Harter Markt

03. Oktober 2017 12:23; Akt: 03.10.2017 13:53 Print

Darum gehen jetzt so viele Billig-Airlines pleite

von Dominic Benz - Nach Air Berlin ist auch der britische Ferienflieger Monarch am Ende. Wird das Reisen im Flugzeug nun teurer?

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Harte Zeiten für Billig-Airlines: Nach der Pleite von Air Berlin bleiben jetzt auch die Maschinen der britischen Monarch am Boden. Die lokalen Behörden sprechen vom «grössten Scheitern einer Airline», das es in Grossbritannien je gegeben habe.

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Auch Konkurrent Ryanair ist in den Schlagzeilen: Die Airline hatte Tausende Flüge gestrichen, rund 700'000 Passagiere sind betroffen. Grund sollen Fehler bei der Erstellung der Piloten-Dienstpläne sein.

«Eigentlich sollten derzeit keine Airlines pleitegehen»

Dass gerade jetzt zwei Billig-Airlines am Ende sind, überrascht Andreas Wittmer, Aviatik-Experte an der Universität St. Gallen. «Das wirtschaftliche Umfeld spräche für die Fluggesellschaften.» Die tiefen Kerosin- und Ölpreise würden den Luftbetrieb zusätzlich antreiben. «Eigentlich sollten derzeit keine Airlines pleitegehen», so Wittmer zu 20 Minuten.

Er glaubt nicht, dass nun immer mehr Billig-Airlines verschwinden werden – im Gegenteil. «Billig-Airlines werden einen grossen Bestandteil vom Wachstum im Luftverkehrsmarkt ausmachen», meint Wittmer. Ryanair oder Easyjet würden erfolgreich das Konzept der Billig-Airlines betreiben. «Überleben werden allerdings nur die Airlines, die gross sind und über ein breites Streckennetz verfügen», sagt Wittmer.

«Ganze Branche unter Druck»

Allerdings sieht er die ganze Branche unter Druck: «Es gibt derzeit eine Marktbereinigung unter allen europäischen Fluggesellschaften», sagt er. Der Grund sei vor allem das Überangebot auf den begehrten Kurzstrecken.

Bei diesen handelt es sich um einen typischen Tiefpreismarkt, der hart umkämpft ist. «Bei Kurzstrecken mischen alle Airlines mit», sagt Wittmer. So wollen auch die traditionellen Airlines vom boomenden Markt mit günstigen Tickets profitieren – und gleichen ihr Angebot immer mehr demjenigen der Billig-Konkurrenz an.

Nur noch die gleichen Angebote

Die Folge: «Auf dem Markt mit den Kurzstrecken gibt es bei den Angeboten keine Differenzierung mehr», sagt Wittmer. Hinzu komme, dass die Nachfrage nach Flügen mit tiefen Preisen künstlich in die Höhe getrieben werde. «Daher ist der Verdrängungswettbewerb in der gesamten Airline-Branche sehr gross.»

Für den Experten beginnen die Probleme schon bei der Bezeichnung Billig-Airline: «Dabei geht es eigentlich mehr um Marketing.» Letztlich vergeben diese Airlines nur wenige Plätze sehr günstig. Was bei allen Airlines gleich ist, ist die Flugauslastung: «Ab einer Auslastung von 80 Prozent sind die Flüge profitabel», sagt Wittmer. Mit den restlichen Plätzen könnten die Airlines machen, was sie wollten.

«Anbindungsflüge dürften der Todesstoss gewesen sein»

Oft sind die durchschnittlichen Preise bei Billig-Airlines auf Kurzstrecken höher als bei den klassischen Airlines. Der Grund: Bei einem Langstreckenflug mit Zwischenstopp in Europa bieten die klassischen Airlines den Kurzstreckenflug fast umsonst an.

Für die Pleite von Air Berlin macht er ein gescheitertes Geschäftsmodell verantwortlich. «Air Berlin etwa war keine Billig-Airline im eigentlichen Sinne.» Die Gesellschaft habe sich mit Partnern auf einer globalen Ebene vernetzt und Anbindungsflüge angeboten. «Das dürfte der Todesstoss gewesen sein», so Wittmer.

Gefährliche Mischung

So sei die Fluggesellschaft eine Mischung aus traditioneller Fluglinie und Billig-Airline gewesen. «Eine Kostenstruktur wie eine normale Airline zu haben und gleichzeitig billige Tickets anzubieten, funktioniert nicht», sagt der Experte.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Point Man am 03.10.2017 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein Senf

    Wer diesen Artikel gelesen hat sollte eins merken. 1. Unser Energiegesetz nützt rein gar nichts. Das Pariser Klimaabkommen nützt ebenfalls Nichts solange man billig fliegt wie die Weltmeister.

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  • René Brechbühl am 03.10.2017 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld.

    Die Airlines machen sich gegenseitig mit Dumpingpreisen selber fertig. Viele Destinationen in Europa sind heute billiger wie ein Zugbillette Zürich-Bern, das kann nicht aufgehen. Per Saldo tragen die Airlines selber Schuld zu diesem Desaster von Geiz ist geil !

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  • Chreazzy am 03.10.2017 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geiz ist Geil

    South African Airways hat einen Kredit bekommen vom Staat, denn auch diese Airline geht langsam zu Ende. Alles nur, weil jeder und jede das billigste möchte.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter am 04.10.2017 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Kosten

    Ich frage mich wie die Billig Airlines so überleben können. Ein A320 kostet ca. momentan 99.00 Mio. US-Dollar eine Airline muss am Tag Minimum pro Passagier 75$ bei verdienen (bei einer Kabine -Besetzung von 180 B/Y) das sie Den Flieger in 20 Jahren Bezahlt hat dazu kommen noch Wartungskosten Versicherungen Flughafen gebühren Personalkosten und weiteres.

    • paolo am 04.10.2017 12:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter. einfach

      ja mathematik im airline geschäft funktioniert nicht wie im milchbüechli

    • Andreas am 04.10.2017 12:16 Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      Wenn Deine Zahlen zu den Kosten stimmen (99 Mio $ Abschreibung in 20 Jahren für einen Flieger mit 180 Sitzen), dann sind es tatsächlich 75 $ pro Tag und Sitzplatz. Nun fliegt man auf innereuropäischen Kurzstrecken täglich zweimal hin und zurück mit dem Flieger. Also muss ein Fluggast nur ein Viertel der 75 $ beisteuern. Bisher habe ich auf Kurzstrecken pro Flug ein Vielfaches von 20-25 CHF bezahlt. Das kann also gut funktionieren.

    • Peter am 04.10.2017 13:28 Report Diesen Beitrag melden

      @Andreas

      Das sind ja nur die kosten für den Flieger. Weiter kosten sind da noch nicht dazu gerechnet wie die Personalkosten, Kerosin, Flughafen Taxen Standkosten, Steuern, Wartung wie der C check beim Flieger der alle 18 bis 18 Monate durchgeführt wird Ein solcher C-Check umfasst ca. 5000 Arbeitsstunden und Kostet ja auch und man kann in dieser Zeit kein Geld verdienen. Sparen kann man ja beim Personal und das wird gemacht. Schaut doch bei Ryanair Piloten und Kabinen Personal Fliegen für Hunger Löhne.

    • Christen am 04.10.2017 14:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      Ja nur das wir für 20 in Europa herumfliegen können.

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  • George Pfurtscheller am 04.10.2017 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Rayan Air als nächstes?

    Ist Ryan Air die nächste Billigfluggesellschaft die in die Insolvenz gehen muss? Die Vorzeichen könnten daraufhin deuten.

  • Domenico am 04.10.2017 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Neues Flugticketmodel?

    Vielleicht eine neue Flugpreis-Strategie? Vorschlag: Die Fluggesellschaft bietet bei 100% Buchung einen Preis an. Der Preis erhöht sich lineal bei nicht erreichen der 100%.... Beispiel: 100 Sitzplätze kosten 20'000. Das bedeutet ein Flugticket kosten 200. Wenn nur 80 Sitzplätze gebucht werden, so kostet das Flugticket 250. Bei 50 Sitzplätze= 400(ich weiss, wenn nur Einer bucht: 20'000.) Könnte das ein Model werden? Die Fluggesellschaft ist immer Save und der Buchungsstress wäre dann plötzlich verschwunden...

  • Al Z. am 03.10.2017 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht nicht auf !

    Billig Airlines - wenn die Preise bei den Tickets tief sind, muss die Kostenstruktur ebenfalls tief sein. Irgendwo geht es dann nicht mehr auf, wenn nicht beim Preis vermutlich bei der Qualität oder bei der Sicherheit. Es spielt nicht alleine die Wartung eine Rolle, schlecht bezahltes und irgendwann schlecht motivierte Crews, können zum Sicherheitsrisiko werden auch unbewusst!

    • G.P. am 04.10.2017 12:16 Report Diesen Beitrag melden

      Billig Airlines

      Bei der Sicherheit wird /kann auch nicht bei Billig Airlines gespart werden. Gespart wird durch kaufen derselben Flugzeugtypen damit Ersatzteile Wartung etc immer gleich ist. Ebenfalls fliegt EasyJet meistens Flughäfen ausserhalb an welche günstiger sind. Meistens werden die Flieger dann in Basel übernachten was auch wieder günstig ist.

    • Al Z. am 04.10.2017 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @G.P.

      Grundsätzlich ja, nur der Mensch ist eben auch Bestandteil der Sicherheit. Schlecht bezahlte und gestresste Piloten weisen vermutlich nicht die gleiche Motivation aus wir gut bezahlte Kollegen. Kann ein Sicherheitsrisiko dar.

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  • M.G. am 03.10.2017 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    Zuviele Airlines

    In Europa gibt es 772 Airlines, von der ganz kleinen Minigesellschaft bis zu den Grossen wie Air France oder Lufthansa. Und sie alle geschäften auf dem gleichen Markt. Nur ist die Anzahl Slots begrenzt weil man nicht so einfach ein paar neue Flughäfen bauen kann. Also buhlen alle mit ähnlichen Angeboten um die gleiche Kundschaft. Da bleiben am Ende nur die Grossen übrig weil die das nötige Kapital und die Flugzeuge haben um den Preiskampf zu überstehen.

    • mündiger Bürger am 03.10.2017 17:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @M.G.

      Ja, stimmt, dennoch gibt es immer wieder Chancen für innovative "kleine", fuss zu fassen. Ein Beispiel wäre Ryanair, die als kleine regionalfluggesellschaft anfangs der 90er kurz vor dem Abgrund stand

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