Toys-R-Us-Pleite

20. September 2017 15:13; Akt: 20.09.2017 16:19 Print

Darum gehen Schweizer noch in Spielzeugläden

Onlinehändler wie Amazon trieben den US-Spielekonzern Toys R Us in die Insolvenz. Anders in der Schweiz: Hier wolle man das Spielzeug noch anfassen.

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Der US-Spielwarenhändler Toys R Us, der weltweit 1600 Geschäfte betreibt, muss Insolvenz anmelden. Das Unternehmen beantragte Gläubigerschutz, um seine Schuldenlast von rund fünf Milliarden Dollar «neu zu strukturieren». Davon seien die Läden ausserhalb der USA nicht betroffen.

Zu schaffen macht Toys R Us die Konkurrenz von Internetgiganten wie Amazon. Den Umsatzrückgang von 4,1 Prozent im letzten Quartal führte Toys R Us denn auch auf die «sehr aggressive» Preispolitik seiner Konkurrenten zurück.

Umsatz mit Spielwaren stagniert

Im Vergleich zu Toys R Us in den USA bekommen die klassischen Schweizer Spielwarenverkäufer die grossen Onlinehändler bisher noch wenig zu spüren. Laut dem Marktforschungsunternehmen GfK erwirtschaftete die Branche letztes Jahr 460 Millionen Franken – gleich viel wie 2015. Im Vergleich zu 2012 konnte der Umsatz sogar leicht gesteigert werden. Der Anteil des Online-Handels liegt bei sieben Prozent.

Dass die Schweizer Spielwarenbranche bisher kaum mit digitalen Konkurrenten wie Amazon zu kämpfen hatte, erklärt Sandro Küng vom Schweizerischen Spieleverband mit dem hiesigen Einkaufsverhalten: «Die Schweizer kaufen nicht einfach die günstigsten Spiele, ein Monopoly kann auch etwas teurer sein als beim Online-Händler, wenn die Beratung stimmt.» Zudem hätten die Schweizer Händler ein dichtes Filialnetz aufgebaut, wo der Konsument innert kurzer Zeit vor Ort einkaufen könne.

Kunden wollen das Spielzeug noch anfassen

«Und ein Spielzeug anzufassen und zu testen, scheint den Kunden wichtig zu sein», warnt Küng. Dies zeige sich nicht zuletzt darin, dass auch heute noch klassische Spielwaren-Läden eröffnet werden – etwa das Familienunternehmen Spielkiste, das letztes Jahr eine neue Filiale in Zürich einweihte.

Trotzdem sagt Yves Burger, Geschäftsführer von Franz Carl Weber: «Es ist klar, wenn Amazon auch in der Schweiz an Bedeutung gewinnt, wird es einige klassische Spieleanbieter vom Markt fegen.» Deshalb startet auch Franz Carl Weber eine Digitalisierungs-Offensive in kleinen Schritten: Auf einem Online-Portal sollen ab Anfang Oktober die Kunden ihre Produkte in die Filiale bestellen können.

Die direkte Lieferung nach Hause wird erst in einem zweiten Schritt passieren: «Der Aufbau eines Logistik-Systems wäre mit hohen Investitionen und Fixkosten verbunden und könnte uns auch das Genick brechen – deshalb sind wir da vorsichtig», erklärt Burger die Strategie.

Franz Carl Weber setzt auf Beratung und Emotionen

Zu einem reinen Online-Händler will Franz Carl Weber ohnehin nicht werden. Burger ist überzeugt, dass es in der Spielzeugbranche weiterhin Beratung und Emotionen brauche. «Wenn ich ein Geschenk für mein Göttikind organisieren will, brauche ich die Sicherheit, ein einwandfreies Produkt zum Stichtag in den Händen zu halten», so Burger. Diese Garantie könne ein reiner Online-Händler nicht zu 100 Prozent geben: «Dann stehe ich vor dem Kind als Verlierer mit leeren Händen da, oder die passenden Batterien zum Geschenk fehlen.»

Enormes Potential für Onlineverkauf

Als reiner Onlinehändler ist dagegen die Plattform Siroop tätig. Der Spielwarenbereich habe sich über die Erwartungen gut entwickelt, so Sprecher Benjamin Linsi. Da Produkte wie Spielwaren im Vergleich etwa zu Kleidern nicht komplex seien, würden beim Kunden oft die Verfügbarkeit und der Preis entscheiden. «Aufgrund dieser Tatsache sehen wir in Zukunft weiterhin ein enormes Potenzial beim Online-Verkauf von Spielwaren.»

Bei Digitec Galaxus verspricht man sich, «dass der Onlineverkauf von Spielwaren in den nächsten Jahren stark weiter wachsen wird». Allein von 2015 bis 2016 konnte der Händler seine Umsätze bei den Spielwaren verdoppeln. Und in Zukunft hofft Digitec Galaxus auf die Digital Natives: «Ihre Kaufkraft nimmt in den kommenden Jahren zu. Zudem sind sie es sich gewohnt, online zu bestellen», so eine Sprecherin.

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Salma am 20.09.2017 15:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leichtende Kinderaugen im Toys'r'us!

    Es gibt doch auch nichts schöneres für leichtende Kinderaugen im Spielwarengeschäft etwas neues auszusuchen! Das bereitet den Kleinen wie auch den Grossen Freude! Solche Läden sind das Paradies für die Kinder schlechthin und sollten unbedingt bleiben!

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  • Michi am 20.09.2017 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach

    Weil es meiner kleinen Tochter einfach mehr Spass macht wenn sie im Laden die Sachen sieht, als im Internet.

  • Fabienne am 20.09.2017 16:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Geschaeft

    Als meine Kinder (heute Teenager) noch klein waren machte ich mit Ihnen jedes Jahr einen Ausflug zu Toys R Us. Da gab es jedesmal eine Tuete Popcorn und sie durften sich ein Foto machen was so alles auf ihre Wunschliste gehoerte. So war ich sicher, dass sie die Geschenke bekamen die sie sich wuenschten und konnte danach ruhig auch gleich meinen Wocheneinkauf machen ohne dass gequengelt wurde. Ist ja auch viel schoener die Spielsachen im Geschaeft zu entdecken als ueber's Internet wo der Artikel vielleicht enttaeuschend ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fabian am 24.09.2017 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    Erklärung?

    Vielleicht ist das so, weil Schweizer Eltern eben noch Zeit finden, um mit ihren Kindern in die Läden zu gehen...

  • Sandro Buchmann am 23.09.2017 02:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erlebniss erzeugen

    Ich glaube die Players in der Schweiz werden weiterhin Erfolg haben. Kommt nur drauf an wo man seinen "Costumer Point of Sale" definiert. Einen Franz Karl Weber in Zürich wird nicht einfach verschwinden. Anders sieht es aus, wenn man die Masse bzw. Kunden erreichen will die ausserhald des Ladenkolas sich befinden. Weber muss ein Erlebniss darstellen und dementsprechend Emotionen hervorrufen beim Kauf der Spielzeuge, die ein Onlinehändler nicht bieten kann. Trotz allem, mit einem Onlineshop ish es nicht gegtan. Diffrenzieren ist der Schlüsselfaktor.

  • desert sun am 21.09.2017 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Reorganisation

    Genau genommen haben die chapter 11 angemeldet fuer reorganisation.

  • So Isses am 21.09.2017 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    Weil ich bin doch nich blöd...

    Jawoll im Laden ausprobieren anfassen, dann im Internet den ausgewählten Artikel für die Hälfte des Preises bestellen.....

  • Onkel Dagobert am 21.09.2017 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    So ist das halt

    Man geht mit der Zeit. Vieles wird ins Internet verschoben, was nicht nur Schlechtes hat. Ich meinerseits bin froh, das ich mir das ganze Rumfahren sparen kann. Trotzdem gehe ich zb ab und zu ins Glattzentrum und kaufe meinen Enkeln Spielzeug im Franz Carl Weber. Man muss die echten Läden halt reduzieren, aber es wird immer Interesse daran bestehen. Wenn es auch kleiner ist.