Bereicherung

14. Dezember 2017 15:16; Akt: 15.12.2017 11:34 Print

Darum sind Beamte so anfällig für Korruption

von D. Benz - Die jüngste SBB-Bestechungsaffäre zeigt: Auch im staatsnahen Betrieb gibt es Mauscheleien. Experten sagen warum.

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Ein Angestellter der staatsnahen SBB hat sich jahrelang Aufträge zugeschanzt. Unter dem Strich kassierte er Leistungen von über zwei Millionen Franken, wie der «Tages-Anzeiger» berichtete. «Das Beschaffungswesen ist besonders anfällig für Korruption», sagt Martin Hilti, Geschäftsführer von Transparency International Schweiz, zu 20 Minuten. Denn hier gehe es oftmals um viel Geld.

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Tatsächlich ziehen sich Korruptionsskandale wie ein roter Faden durch den Staatsapparat: 2012 sorgten etwa die Klüngeleien rund um die Vergabe von Aufträgen beim IT-Projekt Insieme der Steuerverwaltung für Schlagzeilen. Das Desaster kostete den Bund 100 Millionen Franken. Anfang 2014 flog die IT-Affäre im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) auf. Kurze Zeit später wurde bekannt, dass die Zentrale Ausgleichskasse in Genf systematisch Informatikaufträge widerrechtlich vergeben hatte.

Missbrauch der Macht

Dass so viele Beamte in den Korruptionssumpf geraten, hat laut Martin Hilti mit der Macht von einzelnen Staatsangestellten zu tun: «Korruption ist per Definition der Missbrauch einer anvertrauten Machtstellung zugunsten eines privaten Nutzens.» Gerade Beamte hätten zuweilen viel Macht. Allerdings hätten diese auch viele Manager in der Privatwirtschaft. «Korruption kommt überall vor und ist nicht ein spezifisches Problem des Staats», so Hilti.

Im Gegensatz zum privaten Bereich hat aber Korruption beim Staat eine weitere Dimension: «Das Vertrauen in den Staat leidet», sagt Hilti. Und dieses sei elementar für das Funktionieren von staatlichen Institutionen und letztlich der Demokratie. Fehlendes Vertrauen gefährde entsprechend das Gemeinwesen.

«Die Suche nach dem Kick»

Mit der Schwere der Korruptionsfälle wächst denn auch der Unmut der Steuerzahler. Kein Wunder: Laut dem «Forensic Fraud Barometer» des Wirtschaftsprüfers KPMG verursachten die aufgedeckten Mauscheleien von einzelnen Beamten im letzten Jahr einen Schaden von 159 Millionen Franken. Insgesamt belief sich der Schaden durch Wirtschaftskriminalität in der Schweiz auf 1,4 Milliarden Franken. Die am stärksten betroffene Gruppe sind private und institutionelle Investoren. Der Staat fuhr die zweithöchste Schadenssumme ein.

Obwohl Beamte im Schnitt einen Jahreslohn von rund 120'000 Franken erhalten und eine gesicherte Anstellung haben, lassen sich viele zur Bestechung verführen. «Nicht selten kann gerade ein guter Lohn und eine sichere Stelle zur Suche nach einem Kick verleiten», sagt Alexander Schuchter, Experte für Wirtschaftskriminalität an der Universität St. Gallen. Ein langweiliger Job könne daher das Verlangen nach mehr Risiko beflügeln. Das ist aber auch bei Jobs in privaten Firmen so. Grundsätzlich gelte aber: «Gelegenheit macht Diebe.»

Übermässige Kontrolle hilft nicht unbedingt

Um Korruption einzudämmen, sieht Schuchter die Lösung in der Aufklärung und Sensibilisierung für Risiken. Angestellte und Beamte sollten in der Lage sein, die Warnzeichen von Korruption möglichst schnell zu erkennen. Von einer Forderung nach noch mehr Kontrollinstanzen hält Schuchter nicht viel. «Zu viel Kontrolle kann das Gegenteil bewirken.» Das könne das Vertrauen in die Mitarbeiter untergraben und führe dazu, dass sie immer weniger mitdenken würden. Das dürfte nicht für weniger Korruptionsskandale sorgen, so Schuchter.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tito am 14.12.2017 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    Korruption

    Es gibt überall Korruption! Nur der Ausmass ist unterschiedlich! Könnte man Lobbyismus nicht ebenfalls als "Korruption" bezeichnen?

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  • Catboot am 14.12.2017 15:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Beamten in der Schweiz

    Es würde mich interessieren, wo es in der Schweiz Beamte gibt. Sind alles Angestellte. Das Beamtentum wurde schon vor Jahren abgeschafft ...

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  • Tabea Schneider am 14.12.2017 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    Mauscheleien

    Die SBB beschäftigt auch unmengen an Free Lancer. Teilweise haben sie eine eigene Firma und sind aber noch bei der SBB angestellt. Absurd! Die denken alle zuerst mal für die eigene Tasche und von Corporate Identity keine Rede.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Franz K. am 16.12.2017 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lobbyismus = Geld

    Warum hat Berset kein Interesse, die KK-Prämien zu senken? Ja, warum wohl?

  • giorgio1954 am 16.12.2017 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reisebüro

    Ich weiss sogar von Fällen, wo Beamte "nebenher" noch ein Reise- oder Beratungsbüro betriebenen und das Bundessalär lediglich ein netter Zustupf ist.

  • Alex am 16.12.2017 12:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Härtere Strafen?

    Wie wär es wenn man richtig harte Straffen für solche Staatsbetrüger verhängen würde? Ich bin mir sicher, das würde viele davon abhalten. Ich spreche hier klar von harten Gefängnisstrafen und das ohne Ausgang und so anderen Schwachsinn!

  • ....... am 16.12.2017 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schlimmer als ihr denkt

    Ich arbeite in so einem "Königreich". Es bräuchte unbedingt stärkere Kontrollen des Kaders. Bei uns arbeiten Chefs nicht! Sie tun nur so, sind aber chronisch tiefenentspannt. Oft glänzen sie mit Abwesenheit und niemand weiss wo sie sind.... Wir Mitarbeiter werden nicht nach Leistung bewertet und gefördert. Nur die Schaumschläger mit der Fahne im Wind kommen weiter, also die faulsten. Die fleissigen kommen unter die Räder und werden wie eine Zitrone ausgepresst. Geld wird für nicht durchdachte, stümperhafte Projekte aus dem Fenster geworfen. Lohnerhöhung für uns gibt es seit 10 Jahren keine! Für das Kader aber schon!Das Ganze ist hanebüchen!

  • Urs der Nörgeli am 16.12.2017 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Charakterlumpen

    Ich bin kein Experte, aber ich kann hellsehen. Was ich da sehe ist, eine Welt von geldgierigen Charakterlumpen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen als, sehr sehr traurig.