Zurück zur Butter

05. Juli 2018 05:41; Akt: 05.07.2018 05:41 Print

Coop will weniger Palmöl verwenden – und Migros?

von Isabel Strassheim - Coop will wieder Butter in seine Guetsli rühren. Und wo nötig, nur Bio-Palmöl nehmen. Migros setzt dagegen auf ein anderes Label.

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Viele alltägliche Lebensmittel enthalten Palmöl. Monokulturen mit Ölpalm-Plantagen bedecken heute Zehntausende Quadratkilometer in Malaysia und Indonesien. Statt Regenwald oder vielfältiger Torfgebiete breiten sich laut Brot für alle Plantagen aus, wie hier auf Kalimantan, dem indonesischen Teil von Borneo. Die deutsche Online-Plattform Utopia, die sich mit nachhaltigem Konsum befasst, zeigt Alternativen zu Palmölprodukten – wie den Caramel-Riegel von Gepa anstelle des Mars-Riegels. Die Natural-Seife von Speick anstelle von Produkten des Konzerns Colgate-Palmolive. In zahlreichen Tütensuppen, Tiefkühlpizzen und Nudelgerichten steckt Palmöl. Besser als eine Knorr-Tomatensuppe ist laut NGOs etwa die Alternative von Alnatura. Wer gern Prinzen-Rolle mag, aber keine palmölhaltigen Produkte kaufen will, greift besser zu Alnatura-Guetsli. Im Knuspermüesli von Dr. Oetker hat es Palmöl, im Produkt von Alnatura dagegen Bio-Sonnenblumenöl. Die Schoggi von Rapunzel enthält kein Palmöl, Milka-Schokolade dagegen schon. Nocciolata von Rigoni di Asiago gilt als einzige palmölfreie Alternative zum beliebten Nutella-Aufstrich. In vielen Margarinen steckt Palmöl. Die Soyatoo-Tofubutter besteht nur aus Bio-Tofu, Wasser und Sonnenblumenöl. Als palmölfreie Alternative für Waschmittel wie Ariel, Persil, Spee oder Terra Aktiv schlägt Utopia das Eco-Saponine-Waschmittel von Memo vor. «Es reinigt mit Seifenkraut- und Kokostensiden.» Die palmölfreie Tagescrème Quitten von Dr. Hauschka bietet eine Alternative zum Produkt von Nivea. Um mit besserem Gewissen zu duschen, tauscht man das Dove-Shampoo gegen das Speick Organic 3.0 Duschgel. In Mascaras und Eyelinern ist oft Palmöl enthalten. Frei von Palmöl sind die Eyeliner von Dr. Hauschka.

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Palmöl hat einen schlechten Beigeschmack bekommen. Für die Produktion in Asien oder Mittelamerika werden Regenwälder abgeholzt und Menschen sowie Tiere vertrieben. Coop will die Verwendung in seinen Eigenmarken nun eindämmen: Butter und andere Öle sollen wieder zum Einsatz kommen. Wo das nicht geht, soll Bio-Palmöl verwendet werden – auch in Nicht-Bio-Produkten.

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«Ein wesentlicher Teil unserer konventionellen Lebensmittel-Eigenmarken wird auf Bio-Knospe-Palmöl umgestellt», sagt Coop-Projektleiter Raphael Schilling zu 20 Minuten. Eine kleinere Menge soll ausserdem ganz durch andere Öle und Fette ersetzt werden. «Wenn es geschmacklich besser ist, werden wir Palmöl beispielsweise mit heimischen Alternativen wie Butter ersetzen, zum Beispiel bei Guetsli.»

Behält Coop Nutella im Sortiment?

Die ersten palmölbefreiten Produkte sollen 2019 bei Coop in den Regalen stehen. Auch die Umstellung auf Bio-Palmöl soll dann nach und nach erfolgen. Für das Bio-Knospe-Palmöl gelten strenge Vorschriften: Palmöl von nach 1994 gerodeten Flächen ist ausgeschlossen. Unter anderem müssen auch gute Arbeitsbedingungen eingehalten werden. «Was wichtig ist: Die Überprüfung erfolgt durch Bio Suisse und ist anders als bei dem bisherigen internationalen Label RSPO viel transparenter», sagt Schilling, Coop-Projektleiter Nachhaltigkeit.

Für Coop stellt sich aber auch die Frage, was mit den herkömmlichen Palmölprodukten wie Nutella passieren soll. Verkauft der Händler die weiter, auch wenn er die eigenen Produkte auf das neue, verschärfte Label umstellt? «In einem ersten Schritt kümmern wir uns um unsere Eigenmarken, in einem zweiten Schritt um die der Drittanbieter», so Schilling. Das bedeutet: Nutella-Hersteller Ferrero und auch viele andere dürften sich dann wappnen müssen.

Kleinbauern statt Riesenplantagen

Die Organisationen Brot für alle, Fastenopfer und Pro Natura werten das Bio-Suisse-Palmöl als grossen Fortschritt im Kampf gegen Landraub und Umweltzerstörung durch Palmölplantagen. «Wichtig ist für uns, dass das Label Kleinbauern fördert und eine maximale Betriebsgrösse gesetzt ist, um weg von den riesigen Monokulturen zu kommen», sagt Tina Goethe, die bei Brot für alle für Entwicklungspolitik zuständig ist.

Für Goethe ist aber entscheidend, dass Coop Palmöl zumindest bei einem Teil der Eigenmarken durch andere Öle oder Fette ersetzen will. Migros möchte das nicht unbedingt. «Das Ausweichen auf andere Öle ist für die Migros keine dauerhafte Lösung, denn die kritisierten Umweltprobleme würden damit lediglich auf andere Öle übertragen», sagt Sprecherin Alexandra Kunz.

Migros sucht neue Produzenten

Migros stellt über 80 Prozent der Produkte selber her. Sie verbraucht jährlich rund 8000 Tonnen Palmöl für Lebensmittel sowie 9000 Tonnen sogenannte Palmöl-Derivate für Waschpulver, Zahnpasta oder Seifen. Coop ist dagegen ein kleinerer Palmölplayer und verwendet bislang jährlich insgesamt 2700 Tonnen.

Auch Migros prüft die Umstellung auf ein neues Label. Aktuell wird eruiert, welche Produzenten und Lieferanten für eine Umstellung auf den internationalen Standard POIG (Palm Oil Innovation Group) in Frage kommen. «Der einzige sinnvolle Weg ist die kontinuierliche Verbesserung des Anbaustandards für Ölpalmen», sagt Mediensprecherin Kunz.

Kritik an Palmölmonokulturen

Brot-für-alle-Expertin Goethe kritisiert den POIG-Standard:« Er setzt der weiteren Expansion der Ölpalmplantagen nichts entgegen, die POIG-Mitglieder bekennen sich im Gegenteil zur Förderung der Palmölindustrie.» Kleinbäuerliche Produktion spiele für diesen Standard keine Rolle. Die Bedingungen von POIG wurden unter anderem in Zusammenarbeit mit Greenpeace und WWF ausgearbeitet.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sc am 05.07.2018 06:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    guter anfang

    weniger reicht nicht. keines wäre besser aber zumindest ein Anfang.

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  • Expat am 05.07.2018 06:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Butter ist besser

    Wieso die Grossverteiler immer erst auf Druck reagieren ist ihrer Profitgier zuzuschreiben. Butter ist und bleibt der beste Rohstoff um Guetzli und Gipfeli herzustellen. Wer isst schon noch Nutella. Sofort alle Ferreroprodukte aus dem Sortiment verbannen, dann lernen es auch die. Ich lebe neben mehreren kleinen Palmölplantagen, Gagen die ist nichts einzuwenden, wenn ich aber die Quadratmeilen grossen Plantagen in Malaysia sehe wird mir schlecht. Das muss aufhören.

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  • Selina am 05.07.2018 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    Palmöl

    Ich war drei Monate in Chiapas Mexiko unterwegs und habe gesehen wir riesig die Plantagen sind, ein grossteil des Dschungels wurde dafür gerodet, total schade was da angerichtet wird

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ich am 05.07.2018 19:42 Report Diesen Beitrag melden

    Scheinlösung

    Dann nehmen sie halt Sonnenblumenöl, das braucht auch Anbaufläche und löst das Problem auch nicht!

  • Lidl Kunde am 05.07.2018 19:26 Report Diesen Beitrag melden

    Coop langweilt

    Bio Palmöl ist Palmöl und fertig. Ausserdem hat Coop nicht schon vor etwa vier Jahren angekündigt mit Palmöl aufzuhören. Wahrscheinlich bis heute nicht viel passiert, womöglich die nächsten 4 Jahre wird da auch nichts viel passieren ausser gute Marketingkonzepte.

  • Frage? am 05.07.2018 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufpreis für ökologische Alternative

    Was kostet eine ökologische Alternative mehr? Wieso verwendet man überhaupt noch Palmöl? Was würde eine Packung Guetzli mehr kosten? 10 Rappen? 20 Rappen? Selbst wenn eine Packung Guetzli en Stutz mehr kostet würde ich dies gerne bezahlen wenn ich mir sicher sein kann, das der entsprechende Detailhändler nur ökologisch unbedenkliche Öle verwendet.

  • Alexander Uster am 05.07.2018 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Lauf der Zeit

    vor 30 Jahren reklamierte man die Monokultur der Bananen. Heute ist es Palmöl. Was wird es Morgen sein? Mit Monokulturen macht man viel Geld. Und die Produzenten/Grosshändler sehen nur den Gewinn.

  • Jean Bernois am 05.07.2018 17:43 Report Diesen Beitrag melden

    Jaja, die Dritthersteller

    Da Coop bedeutend weniger Eigenprodukte als Migros hat sind auch die Mengen kleiner. Dass aber die Grossverteiler Drittmarken wie Nutella von Ferrero aus dem Sortiment schmeissen oder diese zu anderen Produktionsgurndstoffen zwingen könnten ist eine reine Utopie und ein purer Werbegag.