Mobilfunk

23. Februar 2018 09:45; Akt: 23.02.2018 10:26 Print

Das alles fehlt noch fürs 5G-Netz

von R. Knecht - Die Swisscom hat 5G für 2018 angekündigt. Der Konsument dürfte davon aber noch lange nichts merken.

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Der neue Mobilfunkstandard 5G etabliert sich schneller als erwartet. Die Swisscom will ihr 5G-Netz schon dieses Jahr lancieren. Können Schweizer somit schon dieses Jahr mit bis zu 10 Gigabit pro Sekunde auf dem Handy surfen? Ralf Beyeler, Telecom-Experte bei Moneyland.ch, bezweifelt das. Noch gebe es viele Hürden für den neuen Mobilfunk-Standard. 2018 würden Konsumenten in der Schweiz darum von 5G noch nicht wirklich profitieren, so Beyeler. Wo surfen Sie am schnellsten? Statista liefert die Top 10. Auf Dänemark mit einer durchschnittlichen Downloadgeschwindigkeit von 33,1 Mbit/s. Bulgarien mit einer durchschnittlichen Downloadgeschwindigkeit von 33,3 Mbit/s. Neuseeland mit einer durchschnittlichen Downloadgeschwindigkeit von 33,5 Mbit/s. Australien mit einer durchschnittlichen Downloadgeschwindigkeit von 36,1 Mbit/s. Belgien, ebenfalls mit einer durchschnittlichen Downloadgeschwindigkeit von 36,1 Mbit/s. Ungarn, ebenfalls mit einer durchschnittlichen Downloadgeschwindigkeit von 39,2 Mbit/s. Südkorea mit einer durchschnittlichen Downloadgeschwindigkeit von 40,4 Mbit/s. Norwegen mit einer durchschnittlichen Downloadgeschwindigkeit von 41,2 Mbit/s. Die Niederlande mit einer durchschnittlichen Downloadgeschwindigkeit von 42,1 Mbit/s. Singapur mit einer durchschnittlichen Downloadgeschwindigkeit von 44,3 Mbit/s. Die Schweiz liegt auf Platz 17 mit einer durchschnittlichen Downloadgeschwindigkeit von 30,4 Mbit/s. Zu Demonstrationszwecken wurde bei der Swisscom ein kleines 5G-Netz eingerichtet. Mit dem sogenannten Network-Slicing im 5G-Netz erhalten die Polizei und Rettungsdienste einen festen Teil der Netzwerkressourcen, ohne dass hierfür tatsächlich ein zusätzliches Netz aufgebaut werden muss. Zudem wird auch das bestehende Netz weiter optimiert und ausgebaut. In elf Schweizer Städten werde die Geschwindigkeit punktuell auf bis zu 800 Megabit erhöht, was etwa doppelt so schnell ist wie die aktuelle Spitzengeschwindigkeit.

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Die Swisscom will noch dieses Jahr ihr 5G-Mobilfunknetz lancieren. Können Schweizer somit schon dieses Jahr mit bis zu 10 Gigabit pro Sekunde auf dem Handy surfen? Ralf Beyeler, Telecom-Experte bei Moneyland.ch, bezweifelt das.

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Braucht es ein 5G-Netz in der Schweiz?

In der Realität werde die Swisscom 2018 wahrscheinlich «eine Handvoll Antennen» aufstellen, die 5G ausstrahlen werden, so der Telecom-Experte. Es gebe nämlich noch viel zu tun, bevor der Endkonsument von 5G wirklich was hat. Eine Übersicht der Hürden.

• 5G-Handys
5G-kompatible Endgeräte gibt es laut Beyeler bisher noch nicht. «Es dürfte noch eine Weile dauern, bis erste 5G-Smartphones auf den Markt kommen», sagt der Experte. Er rechnet nicht damit, dass das schon 2018 geschehen wird.

• Frequenzvergabe
Für 5G sind zusätzliche Funkfrequenzen notwendig. Um diese zu nutzen, brauchen die Netzbetreiber die Erlaubnis des Bundes. Die Frequenzen werden versteigert, doch wann genau dies geschieht, ist noch unklar. Swisscoms Netzchef Heinz Herren erwartet, dass dies in der zweiten Jahreshälfte 2018 geschehen wird.

• Bürokratie
Für neue Antennen braucht man oft auch neue Baubewilligungen. Laut Beyeler stehen den Netzbetreibern darum grosse bürokratische Hürden im Weg: «Im Ausland dauert es vom Bewilligungsprozess bis die Antenne steht zum Teil zwei Monate, in der Schweiz ist es schnell mal ein ganzes Jahr.»

• Anpassung des Strahlenschutzgesetzes
Die Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV) muss für 5G angepasst werden, da sonst die aktuell zulässigen Grenzwerte für Strahlungsbelastung überschritten werden. Zwar will sich der Bund Anfang März mit dem Anliegen befassen, doch der Prozess könnte sich hinziehen: «Es ist sehr unrealistisch, dass das NISV noch dieses Jahr mit neuen Grenzwerten in Kraft tritt», so Beyeler. Schliesslich würden die Netzbetreiber schon seit Jahren eine Änderung anstreben.

• Angebot
Wie werden die Netzbetreiber die hohen Investitionen in die 5G-Infrastruktur decken? Manche Kunden befürchten einen weiteren Preisanstieg bei den Abos. Beyeler vermutet, dass die Swisscom mit zusätzlichen Diensten mehr Geld verdienen will. Kunden, die etwa eine besonders verzögerungsfreie Verbindung wollen, müssten dafür mehr bezahlen. «Die Swisscom wird neue Bezahlmodelle anbieten», so Beyeler.

• Strasseninfrastruktur
Nicht nur Menschen sollen 5G in Zukunft nutzen, sondern auch selbstfahrende Autos sind auf die Technologie angewiesen. Dies vor allem wegen der von 5G gebotenen hohen Datenraten und der niedrigen Verzögerungszeit, die für das sichere autonome Fahren eine Voraussetzung sind. Dafür müssen die Schweizer Strassen aber erstmal mit entsprechenden Sensoren vernetzt werden. Laut Beyeler wird das autonome Fahren darum in den nächsten 10 bis 15 Jahren kein Thema sein. «Und bis dann sind wir bei 6G, 7G, oder was auch immer», sagt Beyeler.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • :) am 23.02.2018 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für was

    Gibt es eigentlich "Grenzwerte", wenn man sie dann sowieso so anpasst, wie man sie gerade braucht?

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  • gj am 23.02.2018 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bei 5G geht es praktisch gar nicht um Smartphones

    Das 5G-Netz wird vorallem wegem Internet of Things etabliert und damit Maschinen unterenander kommunizieren könnnen. Schwerpunkt wird dabei auf den Strassenverkehr gelegt, damit Fahrzeuge untereinander kommunizieren können. Die Smartphone Verbindung ist völlig zweitrangig

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  • Brummbär am 23.02.2018 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    Swiss seventeen

    Niederlande Platz 2 mit 42.1 Mbit/s und Schweiz Platz 17 mit 42.1 Mbit/s - Hahaha Trinkt mal nen Kaffee, :-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • EricRalph am 08.03.2018 00:58 Report Diesen Beitrag melden

    Ersteinmal das 4.5G-Netz optimieren!

    Zur Erinnerung: Viele der heute in Umlauf befindlichen Smartphones besitzen 4.5G LTE Cat. 4 oder 6. Die Neuerscheinungen weisen inzwischen häufig LTE Cat. 12 auf. Dies entspricht etwa 600 Mbit/s down und 100 up. Das Ganze lässt sich im 4.5G Bereich noch bis auf LTE Cat. 16 steigern. Und nun zur Versorgung im aktuellen Antennennetz: Im Durchschnitt magere 40 Mbit/s. Mein Standardabo für DSL leistet ebenfalls nur etwa 40 Mbit/s, via WLAN kommen dann nur noch ca. 20 - 25 Mbit/s an. Warum werden nicht zuerst das 4.5 G - Netz optimiert und die Tempi bei den DSL - Anschlüssen erhöht?

  • greg am 06.03.2018 09:22 Report Diesen Beitrag melden

    Entspannt euch

    Das Bundeshaus hat unsere Zukunft schon verhindert!

  • Po. Litiker am 25.02.2018 18:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kollateralschaden

    Die Grenzwerte können problemlos um das 50-fache erhöht werden. Die paar überempfindlichen Esotheriker dürfen den Fortschritt nicht aufhalten.

  • Céline Strahm am 25.02.2018 17:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grenzwerte?

    Schön werden diese nach oben angepasst... alle surfen in Hochgeschwindigkeit, dafür geht die Gesundheit zu Grunde. Mit Vollgas in den Untergang, dumme Menschheit.

  • Igel am 25.02.2018 15:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist so

    Das 5G-Netz wird in erster Linie für Autonome Fahrzeuge der Zukunft verwendet. Und erst in zweiter Linie für Smartphones oder Natels. Das ist der Primäre Grund. Man sollte das halt schon zuerst mal Recherchieren.