aktuell nicht im Fokus. Grundsätzlich überprüfen wir aber alle Schadensmeldungen auf ihre Plausibilität.»

Trotz tausenden Falschbetankungen hat die Autoindustrie noch immer keine Universal-Lösung entwickelt. In den USA haben bereits vor Jahren einige Autohersteller wie VW mit Windeseile bestimmte Modelle mit Sicherheitssystemen an den Tankstutzen aufgerüstet.

Europa lässt sich Zeit

In Europa lässt sich die Industrie allerdings Zeit. Auf dem Markt sind entsprechende Adapter zu kaufen, die das Falschtanken verhindern sollen. Nur einzelne Marken wie Ford setzen serienmässig Systeme gegen Falschbetankung ein. Viele Hersteller in Europa würden versuchen, die Gefahr einer Verwechslung zu reduzieren, sagt TCS-Mann David Venetz. «Selbst der dünnere Benzin-Zapfhahn passt bei vielen Fahrzeugen nicht in die grössere Tanköffnung des Dieselmodells – jedenfalls nicht ohne weiteres.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • InMa am 06.09.2017 12:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lesen hilft

    Eigenverantwortung übernehmen... man weiss doch was der Gaul säuft.

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  • roger am 06.09.2017 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Was übernehmen die Versicherungen?

    Zum Glück übernehmen die nichts, ich will doch nicht meine Prämie für Schusseligkeit verschwendet sehen.

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  • A~ am 06.09.2017 12:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie

    Ich frage mich immer wie das passiert. Man schaut doch welchen Schlauch man nehmen muss.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Toni Müller am 07.09.2017 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Eigenverantwortung

    Wer soll den sonst für den selbst verursachten Fehler zahlen?

  • Dani Fäh am 07.09.2017 10:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur schnell..

    Es braucht nicht immer Dummheit, ein kurzer Moment unachtsamkeit im Sterss, noch jemand, der nebenan nervt, und schon greifst du den falschen Schlauch. Ist mir , als gelernter Automech auch schon passiert. Nur noch schnell.., und schon ist es Passiert. Bin weggefahren, und merkte dann, dass der Motor komisch ruckelt, also sofort anhalten und abstellen. Reparatur kostete ca 500.- Fr. Es kommt halt schon drauf an, wie schnell man es merkt, und was für eine Garage man hat.

  • Giorgio am 07.09.2017 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    Motorklang und Drehzahl

    In 90% von den Fällen merkt man schon vom Ton des Autos, was für Kraftstoff getankt werden muss. Ist das Auto im Stillstand leise und stottert kaum, ist es meist ein Benziner. Hört es sich eher wie ein Lastwagen an, ist es ein Diesel. Geht die Tourenanzeige über 6000/min und ist die rote Anzeige nicht bei ungefähr 4000/min oder 5000/min ist es meist ein Benziner. Diesel sind in der Regel tieftourig. Aber, vor allem bei Mietwagen, fragt nach welchen Kraftstoff das Auto braucht. Und sonst: Stück Papier, Benzin oder Diesel drauf schreiben, ausschneiden, auf Tankdeckel kleben. Bitte schön ;-)

  • Doofie am 07.09.2017 07:07 Report Diesen Beitrag melden

    Ich war selber schuld..

    Mir ist das nach jahrzehtelanger Fahrpraxis auch mal passiert.. ich habe doch tatsächlich Diesel in mein Motorrad gefüllt. Habe es aber bemerkt ohne den Motor anzulassen. Das Abpumpen und entsorgen des Treibstoffes hat knapp einen Hunnie gekostet.. aber ich habs mit einem wenn auch zerknirschten Lächeln bezahlt.. Dummheit muss bestraft werden.. auch wenns mich selber betrifft.

    • Leo keller am 07.09.2017 09:13 Report Diesen Beitrag melden

      Sh!t Happens

      Ja, dafür passiert es Ihnen wohle niemehr :)

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  • LLLL am 07.09.2017 05:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem

    Ich habe damit kein Problem, da ich nicht den falschen Stecker anschliessen kann. Ein weiterer Vorteil des E Autos.

    • :) am 07.09.2017 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @LLLL

      und denken sie E-autos sind besser auf die umwelt? wirklich eine ernstgemeinte frage. ich fahre gar kein auto deshalb würde mich das mal interessieren wie sie darüber denken. Danke

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