Ölkatastrophe

16. November 2012 16:27; Akt: 16.11.2012 16:27 Print

BP ist trotz Rekordstrafe nicht aus dem Schneider

Nach der schwersten Ölpest in der US-Geschichte hat der britische BP-Konzern eine hohe Strafe akzeptiert: 4,5 Mrd. Dollar. Doch die Schadenersatzforderungen des Staates könnten noch höher ausfallen.

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Ölkatastrophe im Golf von Mexiko: Elf Menschen starben, tausende von Vögeln und Fischen sind verendet, über 700 Millionen Liter Öl sind ins Meer geflossen. 20. April 2010: Die Ölplattform Deepwater im Golf von Mexiko explodiert. Elf von 126 Arbeitern sterben, die andern werden evakuiert, drei von ihnen schwer verletzt. 21. April 2010: Die Bohrinsel steht in Flammen. Löschversuche verlaufen erfolglos. 22. April 2010: Deepwater sinkt. Die Ölplattform gehört der Schweizer Transocean mit Sitz im schweizerischen Zug, der britische Konzern BP hat sie von Transocean geleast. 28. April 2010: Ölarbeiter versuchen, eine Sperre um das auslaufende Öl zu errichten. Erfolglos. 30. April 2010: Das Öl erreicht die Küste. Die Pelikane «verölen». 3. Mai 2010: US-Präsident Barack Obama erklärt die Katastrophe zum Ereignis von nationaler Bedeutung. 3. Mai 2010: BP kündigt an, alle Kosten der Katastrophe zu übernehmen. 7. Mai 2010: Eine Stahlbetonglocke wird über das Leck gestülpt. Ohne Erfolg. Mai 2010: Das Sterben geht weiter. Mai 2010: Ölschwaden auf dem Wasser. Mai 2010: Die US-Navy versucht, das Öl kontrolliert abzubrennen. Erfolglos. Mai 2010: Pelikan im mexikanischen Golf. 11. Mai 2010: Protest im US-Senat während eines BP-Hearings. 12. Mai 2010: BP versucht, eine kleinere Glocke über das Loch zu stülpen. Ohne Erfolg. 15. Mai 2010: Protest am Firmensitz der Plattformbesitzerin Transocean in Zug. 26. Mai 2010: Die Aktion «Top Kill» soll das Leck mit Schlamm versiegeln. Erfolglos. 2. Juni 2010: Die US-Behörden leiten strafrechtliche Schritte gegen BP ein. 3. Juni 2010: Das Öl erreicht die Traumstrände Floridas. 17. Juni 2010: BP-Chef Tony Hayward redet von einer «beispiellosen Serie von Fehlern». 29. Juni 2010: BP gibt zu, dass die Schäden eventuell unbezahlbar sind. 2. Juli 2010: Serie von Fehlern geht weiter: Augenzeugen berichten, BP schütte an gewissen Stränden einfach Sand über das Öl. 3. Juli 2010: Der Supertanker «A Whale» wird als Öl-Sauger eingesetzt. Erfolglos. 10. Juli 2010: Ein am 4. Juni installierter Trichter wird entfernt. Das Öl fliesst wieder völlig ungehindert ins Meer. 12. Juli 2010: Eine neue Glocke wird über das Leck gestülpt. 18. Juli 2010: Serie von Fehlern geht weiter: BP veröffentlicht auf ihrer Website ein manipuliertes Foto, das Geschäftigkeit im BP-Katastrophenzentrum vortäuscht. Im Original war der Bildschirm im unteren Bild weiss. Ab 15. Juli 2010: Die neu installierte Absaugglocke schliesst das Leck. Erstmals seit Beginn der Katastrophe fliesst kein Öl mehr ins Meer. Die Verseuchung ist aber nach wie vor omnipräsent. 19.9.2010: Die defekte Ölquelle im Golf von Mexiko ist endgültig versiegelt. Fünf Monate nach Beginn der Ölpest gelang es BP-Experten, die Quelle mehrere Tausend Meter unter dem Meeresboden mit Zement zu verschliessen.

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Nach der Einigung mit den US-Behörden auf die Rekordstrafe von 4,5 Mrd. Dollar für die Ölpest im Golf von Mexiko steht der britischen BP ein Milliardenstreit um zivilrechtliche Ansprüche bevor. Die US-Bundesregierung und fünf Bundesstaaten wollen sich den Schaden ersetzen lassen, der an ihren Küsten entstanden ist. Auch Einnahmeausfälle - etwa beim Tourismus - soll der britische Ölkonzern ersetzen. Es geht um bis zu 21 Mrd. Dollar.

Eine von BP angestrebte Einigung mit der strafrechtlichen Regelung gemeinsam kam nicht zustande, weil sich unter anderem der Bundesstaat Louisiana quergestellt hatte. So kommt es nun im Februar 2013 zum Zivilprozess in den USA.

Die staatlichen Stellen werfen BP vor, vor dem Unglück im April 2010 auf der Förderplattform «Deepwater Horizon» grob fahrlässig gehandelt zu haben. Sollte das Gericht dieser Argumentation folgen, müsste BP bis zu 4300 Dollar pro ausgelaufenem Barrel Öl zahlen. Andernfalls wären nur 1100 Dollar fällig. Nach staatlichen Angaben liefen im April 2010 an 87 Tagen insgesamt 4,9 Mio. Barrel Öl ins Meer - BP geht von einer geringeren Menge aus.

Rückstellungen fast aufgefressen

Das Unternehmen bestreitet, grob fahrlässig gehandelt zu haben. Die Äusserungen aus den USA deuten an, dass Washington dieser Argumentation keinesfalls folgen will. «Ich möchte absolut klarmachen, dass die heutige Einigung nicht das Ende unserer Anstrengungen bedeutet», sagte US-Justizminister Eric Holder am Donnerstag (Ortszeit).

Zwei BP-Führungskräfte müssen sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten, weil bei dem Desaster elf Menschen ums Leben gekommen waren. Die US-Regierung geht von einer BP-Kultur aus, die «Profit über Vorsicht» stellte. Der neue BP-Chef Bob Dudley hatte daraufhin eine neues Sicherheitskonzept bei dem Konzern eingeführt.

BP hatte in der Vergangenheit bereits 14 Mrd. Dollar für das Stopfen des Lecks und die Aufräumarbeiten bezahlt. 9 Mrd. Dollar wurden bereits an private Kläger ausgezahlt. Auf die Zahlung von 7,8 weiteren Mrd. hat sich das Unternehmen mit einem Kreis aus tausenden privaten Klägern geeinigt.

4,5 Mrd. kommen nun für die Strafe dazu. Damit sind mehr als 35 der 38 Mrd. Dollar aufgefressen, die das Unternehmen für die Aufarbeitung der Katastrophe zurückgestellt hatte. In der Rechnungslegung für das vierte Quartal sollen weitere 3,85 Mrd. Dollar zurückgestellt werden, kündigte BP an.

BP muss Risikomanagement verbessern

In der strafrechtlichen Einigung musste sich BP auch verpflichten, seine Sicherheitspolitik massiv zu verbessern - teilweise war dies nach der schwersten Ölpest in der US-Geschichte auch schon freiwillig geschehen. BP muss nicht nur sein Risikomanagement verbessern.

Die US-Behörden setzten auch durch, dass der Staat sowohl die Sicherheit als auch die Unternehmensethik vier Jahre lang überwachen kann. Das Unternehmen bekannte sich auch schuldig, den US-Kongress belogen zu haben. Statt der tatsächlichen 60'000 Barrel auslaufenden Öls gab BP anfangs nur 5000 Barrel zu. Zwei hochrangige Aufseher auf der Plattform «Deepwater Horizon» müssen sich zudem wegen fahrlässiger Tötung verantworten.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simon am 16.11.2012 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Absurd

    Es ist traurig, dass es wiedereinmal nur um Geld geht! Die USA braucht Geld, also wird geklagt!

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  • d.h. am 16.11.2012 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    genug

    es wird keine weiteren zahlungen geben. auch die hier ist schon brutal tief. schauen sie mal, welche aktuellen und ehemaligen politiker sich im erdölbereich tummeln.

  • Renato am 16.11.2012 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    es gibt nur schuldige

    schlimm,aber die besorgen uns dass was wir täglich brauchen (verbrennen) fürs auto und heizung usw...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Simon am 16.11.2012 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Absurd

    Es ist traurig, dass es wiedereinmal nur um Geld geht! Die USA braucht Geld, also wird geklagt!

    • martin am 19.11.2012 11:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      dum nur

      Spielt doch keine rolle dan kostet der liter sprit 3 cent mehr und innert einer woche ist das Geld wieder in der Firma wer bezahlts? A lle die sich jetzt aufregen

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  • Ueli am 16.11.2012 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    USA....

    Ist BP nicht ein Britischer konzern? Da stecken doch wiedermal wirtschaftliche interessen eines Konkurrenten dahinter. USA ist so weit aufs öl angewiesen, dass die sogar den Dollar dem öl angebunden haben. Nun nehmen die einen europäischen konkurrenten aufs gröbste auseinander. Traurig, unsere schöne Welt !

  • d.h. am 16.11.2012 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    genug

    es wird keine weiteren zahlungen geben. auch die hier ist schon brutal tief. schauen sie mal, welche aktuellen und ehemaligen politiker sich im erdölbereich tummeln.

  • Renato am 16.11.2012 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    es gibt nur schuldige

    schlimm,aber die besorgen uns dass was wir täglich brauchen (verbrennen) fürs auto und heizung usw...

    • MaxMonti Calvary am 16.11.2012 18:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Logisch

      Logisch! Uns werden ja auch nur Produkte angeboten, welche damit funktionieren. Trick verstanden?

    • Vigi am 16.11.2012 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Recht so!

      Schliesslich profitiert BP vom 'Erbgut' der Erde, das der ganzen Weltbevölkerung zusteht. Ihre Ausgaben sind gering zum Ertrag. Schliesslich sprudelt bares Geld aus dem Boden.

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