Kein neuer CEO

10. Mai 2018 14:18; Akt: 10.05.2018 14:18 Print

Facebook nimmt Whatsapp die Eigenständigkeit

von R. Knecht - Whatsapp bekommt keinen neuen CEO. Der Mutterkonzern Facebook nimmt der App die Unabhängigkeit.

Facebook krempelt die Unternehmensstruktur um und bündelt seine Apps – inklusive Whatsapp. (Video: sas, mit Bildern von Keystone, Facebook, «Recode» und «IT News Africa»)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Facebook hat im Rahmen einer grösseren organisatorischen Umstrukturierung seinen Mitarbeitern bekannt gegeben, wer bei Whatsapp auf CEO Jan Koum folgen wird. Chris Daniels, der bisherige Vizepräsident (VP) von Facebooks Nonprofit-Organisation Internet.org, wird VP bei Whatsapp, wie das News-Portal «Recode» berichtet.

Umfrage
Würden Sie Whatsapp mit Werbung nutzen?

Damit dürfte Whatsapp künftig keinen CEO mehr haben. Stattdessen bündelt Facebook die Leitung seiner Apps Instagram, Facebook, Messenger und Whatsapp als «Family of Apps». Sie soll von Chief Product Officer (CPO) Chris Cox geleitet werden.

Facebook übernimmt die Kontrolle

Somit nimmt Facebook auch bei Whatsapp die Zügel stärker in die Hand. 2014, als Facebook die Chat-App für 19 Milliarden US-Dollar kaufte, war die Angst gross, dass der Konzern beginnt, mit der App Daten zu sammeln und Werbung zu spielen. Darum habe Facebook mit einer Umstrukturierung gewartet, sagt Jean-Claude Frick, Digitalexperte von Comparis, zu 20 Minuten.

«Jetzt vollzieht sich bei Facebook und Whatsapp das, was man normalerweise bei einer milliardenschweren Geschäftsübernahme schon früher erwarten würde», so Frick. Facebook wolle Whatsapp endlich die Eigenständigkeit nehmen. Beim Konsumenten dürfte dieses Vorgehen das Gefühl verstärken, dass die Dienste des Unternehmens allesamt zu einem «grossen bösen Konzern» gehören.

Schach- statt Galionsfigur

Der neue VP von Whatsapp folgt auf Jan Koum, den prominenten Verteidiger von Whatsapps Werbefreiheit und Datenschutz. Für Frick ist klar, dass Facebook damit die «Galionsfigur Koum» mit einer weitgehend unbekannten Schachfigur ersetze. In Facebooks Verwaltungsrat, in dem Koum nun ebenfalls ausscheidet, wird Ende Mai statt eines Whatsapp-Repräsentanten der Cranemere-CEO Jeff Zients beitreten.

Daniels war seit knapp viereinhalb Jahren VP von Facebooks gemeinnütziger Organisation Internet.org. Die Wahl könnte laut Frick darauf abzielen, den Kunden vorzugaukeln, dass sich der neue VP für die Allgemeinheit mehr einsetzen würde als für das Unternehmen. Schlussendlich sei das aber ein Feigenblatt. Dazu kommt, dass Kritiker auch die gemeinnützigen Ziele von Internet.org in der Vergangenheit in Frage gestellt haben (siehe Box).

Ein Spezialist für Transformationen

Chris Cox, der neu die «Family of Apps» verantwortet, passt für Frick ebenfalls ins Bild. Cox sei ein ausgewiesener Spezialist für Transformationen wie diese. Er ist bereits seit 2014 CPO bei Facebook und war damit bisher schon für alle Produkte von Facebook zuständig.

Wie wird es also mit Whatsapp weitergehen? Facebooks bisherige Vorgehensweise und die Laufbahnen von Cox und Daniels lassen Frick vermuten, dass Whatsapp Business der Schlüssel zur Strategie von Facebook ist. Dabei handelt es sich um ein kostenpflichtiges Angebot für Unternehmen, mit dem sie über Whatsapp Kontakt mit ihren Kunden aufnehmen können.

Subtile Werbung

Der Dienst, der derzeit nur in einigen wenigen Ländern angeboten wird, könnte nach vielen schrittweisen Ausweitungen zu Werbung führen, die subtiler ist als klassische Banner: «Wenn ich etwa einen Laptop einer bestimmten Marke besitze, könnte mich der Hersteller nun auf Whatsapp kontaktieren und das neue Modell anwerben», so Frick.

Whatsapp Business sei aus Konsumentensicht ein «trojanisches Pferd». Kunden müssten etwa für Support nicht mehr zum Hörer greifen oder E-Mails schreiben, dafür werden sie zum einfachen Werbeziel für Firmen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tom Tucker am 10.05.2018 14:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne zu zögern..

    Sobald ich auf Whatsapp Werbung bekomme wird diese App gelöscht. Es gibt mittlerweile genügend Alternativen. Ich werde dann wohl komplett auf Threema umsteigen.

    einklappen einklappen
  • Mark Myword am 10.05.2018 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Facebook

    Soeben deinstalliert. Zuckerberg kann mich mal kreuzweise.

  • Stefan M. am 10.05.2018 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Frage der Zeit

    Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Whatsapp und der Facebook Messenger zusammengelegt werden. Punkto Funktionalität gleichen sie sich immer mehr.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomas Blattner am 11.05.2018 20:23 Report Diesen Beitrag melden

    Kostenpflichtiges Whatsapp!

    Wiso soll jetzt Whatsapp gebührenpflichtig werden? Wird mit Facebook und co. zu wenig Geld verdient? Wieso soll nun auch noch Werbung aufgeschaltet werden? Alle diese Fragen beschäftigt den Benutzer. Wenn es so weit kommt, wird Whatsapp eine enorme Einbusse an Benutzer erfahren. Will Facebook das? Die Konkurenz schläft nicht, sei zu erwähnen.

    • Money am 11.05.2018 21:53 Report Diesen Beitrag melden

      Mr.

      War schon immer kostenpflichtig aber freiwillig.

    einklappen einklappen
  • marko 33 am 11.05.2018 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklich

    Schrecklich

  • Monika Inderbizin am 11.05.2018 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt ist Zeit für Schweizer Apps

    Es gibt so viel bessere Schweizer Apps die zusammen besser und vertrauenswürdiger sind. Threema zum chatten, OpusTel zum telefonieren mit richtiger Schweizer Telefonnummer und ProtonMail zum abhörsicheren e-mailen. Alles professionell verschlüsselt und vertrauenswürdig in Sachen Datenschutz. Bitte nicht weiter mit Daten bezahlen wie das bei den bekannten US Apps der Fall ist. Jetzt wechseln: es lohnt sich für Sie.

    • Peter Zuber am 11.05.2018 12:08 Report Diesen Beitrag melden

      Bye-Bye USA, Switzerland First

      Habe soeben auf Threema, OpusTel und Protonmail gewechselt. Jetzt ist meine Kommunikation durch Verschlüsselung vor "Big Data" geschützt. Und mein digitaler Fingerabdruck wird professioneller so wie ich das möchte und ohne wirklich privates aus Telefongesprächen und e-mails.

    • Sabrina am 11.05.2018 15:02 Report Diesen Beitrag melden

      Eine weitere Kundin für Threema

      Habe mir so eben Threema heruntergeladen. Funktioniert super und die Abstimmungen gefallen mir richtig gut. Die 3.- War es wert selbst wenn nicht alle wechseln.

    einklappen einklappen
  • Artikelleser am 11.05.2018 10:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Uninstall

    sehe ich eine kleine Werbung ciao WhatsApp! Kann mir wer bereits eine Alternative vorschlagen?

    • Wilhelm Tell am 11.05.2018 11:53 Report Diesen Beitrag melden

      Switzerland "first"

      @Artikelleser: Ja es gibt richtig gute Schweizer Alternativen: OpusTel zum abhörsicheren telefonieren und Threema zum Chatten. Beides zusammen kostet sehr kleine Geld Beiträge. Dafür muss Niemand mit seinen Daten bezahlen. Bei Sparbedarf kann auf ein reines 4G Internet Abo gewechselt werden um richtig Geld zu sparen. OpusTel hat sogar eine richtige Telefonnummer und schützt vor Roamingkosten.

    • Money am 11.05.2018 21:55 Report Diesen Beitrag melden

      Mr.

      Telegramm App wird auch von vielen Nutzern verwendet.

    einklappen einklappen
  • Martin Kull am 11.05.2018 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    Bye WhatsUp

    Threema wird per sofort meine einzige App sein....