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CO2-Abgabe verdreifacht
30. Dezember 2009 07:46; Akt: 30.12.2009 11:00 Print
Bundesrat verursacht Lieferchaos beim Heizöl
von Werner Grundlehner - Im Dezember ging im Schweizer Heizölmarkt gar nichts mehr. Alle wollten noch den Tank füllen, bevor die Abgaben steigen – das konnte nicht funktionieren. Der Heizölpreis blieb jedoch relativ stabil. Denn dieser wird nicht in der Schweiz «gemacht» - seit einigen Jahren bestimmen Spekulanten, wo’s hingeht.
Auf den 1. Januar 2010 hat der Bundesrat die CO2-Abgabe auf Heizöl verdreifacht. Sie liegt nun bei 9 Rappen pro Liter oder auf rund zehn Prozent des Gesamtpreises. Mit einem Teil der Erträge will der Bund zwei Förderprogramme finanzieren. Eines für die Sanierung von Gebäuden, das zweite für die Förderung erneuerbare Energien. Was die Baubranche und die Produzenten von alternativen Energien freut, ärgert Heizöllieferanten, Mieter sowie Vermieter.
In der Gemeinschaft billiger
Für den Konsumenten machen Einkaufsgemeinschaften durchaus Sinn. Die Preise für 20'000 Liter sind in der Regel günstiger als für 2000 Liter. Diese Gemeinschaften kann man mit einigen Nachbarn gründen oder sich über Plattformen wie Netpooler zusammenschliessen. Selbst gegründete Einkaufsgemeinschaften bieten einiges an Konfliktpotenzial – insbesondere, wenn der Ölpreis vom Einkauf bis zur Lieferung sinkt. Daher sollte man alle Konditionen schriftlich festhalten und von allen Beteiligten unterschreiben lassen. Die Gesellschaft sollte jedes Jahr wieder neu gegründet werden, das reduziert die Streitmöglichkeiten. Eine Person aus der Gemeinschaft sollte den Preis permanent im Auge behalten, um zu einem günstigen Angebot zu kommen. Zu lange warten darf man jedoch nicht. Wer einen leeren Tank hat, muss jeden Preis akzeptieren.
Wie eine Schafherde
Ernst Willi, Geschäftsführer der Netpooler AG, einer Plattform für Einkaufsgemeinschaften im Internet, die unter Ölpooler auch Heizölkäufer zusammenfasst, meint dazu ironisch: «Vielen Dank an den Bundesrat, der die Branche jedes Jahr ins Chaos stürzt.» Vor zwei Jahren sei es die Einführung der CO2-Abgabe gewesen, nächstes Jahr werde es die Mehrwertsteuer sein. «Unglaubliche Zustände» hätten im Dezember geherrscht, die Schweizer hätten wie eine Schafherde in Panik reagiert. «Alle wollten sich noch den Tank füllen, am liebsten noch am 31. Dezember um 16.00 Uhr», fügt Willi an. Dafür werde in Sachen Heizöllieferungen in den ersten drei Monaten des neuen Jahres gar keine Nachfrage mehr herrschen.
Der Geschäftsführer der Netpooler AG hat jedoch durchaus Verständnis für die Kunden, «denn die CO2-Abgabe geht ins Geld». Er macht ein Rechnungsbeispiel: In Olten kosten heute 3000 Liter 80.50 Franken je Hundert Liter, also gesamthaft 2404.50 Franken. Soviel braucht ein grosses Einfamilienhaus im Winter. Die neue CO2-Abgabe ist bereits berücksichtigt und macht annähernd 300 Franken aus. Vor der Erhöhung wären es noch 200 Franken weniger gewesen.
Notenbankgeld fliesst an die Börse anstatt in die Wirtschaft
Ernst Willi lässt durchblicken, dass momentan nicht der richtige Zeitpunkt ist, um Heizöl einzukaufen. «Rohöl ist ein Börsenprodukt geworden, Spekulanten machen den Preis», meint er. All das billige Geld der Zentralbanken fliesse nicht in die Wirtschaft, sondern an die Börse. Doch am Ölmarkt entsteht seiner Meinung nach eine Blase. Die Nachfrage sei auf das Niveau von 2005 gesunken und jeden Tag würden einige Millionen Fässer Überschuss produziert. «Unter diesen Vorraussetzungen kann der Preis nicht langfristig steigen», so Willi. Er erwartet schon bald eine massive Preiskorrektur.
Die grosse Dezember-Nachfrage in der Schweiz hatte keinen Einfluss auf den Heizölpreis, dafür ist der Markt zu klein. Der Heizölpreis ist im Moment etwa auf dem Niveau von Anfang Dezember. Der Erdölpreis beschrieb eine leichte U-Kurve von 79 Dollar je Fass anfangs Monat über 72 wieder zurück auf 78 Dollar. In der gleichen Zeit gewann der Dollar gegenüber dem Franken leicht an Stärke: Von etwas unter einem Franken je Dollar auf 1.03 Franken. Der Preis für 100 Liter schwefelarmes Heizöl bewegte sich im Dezember in der Schweiz zwischen 77 und 78 Franken.




























