Strom statt Kerosin

25. Dezember 2017 09:28; Akt: 25.12.2017 09:28 Print

Bald fliegen wir mit Elektro-Flugzeugen

Auf der Strasse sind Elektroantriebe schon Alltag, in der Luft könnten sie sich auch bald etablieren. Elektrisches Fliegen ist aber nicht automatisch ökologischer.

Neben Start-ups forschen auch Konzerne wie Siemens an neuen Flugantrieben. (Video: Siemens)
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Nach dem E-Auto ist schon bald das E-Flugzeug startbereit.
Easyjet plant zusammen mit der US-Firma Wright Electric einen elektisch angetriebenen Jet für Flüge unter zwei Stunden, etwa von London nach Paris. Für rund ein Fünftel der aktuellen Easyjet-Passagiere ist diese Reichweite ausreichend. Carolyn McCall, die Chefin der britischen Billigfluglinie, sagt: «Zum ersten Mal wird eine Zukunft ohne Kerosin denkbar, und wir freuen uns, dabei zu sein.» Sie hofft auf ein Abheben des ersten E-Fliegers schon im nächsten Jahrzehnt.

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«Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis elektrisch angetriebene Flugzeuge Normalität sind», sagt Manfred Hader zu 20 Minuten. Er ist Luftfahrtexperte beim Unternehmensberater Roland Berger. Die gesamte Luftfahrtbranche werde sich stark verändern: Einerseits komme eine leisere, kerosinfreie Antriebstechnik, andererseits das weitgehend selbstgesteuerte Flugzeug. «Die Veränderungen werden in Stufen erfolgen», sagt Hader.

E-Flieger sind nicht automatisch ökologischer

Basis für die von Strom statt Kerosin angetriebenen Flugzeuge werden neuartige Antriebe sein, etwa von Siemens. Der deutsche Konzern hat für seinen «Rekordmotor», der bei einem Gewicht von 50 Kilogramm rund 260 Kilowatt elektrische Dauerleistung liefert, diesen Oktober in Lausanne den Nachhaltigkeitspreis des Weltluftfahrtverbandes FAI erhalten.

Elektrisches Fliegen ist aber nicht automatisch ökologischer. Es kommt dabei auf die Stromerzeugung und die Herstellung der Batteriespeicher an. «Bei den heutigen Optionen bleibt es am ökologischsten, nicht oder nur sehr selten zu fliegen», sagt Georg Klingler. Der Klimaexperte von Greenpeace Schweiz kritisiert, dass die externen Kosten für Luftverschmutzung und Klimaerwärmung bei den Ticketpreisen nicht berücksichtigt sind. «Fliegen ist viel zu billig», so Klingler. Er fordert ein Ende der Subventionierung und die Einführung einer Flugticket-Abgabe.

Geld auch vom US-Verteidigungsministerium

Für die E-Flugzeuge laufen derzeit laut Hader bei einer Reihe von Unternehmen Projekte, die bis 2030 abheben sollen. Sie kommen einerseits von Start-ups oder unabhängigen Entwicklern. Andererseits sind auch traditionelle, grosse Flugzeugkonzerne wie Airbus, Boeing und Cessna dabei.

Der europäische Flugzeugbauer Airbus arbeitet mit Siemens sowie dem Triebwerkshersteller Rolls-Royce an einem Elektro-Hybridantrieb. Der E-Fan X genannte Antrieb soll 2020 erstmals fliegen. «Wir sehen hybride Elektroantriebe als überzeugende Technologie für die Zukunft der Luftfahrt», sagt Paul Eremenko, der Chief Technology Officer (CTO) von Airbus.

Bei den Versuchen soll zunächst eines der vier Düsentriebwerke eines Passagierflugzeuges aus den 1980er-Jahren durch einen zwei Megawatt starken Elektromotor von Siemens ersetzt werden, später auch ein zweites. Der Strom für den Motor soll von einem Generator von Rolls-Royce erzeugt werden.

Airbus-Konkurrent Boeing hat die US-Firma Aurora Flight Sciences übernommen, die mit 550 Beschäftigten an einer Reihe von Prototypen und Technologien für E-Modelle und Lufttaxis sowie ganz neuen Flugkonzepten arbeitet. Für seine Forschung bekam das Unternehmen auch Geld vom US-Verteidigungsministerium.

(ish)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Weihnachten am 25.12.2017 09:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heuchlerei

    Alles stellt auf Strom um. Wie soll da noch Strom gespart werden? Mag sein, dass dies besser ist, aber dann soll in Zukunft nicht mehr von Stromsparen beim kleinen Bürger gesprochen werden.

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  • M.Furrer am 25.12.2017 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Du meine Güte!

    Soll nun bald alles mit Strom funktionieren? Wie soll denn in aller Welt soviel Strom erzeugt werden? Atomkraftwerke werden abgebaut. Da bleibt wohl nur noch die Natur übrig, sprich Stausee, Windkraftwerke und weiteres. Aber alles auf Strom zu setzten, so dass die Natur daran glauben muss und Naherholungsgebiete immer rarer werden, das kann es ja wirklich auch nicht sein.

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  • E.Bonderer Bad Ragaz am 25.12.2017 09:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Grünen Propheten

    Ob sich das Klima allein wegen den Autos, Flieger etc. verändert weiss man nicht so genau das ist Tatsache, es gab immer schon Klimaveränderungen ohne Autos und Flieger das ist bewiesen. Was es nicht gab, Grüne und andere Propheten welche mit dieser Weltuntergangsstimmung politisch und auch finanziell recht gut leben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Elektriker am 05.01.2018 01:55 Report Diesen Beitrag melden

    Elektro - Flugzeuge ......

    Da braucht es aber ein langes Anschlusskabel .-

  • Nicola Tesla am 28.12.2017 02:37 Report Diesen Beitrag melden

    Den Fortschritt in seinem Lauf ...

    .... hält weder Ochs noch Esel auf. Seit 2009 sind die Kosten für die Solarstromerzerugung um 85% gefallen. Mit 6 Rappen pro kw/h ist die Solarstromerzeugung günstiger als Kohlestrom, Atomstrom oder jede andere Form der Stromerzeugung. Die Batterietechnologie wird sich weiterentwickeln. Die Energiedichte wird vergleichbar mit Kerosin sein. Selbst 1 Mio. Leserkommentare können den Fortschritt nicht aufhalten.

    • Ch.U.R. am 28.12.2017 10:52 Report Diesen Beitrag melden

      Fragwürdiger Fortschritt

      Zwar sinken die Installationskosten für PV-Anlagen, dafür steigen die Kosten für das Backup, also konventionelle Kraftwerke die einspringen, wenn die Solaranlagen gerade nichts liefern, also für die meiste Zeit. Für die angeblich unrentablen, konventionellen Kraftwerke kommt die Allgemeinheit auf, während die Bonzen mit ihren Photovoltaik Anlagen, dank Subventionen sich dumm und dämlich verdienen.

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  • Andreas Meier am 27.12.2017 23:23 Report Diesen Beitrag melden

    Elektroflug für Schulung und Segelflug

    Elektroantrieb funktioniert schon heute für Flugschulen mit Klein- und Segelflugzeugen. Das schont die Nerven von Anwohnern von Flugplätzen welche den Lärm von Pilotentrainings ertragen müssen. In Belp würden es sicher alle begrüssen, wenn die Segelflieger in Zukunft geräuscharm übers Dorf geschleppt würden.

  • Wado M am 27.12.2017 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstdenkender

    Warum hört man nie etwas über die Umweltverschmutzung der Fliegerei? Bei den meisten Flugplätzen der Welt startet jede Minute ein Flugzeug.

  • Roland am 27.12.2017 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viiiieeeel Zeit....

    Ich hoffe dann nicht, dass auch nach 100km oder 200km Schluss ist. Von Zürich Flughafen erster Ladestopp in Genf für 6 Stunden. In 30 Sunden erreichen wir Mallorca:-)))