Vollgeld-Debatte

09. August 2017 11:53; Akt: 09.08.2017 12:00 Print

Banken schöpfen 329 Milliarden aus dem Nichts

von K. Wolfensberger - Die Vollgeld-Initiative verlangt, dass nur noch die SNB Geld schöpfen kann. Wie viel Geld wird überhaupt von Geschäftsbanken geschaffen?

Vollgeld-Mediensprecher Reinhold Harringer im Gespräch mit der Agentur SDA (Video: SDA).
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Private Banken sollen kein Geld mehr schöpfen: Das ist die Kernforderung der Vollgeld-Initiative. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wäre dann nicht nur für die Schaffung von Bargeld, sondern auch für die elektronische Geldschöpfung allein zuständig. Das von den Banken in der Form von Kreditvergaben bisher geschaffene Buchgeld würde in elektronisches Geld der Nationalbank verwandelt. Die Vorteile aus Sicht der Initianten: Weniger Bankenkrisen und mehr Stabilität für das Finanzsystem sowie eine Entschuldung der Gesellschaft.

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Doch wie viel Geld schöpfen die Banken heutzutage tatsächlich selbst? Dieser Frage beantworteten die Initianten am Dienstag an einer Pressekonferenz in Zürich. Sie bezogen sich auf Daten der SNB von 2014, die zeigen: Insgesamt betrug das elektronische Geld der Geschäftsbanken knapp 329 Milliarden Franken.

Anteil der Grossbanken liegt bei knapp 50 Prozent

Dabei wurde ein Anteil von 48 Prozent von den beiden Grossbanken Credit Suisse und UBS geschaffen, knapp 159 Milliarden Franken. Es folgen die Kantonalbanken (86 Milliarden oder 26 Prozent) sowie die Raiffeisenbanken (gut 17 Milliarden oder circa fünf Prozent). Die restlichen Milliarden entfallen auf andere Banken.

Weiter äusserten sich die Initianten an der Pressekonferenz zum Verhältnis des geschöpften Geldes der Banken gegenüber den Einlagen der Kunden. Bei den Raiffeisenbanken, deren Anteil an der Schöpfung elektronischen Gelds relativ tief ist, sei die Deckung umgekehrt entsprechend gross. Sie betrage ungefähr 90 Prozent. Bei den Kantonalbanken liege der Anteil bei 78 Prozent, bei den Grossbanken sogar nur bei 57 Prozent.

Der pensionierte UBS-Banker und Unterstützer der Initiative Hans Zuberbühler erklärte an der Pressekonferenz: «Für die Raiffeisenbanken beispielsweise würde sich durch eine Umstellung auf Vollgeld kaum etwas ändern.» Die angelegten Spargelder würden schon fast dem Volumen der ausstehenden Kredite entsprechen. Allgemein gelte: Kleine und mittlere Banken würden von Vollgeld profitieren. Die Grossbanken umgekehrt müssten sich stärker um eine Vorfinanzierung von Investitionen bemühen.

Raiffeisen selbst nicht einverstanden

Auf Anfrage von 20 Minuten kritisiert Raiffeisen Schweiz allerdings die Berechnungen. So betrage der Anteil der Raiffeisenbanken an den gesamten Sichteinlagen der Banken inzwischen nicht mehr 5, sondern über 12 Prozent. Oder in absoluten Zahlen: Anstatt auf gut 17 Milliarden beliefen sich die Sichteinlagen inzwischen auf etwa 50 Milliarden Franken.

Die Bank sieht sich selbst im Fall einer Annahme der Initiative auch nicht als Profiteurin. Ein Sprecher sagt zu 20 Minuten, dass eine Systemumstellung auf Vollgeld erhebliche Veränderungen bedeuten würde. Es sei kaum absehbar, wie sich die Struktur der Sichteinlagen nach einer Annahme der Initiative verändern würde und was dies für die Refinanzierung des Kreditgeschäfts bedeuten würde.

Kritik von der Bankiervereinigung

Die Grossbanken UBS und Credit Suisse verweisen für eine Stellungnahme auf die Schweizerische Bankiervereinigung. Der Verband kritisiert die Initiative ebenfalls: «Unser Geldsystem beruht nicht auf der Aufgabe, Geld zu schaffen, sondern einerseits Spareinlagen entgegenzunehmen und andererseits die Wirtschaft und Privatpersonen mit Krediten zu versorgen.»

Gerade in der Schweiz funktioniere das ausgezeichnet, so der Verband. Ein Experiment wie das Vollgeld würde dieses System unabschätzbaren Risiken aussetzen. Aus diesem Grund würden auch Bundesrat, Nationalbank und die gesamte Wirtschaft die Vollgeld-Initiative ablehnen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • martin rüger am 09.08.2017 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    ineffizient

    also wenn die Banken 329 CHF einfach aus dem Nichts schaffen und dafür Zinsen kassieren können und heute noch fast am Abgrund stehen, dann muss man annehmen dass sie a. extrem ineffizient arbeiten oder b. sich einfach zu viel an Bonus in den oberen Etagen auszahlen. oder halt eine Kombination aus a und b.

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  • Bertli am 09.08.2017 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Schleierhaft

    Es is mir schleierhaft, dass eine Bank keine eigentliche Wertschöpfung erbringt und dafür gewinnbringend sein muss. Absolut unverständlich.

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  • Jaques V. am 09.08.2017 17:04 Report Diesen Beitrag melden

    Banksters

    Private etablissments können Geld aus dem nichts schöpfen, in ihrem Buchungssystem als "Schulden" verbucht (obschon kein reales Geld ausgelihen wurde), und der Kreditnehmer muss das nicht existierende Geld plus Zinsen zurückzahlen. Und wenn die Bankier zu viel faule Kredite vergeben haben und ein Bankencrash das Finanzsystem lahmlegt (siehe bsp. 2008) muss der Bürger mit seinem ersparten Geld (bail-in) oder mit den MWST vom Staat (Bail-Out) dafür haften....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Vreni-SG am 10.08.2017 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Warum musste eigentlich die UBS staatlich gerettet werden, wenn sie ja Geld aus dem nichts erschaffen könnte!? Bin gespannt auf die Antworten der Befürworter der Initiative.

    • Rheintaler am 10.08.2017 19:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Vreni-SG

      Toller Kommentar, Danke! Bin auch gespannt auf die Antworten.

    • M. K: am 10.08.2017 19:51 Report Diesen Beitrag melden

      Antwort

      Willst du die Antwort wirklich hören? Weil man es mit euch machen kann.

    • Din Lehrer am 10.08.2017 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Vreni-SG

      Weil sie im Falle eines Zusammenbruchs Tausende von Unternehmen und in- und ausländische Anleger ruiniert hätte. Denn ein Mehrfaches von Null bleibt immer noch Null, nicht gewusst?

    • Ewald Kornmann am 10.08.2017 20:07 Report Diesen Beitrag melden

      @ Vreni-SG

      Wenn eine Bank nicht mehr genügend Liquidität hat, also Bargeld in der Kasse oder Guthaben bei der SNB, dann ist sie insolvent und schliesst die Schalter. Die Kunden können dann ihre Guthaben nicht mehr als Bargeld abheben oder zu einer anderen Bank überweisen lassen. (Wie in Zypern, Griechenland...) Im Fall der UBS hätte eine Pleite zu einem Dominoeffekt geführt, mit vielen weiteren pleiten im ganzen Land. Deshalb wurde sie von Bund und SNB gerettet.

    • Ewald Kornmann am 10.08.2017 20:17 Report Diesen Beitrag melden

      @ Vreni-SG

      Wichtig bei der Frage, warum sich die UBS nicht selbst durch "Geldschöpfung" gerettet hätte, ist, dass Banken Kontenguthaben machen können, aber keine Münzen oder Banknoten. Das ist der wesentliche Unterschied. Für die Rettung hat sie aber echtes Geld benötigt, und das kam dann eben vom Bund und der SNB.

    • Fritz am 10.08.2017 21:51 Report Diesen Beitrag melden

      @ Vreni-SG Die Antwort ist einfach

      Die Antwort ist einfach: Die Banken können zwar Geld schöfpen aber nicht beliebig viel. Für (etwa) 10 Franken die sie schöpfen können, müssen sie bereits 1 Franken richtiges Geld besitzen. Das nennt man Mindestreserve, die die Bank haben muss (oder auch Sichteinlage). Diese Mindestreserve beträgt heute, dank EWS etwa 10-12%, während der grossen Krise war es bei der UBS 3%, fair wären 100% (-> das ist Vollgeld -> Daher kommt der Name Vollgeldinitiative). Die Banken mussten gerettet werden, da sie sich so verspekuliert hatten, dass sie nicht einmal mehr die 3% in richtigem Geld hatten.

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  • nor malo am 10.08.2017 18:32 Report Diesen Beitrag melden

    mein ja auf sicher

    Wenn Bundesrat, Nationalbank und die gesamte Wirtschaft das ablehnen, nutzt es uns Normalos. Wenn die 3 dafür sind, schadet es uns nur. Sollte die Initiative kommen haben sie mein Ja!

    • F. ehu am 10.08.2017 18:51 Report Diesen Beitrag melden

      Das Ende der Sklaverei

      Wenn Sie sich auf der Seite der Unterstützer umschauen, dann werden Sie sehen das sehr viele ökonomen, und Banker für die Initiative sind. Viele Banker können es mit Ihrem Gewissen auch nicht mehr vereinbaren, namentlich europäische Banker. Beim innersten Kreis der Banker, die wohlweislich NICHT europäisch sind, sieht die Sache jedoch ganz anders aus. Es lohnt sich mal ein Blick, wer Kontrolleure, diese Banker eigentlich sind und von wo. Da staunt man. Nun, der Drops ist gelutscht, wenn das durchkommt ist die Schweiz Weltführend in Finanzen, Wirtschaft, Humanität. Dessen bin ich mir sicher.

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  • mb am 10.08.2017 18:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine ahnung

    war irgendjemand von den komentierenden in der bankschule oderso? wohl eher nicht als schreibt nicht über etwas das ihr allem anschein nicht verstehen könnt/wollt. imerhin profiteren wir schweizer auch von den banken.

    • ZZ Top am 10.08.2017 18:53 Report Diesen Beitrag melden

      Abschalten und Informieren

      Das Geldsystem ist sehr einfach zu durchschauen, wenn man abstrahiert. Falls Sie es jedoch nicht verstehen, lehnen Sie sich zurück, machen Sie sich einen schönen Nachmittag und ziehen Sie sich mal die youtube Videos von Dirk Müller, Finanzexperte an.

    • Lokmo am 10.08.2017 23:39 Report Diesen Beitrag melden

      @mb.

      Ich war nicht in der Bankenschule. Aber sogar ich weiss, dass die Banken nicht mit Geld umgehen können. Siehe Vergangenheit. Verstehen Sie es jetzt?

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  • Ewald Kornmann am 10.08.2017 17:49 Report Diesen Beitrag melden

    Geldschöpfung der Banken

    Die Grenzen der Geldschöpfung durch Banken sind die Folgenden: 1) Liquidität gem. LIQV, rund 5% der Kreditsummen 2) Eigenmittel gem. EMV, je nach Kreitnehmer un Bankengrösse ca. 3-8% 3) Mindestreserve, 2.5% der kurzfristigen CHF Einlagen, und das wichtigste: 4) Ein Kunde der einen Kredit will oder 5) etwas was die Bank kaufen und auf ihrer Aktivseite einbuchen kann. Also doch nicht ganz grenzenlos.

    • pete am 10.08.2017 20:44 Report Diesen Beitrag melden

      die LIQV Verordnung

      ins nur ein zahnloser Tiger zur Beruhigung der Bevölkerung, der angesichts der int. Verflechtung und gegenseitigen Forderungen der int. Grossbanken bei einer Pleite einer grösseren Bank im Ausland zur Makulatur wird und auch unter Vollgeld bleibt.Die Vollgeld Gaukler wollen uns weiss machen, dass die Schweiz umgeben vom Meer verschuldeter Bankensysteme bei ihrem Kollaps dank Vollgeld ungeschoren bleibt. Und beim Zahlungsverker mit Ausland, wenn Geld nur in Form von Banknoten existiert, werden wohl die Bankangestellten Koffer mit Banknoten über die Grenze schleppen, eine amüsante Vorstellung

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  • Mr. Easy am 10.08.2017 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Im Grunde ist es einfach...

    Die Geldmenge muss immer den Waren und Dienstleistungen entsprechen. Wenn ein Ungleichgewicht ensteht, muss die Zentralbank und nur die Zentralbank die Geldmenge erhöhen. Das neue Geld muss dann über Aufträge an Firmen oder direkt an die Bürger ins System fliessen. Jetzt könnte man eine lustige Rechnung anstellen. Wenn man die 329GFr durch die Bevölkerung der Schweiz teilt, so kann man sagen, dass die Banken jedem einzelnen Schweizer 41`000 Franken schuldet... verrückt, nicht.