Ja kein Risiko

27. Juli 2014 15:02; Akt: 27.07.2014 15:02 Print

Bei Hypotheken sind die Schweizer konservativ

von Yves Hollenstein - Wenn es um die Hypothek geht, wählen die Schweizer in fast allen Fällen die sichere Variante. Ganz anders als die Spanier und Italiener. Doch die Strategie der Schweizer geht auf.

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Bei der Wahl des Hypothekenmodells haben sich die Schweizer von einem spekulativen zu einem konservativen Volk gewandelt. Betrug der Anteil der variabel verzinslichen Hypotheken im Jahr 2000 noch 55 Prozent, so sank dieser bis heute auf lediglich 14,6 Prozent. In anderen Worten: In fast 86 Prozent der Fälle entscheiden wir uns für die wesentlich sicherere Festhypothek (siehe Box).

Dies zeigt eine wissenschaftliche Arbeit der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW und der Hochschule Luzern HSLU, die 20 Minuten vorliegt. Und nicht nur das: Auch bei den Festhypotheken selber gingen die Schweizer dieses Jahr noch ein wenig mehr auf Nummer sicher. So bevorzugen gemäss dem aktuellen Hypothekenbarometer von Comparis drei Viertel der Schuldner Festhypotheken mit langfristigen Laufzeiten zwischen 7 und 15 Jahren. Knapp ein Viertel wählte mittelfristige Laufzeiten zwischen 4 und 6 Jahren. Nur drei Prozent entschieden sich für kurzfristige Laufzeiten von 1 bis 3 Jahren.

Ganz anders das Bild im Süden Europas: In Spanien wird mit über 99 Prozent praktisch der ganze Immobilienmarkt mit variabel verzinslichen Hypotheken finanziert. Reine Festhypotheken haben in Spanien kaum eine Bedeutung. Auch in Italien ist die Finanzierung durch eine variable Hypothek die Regel, so machten diese 2011 einen Anteil von 66,5 Prozent aus.

Planungs- und Budgetsicherheit

Sind die Schweizer bei der Wahl des Hypothekenmodells zu konservativ und risikoscheu? Nein, findet Stefan Heitmann vom Hypothekenspezialisten MoneyPark. Klar, über die letzten zehn Jahre gesehen sei ein Hauseigentümer mit einer Libor-Hypothek am besten gefahren. Doch: «Kein anderes Finanzierungsmodell bietet eine solch hervorragende Planungs- und Budgetsicherheit wie die Festhypothek», sagt Heitmann im Gespräch mit 20 Minuten. Dazu gehöre eine gewisse Risikoaversion eben auch zur Mentalität der Schweizer.

Festhypotheken sind in der Schweiz derzeit mit einem Zinssatz von unter zwei Prozent zu haben. «Wenn Geld so günstig geliehen werden kann, sollte man zuschlagen und den tiefen Zins langfristig binden», ist der Hypothekenexperte überzeugt. Da hätten die Südeuropäer mit doppelt so hohen Zinsniveaus ganz andere Voraussetzungen. «Da versucht man sich mit variablen Hypotheken und der damit verbundenen Hoffnung, sich mit tieferen Gesamtkosten über die Laufzeit über Wasser zu halten.»

Die rekordtiefen Zinsen könnten denn auch ein Grund sein für die Zunahme der Festhypotheken in der Schweiz. Denn: Je tiefer die Zinsen sinken, desto mehr erwarten die Leute, dass diese bald wieder steigen, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Studie – darum die sicherere Variante.

«Nicht wie beim Joghurt»

Das Verhalten der Schweizer Hypothekarnehmer sei jedoch richtig, findet Ansgar Gmür vom Hauseigentümerverband HEV: «Es bringt absolut nichts, bei den tiefen Zinsen noch mit spekulativen Hypotheken das letzte Quäntchen herauszuquetschen.» Wer ruhig schlafen wolle, der solle sich langfristig binden, so der HEV-Direktor.

Geld sparen können man hingegen mit Vergleichen: «Wenn es um ein Joghurt geht, rennen wir gerne von Laden zu Laden und vergleichen die Preise. Doch bei einem Hauskauf von einer Million geben wir uns oft mit dem erstbesten Angebot unserer Hausbank zufrieden», gibt Gmür zu bedenken.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • bruno am 27.07.2014 16:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so ein "seich"

    nun dazu braucht es also keine wissenschaftliche studie, wenn die zinsen so tief sind, dass sie eigentlich nur noch steigen können...da sieht man für welchen "seich" unsere steuergelder verputzt werden...

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  • Mike am 27.07.2014 17:50 Report Diesen Beitrag melden

    Zinsen bleiben tief

    Die Experten und Banken haben schon vor 15, 10, 5 Jahren dasselbe erzählt, die Zinsen sind tief und können eigentlich fast nur noch steigen. Ich wette darauf dass die Zinsen noch über 10 Jahre sehr sehr tief bleiben werden, alles andere wäre der Totalkollaps von Europa (extreme Überschuldung), und die Schweiz muss sich dem anpassen (Mindestkurs). Aber klar, wer knapp kalkulieren muss, der muss jetzt schon Festhypotheken nehmen, wer aber noch etwas Reserve hat der kann noch warten und in Libor bleiben.

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  • mom am 27.07.2014 17:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    einzig richtig

    logo, bin ich auf nummer sicher gegangen. mit 4 kinder wäre man auch sehr doof ein finanzielles risiko einzugehen, wenn man die möglichkeit zur absicherung hat! lieber konservativ, dafür zahle ich für meine villa nur so viel wie eine 5 zimmerwohnung!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jonas am 14.09.2014 18:16 Report Diesen Beitrag melden

    Hypotheken

    Sehr interessant zu lesen, wie sich die Schweizer bei Hypotheken im europäischen Vergleich verhalten. Bei den Zinsen ist es auch durchaus nicht überraschend, dass vor allem Festhypotheken im Moment recht beliebt sind.

  • S.C. am 29.07.2014 01:02 Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz und Spanien Vergleich

    Warum vergleicht man Spanien mit der Schweiz? In Spanien kostet ein Haus z.B. 200'000 . Ist das Haus abbezahlt so bleibt es Eigentum des Käufers (Ein Leben lang) ohne später einen Rappen an die Bank zu geben. Dort kennen die Spanier Hypozinsen nicht. Evtl. müsste man einmal im Jahr Steuer für das Haus bezahlen sonst nichts.

  • Cornel Thoma am 28.07.2014 19:55 Report Diesen Beitrag melden

    Zinsen werden tief bleiben

    Ich habe schon seit 4-Jahren eine Libor Hypothek für meine Eigentumswohnung für 1 Mio. Die monatlich Zinsbelastung beträgt CHF 540.--. (Libor 0.65 Prozent) Ich lasse mich doch nicht für 5 oder 10 - Jahre binden! Was ist bei Jobverlust oder Scheidung?

    • Roland Curiger am 28.07.2014 20:09 Report Diesen Beitrag melden

      Libor seit 10-Jahren am günstigsten

      Sie haben absolut Recht. Auch ich bin der Meinung, dass die Zinsen die nächsten Jahre tief bleiben werden. Die SNB kann die Zinsen nicht erhöhen.

    • prorlibor am 28.07.2014 23:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      libor gefällt mir

      finde ich auch, habe seit 4 jahren libor und jedes jahr will mir der bänkler eine fixhypo andrehen

    • Mike Müller am 30.07.2014 14:12 Report Diesen Beitrag melden

      Nur mal so

      Das ist alles tiptop. Ich mag es ihnen gönnen das es super läuft. Sie sind einfach die, die ich nicht rumheulen hören möchte falls die Zinsen steigen. wenn man nun rechnet bei 0.65% ist die Belastung 540Sfr. Steigt der Zins auf 5% sind es 4150 Fr/Monat auf die es steigen könnte. Ich denke nicht alle können solche potenziellen Risiken auffangen, sollte etwas passieren. Wer es kann soll das machen. Ich will wissen auf was ich mich einlasse und nicht casino spielen.

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  • Alex am 28.07.2014 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    NUR

    Genau!! Und NUR bei Hypotheken! Ansonsten sind wir weltoffen, mutig und tolerant!! Wahaha! Was für ein Titel..!

  • Sandro am 28.07.2014 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    Das letzte Quäntchen...

    Ich spare mit meiner Libor-Hypothek im Gegensatz zu einer 8-Jahres-Festhypothek ca. CHF pro Monat. Wenn ich davon nur die Hälfte auf die Seite lege, kann ich mich gut gegen höhere Zinsen (sollten sie dann tatsächlich kommen) absichern. Ausserdem kann ich ja alle 3 Monate wechseln. Wenn man bedenkt, dass man eine Festhyp. mind. einen Monat zuvor fixieren kann, ist das Risiko eher klein, sofern ich den Libor etwas im Auge behalte... PS. Wenn der Libor aktuell um 100% steigt, bedeutet das einen Zinsanstieg von 0.016%... man rechne...

    • B.Z. am 28.07.2014 15:54 Report Diesen Beitrag melden

      Ca. CHF pro Monat gespart?

      Ja, das ist richtig viel.

    • Manuela Herbst am 28.07.2014 20:34 Report Diesen Beitrag melden

      Neidisch

      @ B.Z.; wohl neidisch! Vermutlich wurden Sie mit einer langjährigen Festhypothek über den Tisch gezogen..

    • S.C. am 29.07.2014 00:53 Report Diesen Beitrag melden

      Sparen

      Ha ha gespart und dafür bis Lebensende das Haus bezahlen? Für mich nicht nachvollziehbar. In Europa ist es besser ein Haus zu kaufen. Solange man dafür bezahlt bleibt es der Eigentum der Käufer.

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