Margen im Vergleich

14. Februar 2018 05:36; Akt: 14.02.2018 05:36 Print

So viel verdienen die Tankstellen mit dem Sprit

von Dominic Benz - Die Aufschläge auf Benzin und Diesel sind in der Schweiz besonders hoch. Schuld sind laut Betreiber die Vertriebskosten.

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Die Schweiz scheint für die Ölkonzerne eine Goldgrube zu sein. Kaum in einem anderen europäischen Land sind die Gewinnmargen pro Liter Benzin oder Diesel höher. Das ist das Resultat eines Daten-Vergleichs des deutschen Energie Informationsdienstes (EID), wie die «Welt» schreibt.

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Konkret heisst das: Pro Liter herkömmliches Benzin schlagen die Ölkonzerne hierzulande rund 29 Rappen (Umrechnungskurs: 1 Euro = 1,15 Franken) drauf. Eine noch höhere Marge fällt in Norwegen an: Dort sind es 31 Rappen. Beim Diesel belegt die Schweiz gar den Spitzenplatz: Pro Liter gehen rund 32 Rappen an die Ölkonzerne, in Norwegen sind es gut 25 Rappen. Deutschland liegt mit knapp 12 Rappen auf Benzin und 10 Rappen auf Diesel im unteren Drittel der Rankings.

Hohe Vertriebskosten

Doch warum sind gerade in der Schweiz die Aufschläge auf Sprit so hoch? Mit der Marge bezahle man die Kosten für Vertrieb, Transport, Lagerung, Logistik, Amortisation oder Marketing, sagt David Suchet von der Erdöl-Vereinigung zu 20 Minuten. «Diese Ausgaben sind in der Schweiz höher als im Ausland, weshalb die Bruttomarge entsprechend höher ist.» Was den Tankstellen unter dem Strich noch bleibt, ist die Nettomarge. «Diese ist aber letztlich ein Resultat des inländischen Tankstellen-Wettbewerbs», so Suchet.

Nach Abzügen dürfte diese Nettomarge in der Schweiz noch einige wenige Rappen betragen. In der Summe kommt dennoch was zusammen. Laut Erdöl-Vereinigung lag der durchschnittliche Absatz pro Schweizer Tankstelle im letzten Jahr bei 1,35 Millionen Liter Treibstoff.

Steuern machen die Hälfte des Spritpreises aus

Von der Marge alleine wird der Preis an der Zapfsäule nicht getrieben. Insgesamt sind es drei Kostenblöcke. Über die Hälfte ist laut Erdöl-Vereinigung für staatliche und öffentlich-rechtliche Abgaben bestimmt. Rund 30 Prozent decken Beschaffungskosten am internationalen Erdölmarkt und die Fracht bis zur Schweizer Grenze. Die Marge macht beim Preis noch knapp 20 Prozent aus.

Die Migros-Tochter Migrol betreibt in der Schweiz ein Netz mit über 310 Tankstellen und sieht den Spritpreis vor allem durch den Wettbewerb getrieben. «In der Schweiz herrscht ein intensiver Preiswettbewerb unter den Treibstoffanbietern, der nicht nur mit der Preisgestaltung, sondern auch mit zum Teil hohen Rabatten geführt wird», teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Der Gewinn mit Treibstoff halte sich aber «gemessen am Umsatz in engen Grenzen».

«Märkte können nicht verglichen werden»

Die Coop Mineralöl AG sieht die Margen in der Schweiz als gerechtfertigt. «Die Märkte können punkto Infrastruktur, Beschaffungs- und Versorgungskanäle nicht verglichen werden», teilt die Coop-Tochter mit über 240 Tankstellen in der Schweiz und in Liechtenstein mit. Zudem werde Margenzusammensetzung in jedem Land unterschiedlich definiert.

Über die hohen Margen zeigt sich der Konsumentenschutz nicht erfreut. «Die Differenzen zum Ausland lassen sich sicher nicht alleine durch die Kosten etwa für den Vertrieb begründen.» Eine etwas höhere Marge für die Schweiz sei nachvollziehbar. «Aber bestimmt nicht in diesem Ausmass», so Walpen.

«Anspruchsvolles» Norwegen

Nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Norwegen sind die Margen besonders hoch. Dort seien die hohen Aufschläge nötig, um das Tankstellen-Netz ökonomisch zu betreiben, schreibt der Energie Informationsdienst. Dies sei in Norwegen besonders «anspruchsvoll», weil es eine geringe Tankstellendichte und grosse Entfernungen zwischen den Standorten gebe.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bruno am 14.02.2018 06:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht Vergleichbar?

    Zitat: «Die Märkte können punkto Infrastruktur, Beschaffungs- und Versorgungskanäle nicht verglichen werden», teilt die Coop-Tochter mit. Einmal mehr das übliche Killerargument zur Rechtfertigung der Hochpreisinsel Schweiz. Mag ja sein, das Löhne hiet höher sind, dagegen sind Distanzen zur Lieferung minimal. Es kann sehr wohl verglichen werden, sofern Konzerne transparent ihre Kosten und Gewinnrechnungen aufzeigen würden. Es wird aber lieber der Sonderstatus Schweiz zelebriert der die Rechtfertigung ist um die Preise hoch zu behalten.

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  • Jens am 14.02.2018 06:47 Report Diesen Beitrag melden

    Die bösen Ölmultis...tztztz

    Wenn ich mir die Schweizer Verkehrspolitik des Stop and Gos anschaue, frage ich mich schon ob da nicht noch jemand anders mitverdienen möchte. Jeder Liter Mehrverbrauch, der ja im Stau und Stadt besonders hoch ist, spült ja bekanntlich nicht nur Gewinne in die Ölmultikasse sondern auch ins Staatssäckli. Warum sollte man also Interesse an einer ökologischen und ökonomischen Verkehrspolitik haben...nur mal laut gedacht.

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  • WM am 14.02.2018 06:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfaire Preisunterschiede innerhalb CH

    Die Preisunterschiede sind auch innerhalb der CH sehr gross. So ist 1L Benzin/Disel in Bern rund 10 Rappen teurer als in Biel.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Mabuse am 14.02.2018 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    Der Weg ist das Ziel...

    Es ist bereits bemerkenswert wie die Benzinpreise fallen wenn man in den Kt. Aargau fährt. Benütze auch konsequent der 4Rp-Bon bei Coop-TS.

  • Alesandro Pianari am 14.02.2018 08:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so!

    Habe kein problem mit den Ölkonzerne, aber mit unseren in Bern. Wenn man denkt wass es braucht bis das Oel gefördert wird und raffiniert, ist es wenig! Aber leider müssen wir Autofahrer die ganze Schweiz subventionieren!

  • Frank N. am 14.02.2018 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    In Fachkreisen

    wird dies Pricing Strategy - Gewinnmaximierung mit System genannt. Man schöpft immer dort ab, wo die Kaufkraft es zulässt. Selbes Produkt kostet irgendwo im Nirgendwo deutlich weniger, wenn im Irgendwo die Kaufkraft deutlich tiefer als Anderswo ist. Vergleicht man jedoch die Benzinpreise hierzulande mit z. B. denen in Deutschland, fahren wir unterm Strich hier in der Schweiz pro Liter Benzin günstiger. Diesel wird in Deutschland sozusagen steuerlich subventioniert. Von daher würde ein Preisvergleich mit Diesel hinken.

  • Füchschen am 14.02.2018 08:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herkunft?

    Mal drüber nachgedacht wo die Ressourcen für den Sprit herkommen? Wir bezahlen hier viel zu viel für den Benzin und in einigen Ländern wo das Erdöl abgezapft wird kommt so gut wie nichts von dem Geld an. Die bleiben genau gleich arm. Ergo laufen die Menschen dort davon und komme hier her, was wiederum uns nicht passt. Die einzigen Gewinner sind die Unternehmen die das Öl abzapfen.. oder besser gesagt deren Teppichetage... Fairer Handel / Faire Preise. Wir dürfen nicht nur an uns denken....

  • Rudi Rüssel am 14.02.2018 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Selfservice

    Die Marge ist eine Frechheit, ja die Löhne, alles Selfservice Tankstellen. Diese Löhne entfallen, bleibt noch die Logistik, bei so kurzen Strecken von Tanklager zu den Tankstellen, ist auch nicht wirklich nachvollziehbar. Ich gönne allen einen fairen und angemessen Lohn, jedoch nicht die übertriebene Marge welche bei den Grossverteilern liegen bleiben.