Steuerhinterziehung

03. Februar 2012 00:07; Akt: 03.02.2012 12:54 Print

Bank Wegelin wegen Beihilfe angeklagtBank Wegelin wegen Beihilfe angeklagt

Das US-Justizdepartement hat die Bank Wegelin wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt. 16 Millionen Dollar wurden beschlagnahmt.

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Die älteste Privatbank der Schweiz wurde am 27. Januar 2012 zu Grabe getragen. In den Wochen zuvor hatte sich die Schlinge um den Hals der St. Galler Bank immer enger zugezogen. Die Teilhaber sahen sich gezwungen, den Grossteil der Kunden in die Notenstein-Bank zu transferieren, welche im Besitz von Raiffeisen ist. Die Bad-Bank» Wegelin wird nun die Auseinandersetzungen mit den US-Behörden führen. Im Visier der USA steht auch die Credit Suisse. Sie hat um Rechtstreitigkeiten mit unversteuerten Vermögen mit der USA zu regeln, im vergangenen November bereits 295 Millionen Franken auf die hohe Kante gelegt. Die CS kooperiert mit den USA: Im Sommer 2011 hat die Grossbank den Behörden die Namen von gut einem Dutzend Offshore-Bankern ausgehändigt. Sie sollen US-Bürgern Beihilfe zu Steuerdelikten geleistet haben. Für die USA ist es laut Beobachtern sinnvoll, eine Kantonalbank «anzugreifen». Das würde den Druck auf die Schweiz massiv erhöhen. «Noch wissen wir nicht einmal, was uns die USA konkret vorwerfen», sagt ZKB Sprecher Urs Ackermann. Die ZKB hat in den USA wohl nie aktiv nach Kunden gesucht. Trotzdem dürften Amerikaner, denen ihr Konto bei der UBS zu heiss geworden war, zu Kantonalbanken gewechselt haben. Noch gibt es keine Anklage gegen die Basler Kantonalbank. Angeblich soll ein Kronzeuge die US-Behörden aber mit Beweismaterial versorgt haben. Die Bank gibt sich in dieser Sache zugeknöpft und betont: Das US-Geschäft sei stets marginal gewesen und man habe keine gezielte Akquistion von US-Kundschaft betrieben. Unter Beschuss der USA steht auch Julius Bär: Im Oktober 2011 hatte ein Gericht in New York zwei Kundenberater wegen «Verschwörung» zur Steuerhinterziehung angeklagt. Sie sollen mehr als 600 Millionen US-Dollar von US-Steuerzahlern auf nicht deklarierten Konten versteckt haben. Trotzdem rechnen die «Bären» nicht mit einer existenzgefährdenden Entwicklung des Streits: Man habe genug Reserven für eine Busse und habe sich von den US-Kunden getrennt. Auch die Neue Zürcher Bank (NZB) soll US-Steuersündern beim Verstecken von Vermögen geholfen haben. Ihr Geschäft kann der Druck der USA nicht mehr gefährden. Die NZB - die mit der Bank Sarasin verbunden war - hat ihre Banklizenz im vergangenen Frühling abgegeben und befindet sich in Liquidation. Die NZB war im Zusammenhang mit verdeckten Beteiligung am Sulzer-Konzern ins Visier der Finma geraten. Im Steuerstreit mit den USA sind auch die Namen des Schweizer Ablegers der britischen Bank HSBC sowie jener der Schweizer Tochtergesellschaft der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) aufgetaucht. HSBC-Schweiz war in der Vergangenheit die Heimat vieler Steuersünder gewesen. 2009 hatte ein Mitarbeiter in Genf die Daten von 24 000 Kunden gestohlen. Unter den Banken im Visier der USA sind auch die Schweizer Ableger der traditionsreichen israelischen Banken Leumi, Hapoalim und Mizrahi. Sie gelten als äusserst diskret. Leumi ist in der Schweiz seit 1953 vertreten, Hapoalim - Israels grösste Bank - seit 1975. Als erste Schweizer Bank ist die UBS unter Druck der USA geraten. Mittlerweile hat sich die Schlinge um den Hals der Bank aber gelockert: Um das Finanzinstitut vor noch grösserem Unheil zu bewahren, hat der Bundesrat 2009 das Bankgeheimnis zurechtgebogen und in mehreren Tranchen rund 4000 Datensätze von Steuersündern an die USA geliefert. Zudem akzeptierte die Grossbank eine Busse von 780 Millionen Franken.

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Der Druck der USA gegen den Schweizer Finanzplatz im Kampf gegen Steuerbetrug steigt weiter: Das US- Justizministerium hat am Donnerstag (Ortszeit) mit der Bank Wegelin erstmals ein Schweizer Finanzinstitut angeklagt. Bisherige Klagen der US-amerikanischen Behörden waren immer nur gegen Angestellte von Banken gerichtet.

Erst vor rund vier Wochen hat die New Yorker Staatsanwaltschaft Klage gegen drei Banker von Wegelin erhoben. In Folge dessen und in Voraussicht, dass es auch zu einer Klage gegen die Bank kommen dürfte , hat die Bank Wegelin letzte Woche einen Grossteil ihres Geschäfts an die Raiffeisen-Gruppe verkauft.

Bei der ältesten Schweizer Bank, die acht solidarisch und unbeschränkt haftenden Teilhabern gehört, verblieb einzig noch das Geschäft mit US-amerikanischen Kunden. Mit der Abspaltung und dem Verkauf aller anderen Tätigkeiten schützte Wegelin ihr einstiges Kerngeschäft mit vermögenden Kunden in der Schweiz und in Europa.

Denn eine Klage, wie sie nun in New York erhoben wurde, kann die Existenz einer Bank bedrohen, da Kunden in einem solchen Fall ihre Gelder abziehen und Geschäftspartner ihre Zusammenarbeit aufkündigen dürften. Der geschäftsführende Teilhaber Konrad Hummler begründete den Verkauf denn auch mit der existenzbedrohenden Lage, in welche die Bank wegen der rechtlichen Auseinandersetzung mit den US- Behörden geraten sei.

Mit der Klage steigt auch der Druck auf die zehn anderen Banken, die ebenfalls im Visier der US-Behörden stehen. Zu ihnen gehören die Credit Suisse, die Bank Julius Bär und zwei Kantonalbanken. Das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen hat am Freitag die neuste Entwicklung im Steuerstreit mit den USA nicht kommentiert.

1,2 Mrd. Fr. vor dem Fiskus versteckt

Mit der Klage gegen Wegelin verhängt ist auch die UBS: Laut Anklageschrift waren es in gewissen Fällen ihre Berater, welche US- amerikanischen Kunden einen Wechsel zu Wegelin empfahlen, als die Grossbank unter dem Druck der Untersuchung der US-Behörden das grenzüberschreitende Geschäft mit US-Kunden aufgaben.

Eine Klage gegen die UBS lag auch in der Luft, als sich die Schweizer Regierung in die damalige Auseinandersetzung zwischen der UBS und den USA einschaltete und schliesslich 2009 jenen Staatsvertrag aushandelte, welche die Schweizer Grossbank zur Zahlung einer Busse von 780 Mio. Dollar verdonnerte und die Lieferung der Bankdaten von bis zu 4450 US-amerikanischen Kunden vorsah.

Laut der Anklageschrift hat die Bank Wegelin mindestens 70 US- Kunden übernommen, die vorher Konten bei der UBS hatten. Die Bank Wegelin sei an einer Verschwörung beteiligt gewesen, durch die über 1,2 Mrd. Dollar vor der US-amerikanischen Steuerbehörde (IRS) verborgen wurden.

Gleichzeitig mit der Einreichung der Klage haben die amerikanischen Behörden bei der Korrespondenzbank von Wegelin in den USA, der UBS, 16 Mio. Dollar beschlagnahmt. Die Bank Wegelin gab am Freitag keine Stellungnahme zu den Vorwürfen der Anklagebehörden ab. Der Medienbeauftragte der Bank sagte einzig, man habe die Klage zur Kenntnis genommen und werde diese nun genau analysieren.

Botschaft aus dem Fall UBS nicht verstanden

Die Vorwürfe, die gegen Wegelin gerichtet werden, sind happig: Demnach soll die Führung der Bank Wegelin explizit beschlossen haben, in das Geschäft einzusteigen, aus dem die UBS damals ausgestiegen ist. Die Bank mit Sitz in St. Gallen versicherte dabei den Kunden, dass die undeklarierten Konten dem US-Steueramt nicht preisgegeben würden, weil sie eine lange Tradition des Bankgeheimnisses pflege.

Wegelin hat laut Anklageschrift ausserdem damit argumentiert, dass sie keine Niederlassung in den USA habe und daher dem Druck der Steuerbehörden weniger ausgesetzt sei.

«Die heute eingereichte Klage macht deutlich, dass wir nicht nur US-Steuerzahler bestrafen wollen, die das Steuerrecht verletzen, sondern auch die Unternehmen und deren Mitarbeiter, die solchen Verbrechen zudienen», sagte der New Yorker Bezirksstaatsanwalt Preet Bharara. Die Wegelin-Manager hätten sich durch die kristallklare Botschaft, die mit dem UBS-Fall übermittelt worden sei, nicht abschrecken lassen.

(sda)

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  • Paul Kuster am 03.02.2012 08:54 Report Diesen Beitrag melden

    Anklage wegen Erpressung

    Zu vergleichen ist dies damit, wenn ich in Europa legal 160km/h verstosse ich gegen ein US Gesetz. Ich verstosse bei vielem gegen Gesetzte aus den USA. Muss ich jetzt immer mit einer Anklage rechnen. Wegelin hat gegen keine Schweizer Gesetzt verstossen. Wenn US-Bürgen in den USA dies tun, dass ist das ihr Problem. Fragt sich ob die Schweizer Justiz jetzt die US Staatsanwälte wegen Erpressung anklagt.

  • Pingu Ostschweiz am 03.02.2012 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Sorgetragen zur Schweiz

    Die Zeit des Steurgeldklaus und des Horten von Potatengelder geht dem Ende entgegen. Viele Bänker scheinen sich mit dieser Wende schwer zu tun. Sichern wir die Zukunft der Schweiz: KMU, Pharma, Forschung, Industrie und Tourismus und alle andern in der realen Wirtschaft stärken.

  • sisco king am 03.02.2012 07:53 Report Diesen Beitrag melden

    erpressung

    US-Behörden klagen Schweizer Bank an und die Schweizer Notenbank ist bereit, unbegrenzt Devisen zu kaufen, falls dies nötig sei um die Aufwertung des Frankens zu verhindern. Das ist Erpressung auf politischer Ebene. Schweizer lasst euch nicht für Dumm verkaufen !!!!

    • Pingu Ostschweiz am 03.02.2012 08:28 Report Diesen Beitrag melden

      Mach Deine Augen auf!

      Ich bin nicht bereit mich hinter diese gierigen Bänker zu stellen und den Winkelried zu spielen! Augen öffnen: Es sind die Wegelinbanker (u.a.) die für's liebe Geld sich auf das dünne Eis begeben haben. Die haben die Schweiz in eine problematische Situation gebracht!

    • Andreas Talent am 03.02.2012 08:51 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Genau so ist es! Wenn ich ein Verbrechen begehe, dann hilft mir auch niemand. Die Banken müssen lernen wie man auf ehrlich Art und Weise Kunden gewinnt und behaltet.

    • Thomas Hinz am 03.02.2012 08:58 Report Diesen Beitrag melden

      Amerika lässt sich nicht für dumm...

      ...verkaufen! Es ist doch unglaublich dreist, nachdem die USA schon bei der UBS ein Exempel statuiert haben, es sich die Bank Wegelin herausnimmt, einfach erneut Systematisch Amerika-Kunden anzuwerben mit systematischer Steuerhinterziehung. SELBST SCHULD, sage ich da nur! Manche lernens einfach nie! Und dafür soll jetzt wieder die Schweizer Regierung hinstehen und für die Kriminelle Bank Wegelin die Kartoffeln aus dem Feuer nehmen? Gehts eigentlich noch...?

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