Folgen des Negativzinses

19. Dezember 2014 14:59; Akt: 19.12.2014 15:51 Print

Bekommen Kleinsparer jetzt weniger Zins?

UBS, Credit Suisse, PostFinance, Raiffeisen und die Zürcher Kantonalbank geben nach dem Negativzins-Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB) Entwarnung.

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Nach der Einführung des Negativzinses bekommt das Sparschwein zu Hause plötzlich wieder eine neue Bedeutung. (Bild: Keystone/str)

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Die Banken wollen keine negativen Zinsen auf den Guthaben ihrer Kleinkunden erheben. Dies wäre theoretisch möglich gewesen. Dadurch hätten die Banken allfällige Kosten, die ihnen durch den Negativzins der SNB entstehen, teilweise abwälzen können.

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Dies müssen Kleinsparer und Geschäftskunden nun nicht befürchten. Ihre Bankguthaben werden weiterhin wachsen und nicht schrumpfen.

Vorläufige Entwarnung

Möglich ist jedoch, dass die Zinsen auf Bankeinlagen - obwohl bereits heute sehr tief – weiter sinken werden. Ausserdem könnten die Banken künftig versucht sein, höhere Gebühren für Kontoführung oder andere Dienstleistungen zu verlangen. Dies insbesondere deshalb, weil die Bankenbranche bereits heute unter hohen Regulierungskosten ächzt.

«Zum heutigen Zeitpunkt ist die Einführung von Negativzinsen für Retail-Kunden nicht geplant», teilte die Grossbank UBS mit. «Derzeit plant die Credit Suisse keine Einführung von Negativzinsen auf Sparguthaben», heisst es bei der Konkurrenz.

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hält fest, dass Privatkunden und KMU von Massnahmen nicht betroffen sein würden. PostFinance-Mediensprecher Johannes Möri sagte: «Aus heutiger Sicht ist nicht vorgesehen, dass wir auf unseren Konten für Privat- und Geschäftskunden Negativzinsen einführen.» Dasselbe bei Raiffeisen: «Auch wenn der Druck auf die Zinsen bleibt, werden unsere Sparer nicht mit Negativzinsen rechnen müssen.»

Innerhalb des Freibetrages

Die SNB erhebt die Negativzinsen nur auf einem Teil der Bankeinlagen - nämlich auf jenem Teil, der eine bestimmte Schwelle überschreitet. Einige Banken, die diese Schwelle mit ihren Einlagen nicht überschreiten, sind daher von dem Entscheid gar nicht direkt betroffen.

Dies gilt beispielsweise für die Credit Suisse: «Der Entscheid der SNB zur Einführung von Negativzinsen hat unmittelbar keine direkten Auswirkungen auf die Credit Suisse», teilte die Grossbank mit.

Bei Raiffeisen dasselbe: «Die Massnahme der SNB hat keine direkten Auswirkungen auf Raiffeisen.» Dies deshalb, weil die Einlagen der Bankengruppe innerhalb des für sie geltenden Freibetrags lägen.

Gebühr bereits eingeführt

Auch die UBS bewegt sich derzeit innerhalb des Freibetrags. Die Grossbank hat jedoch bereits vor zwei Jahren eine Gebühr eingeführt, um andere Banken von übermässigen Bargeldeinlagen abzuhalten. Die UBS werde weiterhin evaluieren, ob weitere Schritte wie Gebühren oder negative Zinsen angebracht seien, teilte sie am Donnerstag mit.

Die ZKB hat bereits eine sehr hohe Liquiditätsposition. Sie werde daher im Interbankenmarkt und gegenüber professionellen Anlegern für kurzfristige Liquiditätszuflüsse nicht zur Verfügung stehen, teilte die grösste Kantonalbank mit. Das bedeutet, dass die ZKB Gelder von anderen Banken oder professionellen Anlegern unter Umständen ablehnen wird.

«Die Zürcher Kantonalbank kann und wird mit der Rückweisung von Zuflüssen oder mit Konditionenanpassungen auf Einzelgeschäfte reagieren», schreibt die Bank. Mit dem Begriff Konditionenanpassungen könnte die Bank auch Negativzinsen meinen.

(cls/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Doni am 19.12.2014 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    Spielt eh keine Rolle

    Die Zinsen sind auch auf einem Sparkonto zu gering, um überhaupt die Inflation auszugleichen.

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  • mortimer am 19.12.2014 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    Aufgepasst

    Sobald Negativzinsen kommen verlassen alle die Banken und was bleibt denen dann noch????

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  • Klaus Berner am 19.12.2014 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    Freigeld System einführen

    Wieso schafft man dieses unsäglich Zinssystem nicht einfach ab, hat ja jetzt über 100 Jahr nachweislich nicht funktioniert?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • mcp2 am 20.12.2014 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Krise

    Keiner will's glauben, aber es wird bald passieren. Die Krise wird kommen. Es sieht alles fast gleich aus wie bei allen anderen Finanzcrashes. Rüstet euch......

  • Sascha >Z. am 20.12.2014 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Ins Depot

    Sollten die Banken trotzdem Negativzinsen für Kleinanleger einführem, werde ich das gesamte Guthaben ins Depot legen. Kein Problem.

  • Der Zweifler am 20.12.2014 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist erst der Anfang...

    Stellt Euch mal drauf ein, dass unsere Politikerkaste früher oder später auf die Idee kommen wird, den Franken über Nacht und ohne Vorwarnung deutlich abzuwerten. Gabs noch nie? Doch! 1936 wurde genau das gemacht und der Franken um 30% abgewertet!

    • Der Verzweifler am 20.12.2014 11:54 Report Diesen Beitrag melden

      Massvolles Sparen ist besser als Horten

      Der Franken wird nicht einfach über Nacht abgewertet. Das Geld verliert dadurch an Wert, weil immer mehr davon aus dem Wirtschaftskreislauf entzogen und gehortet wird. Damit das auf diese Weise "versickerte" Geld wieder "ersetzt" werden kann, müssen immer wieder neue Gelder in Form von Krediten in den Umlauf gebracht werden. Diese Ausdehnung der Geldmenge, welche dafür sorgt, dass die Volkswirtschaft nicht zusammenbricht, verursacht als Nebeneffekt die Entwertung der Vermögen.

    • Der Zweifler am 20.12.2014 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nicht ganz!

      @Verzweifler Lies doch nochmals durch, was Du geschrieben hast. Das Geld wird gehortet, weil es entwertet wird? Wenn die Leute glauben, dass sie morgen weniger kaufen können, würden sie es wohl eher ausgeben. Wir haben momentan einen Aufwertungsdruck auf den Franken, der unserer Exportwirtschaft schadet. Genau wie in den 30er Jahren! Damals am 26.9.1936 wurde dann der Franken auf einen Schlag um 30% abgewertet. Das wäre auch heute ein probates Mittel, selbst wenn sich das keiner vorstellen kann! Hoffentlich liest der Jordan das nicht!

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  • Bankkunde am 20.12.2014 09:22 Report Diesen Beitrag melden

    Kleinkunde profitiert vom -Zins ü 10 Mil

    Die Banken ziehen dem kleinen Mann mit Gebühren, Spesen und Zinsen schon genug Geld aus der Tasche, damit sie den Superreichen die Zinserträge auf deren Millionenvermögen finanzieren können. Zieht die brachgelegten Sparmillionen ruhig ab, dann wird's auch für den Normalo-Bankkunden günstiger.

  • Marius Knell am 20.12.2014 04:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Puddels Kern

    Das Problem ist ein anderes: Die Schweiz exportiert viel, vor allem in die EU. Um diese Exportwirtschaft zu unterstützen (Subventionieren?) hat die SNB unter dem Vorwand der Inflationsregulierung entschieden den Franken an den Euro zu binden. Der Euro ist aber auch nur ein Phantasiegebilde, die EZB kann Geld drucken wie es ihr gefällt und die SNB muss mithalten. Für sie gilt nichts machen ist falsch aber auch die Eurobindung ist falsch. Der Franken sollte endlich wieder an den Goldpreis gebunden werden, wie zur Zeit als die Finanzwelt noch in Ordnung war. Dann braucht es auch kein Negativzins.