Nach der Finanzkrise

19. November 2012 05:58; Akt: 19.11.2012 09:01 Print

Das Comeback der Schattenbanken

Sie sind keine Banken und kontrollieren doch rund ein Viertel des weltweiten Vermögens - die Schattenbanken. Mit 67 Billionen Dollar sind diese so mächtig wie nie zuvor.

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Der Wahnsinn beginnt bereits Anfang Jahr, als England die angeschlagene Northern Rock Bank im Februar verstaatlicht. Bereits einen Monat später kauft JPMorgan Chase mit Hilfe eines Darlehens der amerikanischen Zentralbank die Investmentbank Bear Stearns. Die amerikanische Investmentbank Lone Star schnappte sich im August die deutsche Industriebank IKB zum Schleuderpreis. Lehman Brothers, einstige Top-Investmentbank, geht im September Konkurs. Die US-Hypothekar-Riesen Fannie Mae und ... Freddie Mac werden wegen drohender Insolvenz verstaatlicht. Den grössten amerikanischen Versicherer AIG nahm der US-Staat ebenfalls unter seinen Deckmantel. JPMorgan Chase kauft den ehemals grössten US-Vermögensverwalter Washington Mutual. Bank of America übernimmt Merrill Lynch, eine der bedeutendsten Investmentbanken weltweit. Die Citigroup übernimmt die Bank Wachovia, nach dem die Fusion von Wachovia mit Morgan Stanley gescheitert ist. Nach Northern Rock wird die Hypothekenbank Bradford & Bingley als zweite britische Bank verstaatlicht. Lloyds TSB übernimmt die britische Bank HBOS. Wenn die Aktionäre von HBOS dem geplanten Aktientausch zustimmen, kann die Übernahme Mitte Januar 2009 wirksam werden. Die niederländische Fortis-Finanzgruppe wird im Oktober fast vollständig verstaatlicht. Das gesamte Isländische Finanzsystem kommt ins Wanken: Nacheinander werden die Banken Landsbanki ... Glitnir und ... Kaupthing verstaatlicht. Dem isländischen Staat selber droht der Bankrott. Zu Hilfe kommen Schweden und Russland. Mit der EU wird verhandelt. Der Premierminister des Vereinigten Königreiches, Gordon Brown, beschliesst acht britische Banken teilweise zu verstaatlichen. Zu den Banken gehören: Abbey, ... Barclays, HBOS, ... die Investmentbank HSBC, ... Lloyds TSB, ... die Royal Bank of Scotland ... und das Finanzunternehmen Standard Chartered. Wegen dem Zusammenbruch des isländischen Finanzsystems und der daraus folgenden Zahlungsunfähigkeit der isländischen FL Group muss der dänische Billig-Flieger Sterling Airways Konkurs anmelden. Die massiv angeschlagene Bank BPN (Banco Portugues de Negocios) wird im November vom portugiesischen Staat übernommen. Die achtgrösste österreichische Bank, die Kommunalkredit, wird verstaatlicht. In Venezuela sollen Goldminen verstaatlicht werden. Der venezolanische Staatspräsident Hugo Chavez will so die Devisenreserven erhöhen. Einer der grössten Zeitungsverlage in den USA, die Tribune, hat Konkurs angemeldet. Der Verlag produziert namhafte Blätter wie die «Los Angeles Times» oder die «Chicago Tribune».

Diese Banken überlebten die Krise nicht.

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Die Schattenbanken sind nach Erkenntnissen der Banken-Regulierer grösser als vor der Finanzkrise. Der Finanzstabilitätsrat (FSB) der G20-Staaten bezifferte das Volumen der Nicht-Banken, die den weltweiten Geldkreislauf mit Kredit und Liquidität anheizen, zum Ende des vergangenen Jahres auf 67 Billionen Dollar.

Zum Start der Krise 2007, für welche die Schattenbanken mit verantwortlich gemacht wurden, waren es erst 62 Billionen Dollar, vor 10 Jahren 26 Billionen. Damit sorgen die zum grossen Teil unregulierten Institutionen für fast ein Viertel der Vermögenswerte im gesamten Finanzsystem.

Die Banken selbst stellen knapp die Hälfte, der Rest kommt von Versicherern und Pensionsfonds, Staatsbanken und Zentralbanken. Dabei sei die Dunkelziffer bei den Schattenbanken noch gross, räumte der FSB ein.

So seien viele Hedge-Fonds in Steuer- und Finanzparadiesen zuhause, wo den Aufsehern genaue Daten fehlen. Das Gremium, das bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel angesiedelt ist, will im Zuge der weltweiten Regulierungsbemühungen auch die Kontrolle über die Schattenbanken verstärken.

Unter dem Radar der Aufseher

Am Sonntag stellte der FSB dazu ein Massnahmenpaket zur Diskussion, das bis September 2013 von den G20-Staaten umgesetzt werden soll. Bisher waren viele der Schattenbanken - und die damit verbundenen Risiken - unter dem Radarschirm der Aufseher geblieben.

Schattenbanken seien an sich nichts Schlechtes, betonten die Aufseher. Doch könnten sie eine Finanzkrise beschleunigen oder sogar selbst auslösen, wenn sie für eine steigende Verschuldung der Banken sorgen, vor allem aber wenn sie langfristige Kredite zu kurzfristig refinanzieren. In einer Krise ziehen sie sich oft schnell zurück und hinterlassen ein Chaos im Finanzsektor.

Ein Dorn im Auge sind den Aufsehern vor allem Geldmarktfonds, die in der Euro-Schuldenkrise für Verwerfungen gesorgt hatten, weil sie den europäischen Banken Dollar-Liquidität entzogen hatten. Sie seien am verwundbarsten, weil ihre eigenen Geldgeber in schlechten Zeiten häufig blitzschnell die Liquidität abzögen.

Aber auch die Wertpapierleihe, die Wiederverbriefung von Verbindlichkeiten oder Repo-Geschäfte sollen besser überwacht werden. Die Pleite von Lehman Brothers und die Beinahe-Pleite des US- Versicherungsriesen AIG in der Finanzkrise hatten vor allem deswegen einen Flächenbrand ausgelöst, weil beide in der Wertpapierleihe stark vertreten waren.

USA mit grösstem Schattenbanken-Sektor

Den grössten Schattenbanken-Sektor haben nach den FSB-Daten die USA: er ist dort allein 23 Billionen Dollar gross und macht 35 Prozent des gesamten Finanzsektors aus. Die gesamte Euro-Zone kommt auf 22 Billionen Dollar.

Allerdings ist der Anteil der USA von 2005 bis 2011 von 44 Prozent auf 35 gesunken - vor allem zugunsten von Grossbritannien. In internationalen Finanzzentren wie Hongkong, Grossbritannien, Singapur und der Schweiz erreicht das Volumen der Schattenbanken ein Vielfaches des Bruttoinlandprodukts (BIP).

(sda)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sigi am 19.11.2012 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    Absurder Verschwörungstheorien

    Schattenbanken? Hört doch auf mit diesem Verschwörungsblödsinn.

    • Peter Häfiger am 21.11.2012 11:49 Report Diesen Beitrag melden

      Verleugnung

      Wieso verleugnen Sie dies?

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  • G.S. am 19.11.2012 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Früher-heute

    Früher hiess es: Aus dem Führerhauptquartier gibt das Oberkommande der Wehrmacht bekannt. Heute heisst es: Von den Schattenbanken geben die Banken ihre Massnahmen bekannt.

    • Supermario am 19.11.2012 12:52 Report Diesen Beitrag melden

      Blödsinn

      Weisst du denn überhaupt, was ne Schattenbank ist? Hätten die Banken bei den "Schattenbanken" was zu sagen gäbs auch keine Schätzungen mehr bezüglich deren Einfluss!

    • Supermario am 20.11.2012 17:48 Report Diesen Beitrag melden

      Träum schön weiter

      Blödsinn; hast du wirklich das Gefühl, dass die Geschäftsbanken nicht gern auch diese Geschäfte "übernehmen" würden? Träum weiter!

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  • Tobias Meier am 19.11.2012 10:36 Report Diesen Beitrag melden

    Schattenbanken - Regulierung hinkt

    Neben den Hedgefonds gibt es noch zahlreiche andere Formen. Von PayPal über Google Wallet und und und... hier liegen zwar Banklizenzen vor, aber in irgend einem Land - Caymen, Irland oder Luxembourg - und die Schweizer Behörden sind aussen vor. Hier droht insbesondere für Endkonsumenten Gefahr. Nicht zu letzt auch eine Wettbewerbsverzehrung für den Schweizer Finanzplatz.

    • Supermario am 19.11.2012 12:50 Report Diesen Beitrag melden

      ... und Ratenkäufe ebenfalls

      Der erste Kommentar, welcher in die richtige Richtung zielt. Übrigens ist jeder Ratenkauf ebenfalls schattenwirksam; das wird wohl von den meisten lieben Kommentatoren ebenso ausgeblendet wie Pay Pal :-)

    • Kritiker am 19.11.2012 22:14 Report Diesen Beitrag melden

      Im Monopolkapitalismus

      wird der Wettbewerb tatsächlich verzehrt.

    • Supermario am 20.11.2012 17:47 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig erkannt

      Und auch jede Ratenzahlung pumpt zusätzlich Geld ins Schattensystem! Ansonsten ist dem Kommentar nur wenig hinzuzufügen.

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  • tinu am 19.11.2012 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    Plus

    Neben Schattenbanken sollte der Interbanken Markt ebenfalls reguliert werden und zwar soweit, bis dieser nicht mehr rentiert. Hinzu kommen die ganzen Währungsmanipulationen der Zentralbanken. Zurzeit scheint die Notenbank in Brasilien energisch einzugreifen. Solches und ähnliches gehört verboten. Es verzerrt Devisenkurse, Zinsen, Immobilien- und Goldpreise und noch viel schlimmer, auch Nahrungsmittelpreise. Das ganze ist doch einmal mehr, ein Umverteilungsprozess von unten nach oben. Wohlverstanden, nicht in jedem Land gleich ausgeprägt. Risiko und Inflation lassen sich ebenfalls exportieren..

    • Srdjan Matejic am 19.11.2012 12:35 Report Diesen Beitrag melden

      Verstehen ise es überhaupt?

      Würden Sie es der Nationalbank auch verbieten? Und dann jammern, wenn 1CHF gleich 1 ist?

    • Robert Gerber am 19.11.2012 13:00 Report Diesen Beitrag melden

      Verzerren?

      Ein Marktpreis ist immer ein Mittelkurs zwischen Angebot und Nachfrage. Daher kann der Einfluss nur kurzfristig und oder zu Lasten von etwas anderem gehen. Insofern ist ein Eingreiffen einer Nationalbank nur bedingt gefährlich. Gefährlich sind nicht Marktteilnehmer welche nicht den selben Spielregeln unterliegen. Siehe Beitrag von Tobias Meier. Finanzzentren wie dort genannt untergraben das System viel eher.

    • Supermario am 20.11.2012 17:45 Report Diesen Beitrag melden

      Blödsinn

      Blödsinn, kannst den Geldfluss gern behindern und zugucken wie dann gar nix mehr funktioniert. 2008 ist die Finanzwelt haarscharf an einer solchen Katastrophe vorbeigeschrammt. Ich wünsch mir jedenfalls keine Wiederholung!

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  • Zinsbanklenluder am 19.11.2012 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    Der Staat ist für das Wohlergehen

    der Spitzenbankmanager da. Und nicht für das Wohl der Staatsangehörigen, wie sich das sehr bis normal Arme immer vorstellen. Genau für die Reichen und Geldverleiher hat Willhelm Tell ja anno dazumals auch sein Leben riskiert, gell;)