H1N1 im Supermarkt

05. November 2009 17:44; Akt: 05.11.2009 18:11 Print

Bei Wal-Mart lauert die SchweinegrippeBei Wal-Mart lauert die Schweinegrippe

In den vereinigten Staaten bereitet sich das H1N1-Virus noch viel schneller aus als in der Schweiz. Schuld daran ist auch die Supermarktkette Wal-Mart Stores. Grund: Der Konzern zwingt seine 1,4 Millionen Angestellten auch krank zur Arbeit zu erscheinen.

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Die US-Handelskette Wal-Mart gilt hinter den beiden Öl-Multis Shell und Exxon als Nummer drei der weltweit umsatzstärksten Unternehmen. Im letzten Geschäftsjahr setzte der US-Konzern 405 Milliarden Dollar um und machte einen Gewinn von 13,4 Milliarden Dollar. Die Handelskette, welche mit ihren Filialen neben den USA beispielsweise auch in Grossbritannien, Kanada und China vertreten ist, steht aber immer wieder in der Kritik: So wegen nicht gewährter Pausen, unbezahlten Überstunden oder sexueller Ausbeutung. Derzeit laufen gegen Wal-Mart über tausend Strafverfahren wegen Verstössen gegen das US-Arbeitsgesetz.

Gefährdete Kunden

Die jüngsten Beschuldigungen gehen aber noch weiter. Die Nichtregierungsorganisation NLC wirft Wal-Mart vor, für die rasante Verbreitung der Schweinegrippe in den USA verantwortlich zu sein. Der Konzern, welcher in den USA rund 4200 Filialen führt, zwinge seine 1,4 Millionen Angestellten, auch krank zur Arbeit zu erscheinen. Gefährdet sind damit auch die Kunden. Diese möchte die Handelskette aber lebenslang oder gar noch länger behalten. Kürzliche erregte Wal-Mart mit dem Einstieg ins Sarg-Geschäft Aufsehen.

Kein Lohn bei Krankheit

Die H1N1-Ansteckungsgefahr für Wal-Mart-Kunden ist derzeit besonders gross. Weil viele der Kassiererinnen zur Unterschicht gehören, besteht für sie ein besonderer Druck zur Arbeit zu fahren. Grund: Wer in den USA wegen Krankheit dem Arbeitsplatz fern bleibt, bekommt kein Geld, denn bezahlte Krankheitstage sind – anders als in der Schweiz – nicht im Gesetz verankert. Grosszügige Arbeitgeber bezahlten trotzdem, Wal-Mart hingegen nicht. Bei der grössten US-Handelskette droht den zu Hause gebliebenen sogar der Rauswurf. Husten, Fieber und Halsweh seien täglich zu beobachtende Symptome vieler Mitarbeiterinnen, schreibt NLC in ihrem neusten Bericht. Nur wenn eine Mitarbeiterin zu laut huste, werde sie von der Filialleitung von den Nahrungsmitteln oder der Kasse weg geschickt und in eine Non-Food-Abteilung verbannt.

In den USA verfügen laut der Arbeitsbehörde rund 40 Prozent der Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft über keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Dies entspricht rund 60 Millionen Menschen.

(scc/sas)

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