Tim Harford

08. Juni 2018 21:04; Akt: 08.06.2018 21:04 Print

Darum ist Chaos gut für die Wirtschaft

von R. Knecht, Interlaken - Unordnung macht kreativer, Unsicherheit macht erfolgreicher, Chaos ist eine Chance. Der Ökonom Tim Harford wünscht sich mehr Durcheinander.

«Sie werden überrascht sein, wie viel Sie erreichen können», sagt Tim Harford im Interview mit 20 Minuten. (Video: rkn)
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Probieren geht über Studieren – das ist das Motto von Tim Harford. Er ist Ökonom, Schriftsteller und Journalist und vertritt die These, dass Chaos und Frustration gut für die Wirtschaft und den Menschen sind. Am Swiss Economic Forum (siehe Box) sprach Harford darüber, warum das Chaos seiner Ansicht nach nichts Schlechtes, sondern eine Chance ist.

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• Neue Lösungen
«Immer, wenn wir ein neues Hindernis antreffen, sind wir gezwungen, einen neuen Weg darum herum zu finden», sagte Harford vor den rund 1300 Geschäftsleuten in Interlaken. Chaotische Zustände könnten helfen, kreative Lösungsansätze zu finden.

• Weniger Selbstsicherheit
In einem Experiment hätten Forscher festgestellt, dass Menschen, die einander nicht kennen und sich dadurch weniger sicher fühlen, zusammen Probleme besser lösen können als eine Gruppe von Freunden. «Wenn man sich kennt, ist man viel selbstsicherer», so Harford. Doch dadurch werde man möglicherweise weniger erfolgreich.

• Unangenehm, aber hilfreich
Harford betont, dass Chaos grundsätzlich als unangenehm empfunden wird. Man müsse sich aber bewusst sein, dass es trotzdem hilfreich sein könne, um Probleme zu lösen. Sein Beispiel ist ein Musiker, der auf einem Klavier in schlechtem Zustand sein bestes Werk spielte, weil er sich besonders anstrengte, um die Mängel des Instruments zu kompensieren. «Wir uns sollten alle mal hinsetzen und das unspielbare Klavier spielen», so der Ökonom.

• Wo etwas ensteht, herrscht Unordnung
Dass in Büros die Idee vorherrscht, dass alles schön sauber sein muss, findet Harford seltsam. «Gehen Sie mal da hin, wo etwas gemacht wird – eine Autowerkstatt, eine Restaurantküche oder ein Künstleratelier –, da ists überall unordentlich», sagte der Brite in Interlaken. Natürlich brauche es in bestimmten Bereichen Ordnung, aber nicht nur. Harford bevorzugt eine Balance zwischen Ordnung und Chaos, ein «dynamisches Chaos», wie er es nennt.

• Zu viel Ordnung
In der Wirtschaft sieht Harford oft, dass die Ordnung Überhand nimmt und kreative Ideen darum nicht innerhalb eines Unternehmens vollständig realisiert werden können. Wenn jemand in einer Firma eine gute Idee hat, brauche es oft eine komplett neue Firma, um diese erfolgreich umzusetzen. Der Grund dafür: Im alten Unternehmen haben sich die überholten Vorstellungen und Ideen schon so eingefressen, dass sich Kreativität kaum entfalten kann.

Sehen Sie das Interview mit Tim Harford im Video oben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Massut am 08.06.2018 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    Habs vergeblich versucht zu erklären

    Ich habe meiner Mutter 18 Jahre lang vergeblich versucht zu erklären, dass mein Chaos eine Chance ist. Das sah sie leider immer ganz anders.

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  • Alexander Uster am 08.06.2018 21:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute neue Ideen...

    die bringe ich nicht an den "Mann". Ich muss in der Firma jedesmal ein 'Inovationsformular' ausfüllen. Und warte dann ein Jahr!

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  • Petyr "Littlefinger" Baelish am 08.06.2018 21:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chaos is a ladder

    Tja, Chaos is halt nun mal eine Leiter um Game of Thrones zu zitieren. Sieht man zur Zeit überall auf der Welt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • marko 33 am 09.06.2018 21:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ding

    Ist nicht so mein Ding

  • Peter am 09.06.2018 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Ordnung und Wirtschaft?

    Als ob in der Wirtschaft Ordnung bestehen würde... hahaha... Das einzige was wirklich einer Gesetzmässigkeit folgt ist: Dort wo das Geld ist, zieht es weiteres Geld an. Egal nach welcher Ordnung und nach welcher Theorie..

  • Greisi am 09.06.2018 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Welt

    Willkommen in der neuen Welt. Chaos ist Ordnung. Krieg ist Frieden. Geld ist Schuld.

  • Greisi am 09.06.2018 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Altbekannt

    Die Neue Weltordnung war schon immer als Chaos gedacht. Begreift ihr das erst jetzt?

  • A. Huber am 09.06.2018 11:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einstein

    sagte schon: geniale Menschen sind selten ordentlich und ordentliche Menschen sind selten genial. Stimme dem voll zu.

    • JackMac am 09.06.2018 23:00 Report Diesen Beitrag melden

      Betrachtungswinkel

      Ja hat im Patentamt Ideen aufgesogen. Seine Frau war genialer. Im Kopf hatte er schon Ordnung.

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