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Der Ruf als Wert
02. September 2010 09:34; Akt: 02.09.2010 10:19 Print
Das Orakel selbst ist das grösste Problem
von Werner Grundlehner - Auch Investorenlegenden leben nicht ewig. Was geschieht mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway, wenn Warren Buffett nicht mehr ist?
Warren Buffett ist am 30. August 80 Jahre alt geworden. Eigentlich ein Zeitpunkt, sich endlich mit dem Ruhestand zu befassen – aber nicht für Buffett. «Ich werde arbeiten, bis ich 100 Jahre alt bin», gab Buffett einem Reporter scherzhaft zu Protokoll. Rein statistisch hat er als Amerikaner aber «nur» noch 7,7 Jahre zu leben. Vor Buffets Abgang zittern Investoren und Börse – auch in der Schweiz. Denn dabei würde sich wahrscheinlich auch ein erheblicher Teil des Börsenwerts von Berkshire Hathaway in Luft auflösen. Buffetts Gesellschaft ist eine Beteiligungsgesellschaft, die Versicherungen (Geico), Kleiderhersteller (Fruit of the Loom), Eisenbahngesellschaften (Burlington Northern Santa Fe), Teppichhersteller, Juweliergeschäfte und vieles anderes umfasst.
Analysten weisen darauf hin, dass eine «Buffett-Prämie» in den Kurs der Berkshire-Aktien eingebaut ist. Diese dürfte verschwinden, sollte Buffett aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten müssen oder gar sterben. Ein Schweizer Stratege meint gegenüber 20 Minuten Online, Buffett verkörpere das typische «Schlüsselpersonenrisiko». Denn: Ein grosser Teil des Unternehmenswertes macht das Investmentportfolio aus, das rund 100 Milliarden Dollar umfasst. Und dieses lebt vom Ruf der Investorenlegende. Buffett huldigt dem Ansatz, Aktien zu kaufen und zu halten, zu halten und zu halten. Diese langfristige Strategie zahlt sich aus: Wer Mitte der Sechzigerjahre eine Berkshire-Aktie für 19,50 Dollar erworben hat, besitzt heute ein Papier mit einem Wert von
Nachfolger kann Lücke nicht füllen
Dieses Problems ist sich Buffett bewusst, er versuchte es tatkräftig zu verniedlichen. «Der Nachfolger ist bestimmt, sein Name wird aber noch nicht publiziert», wiederholt er gebetsmühlenartig. Die Regelmässigkeit, mit der neue Kronprinzen auftauchen, zeigt indessen: Auch Buffett weiss, dass es keinen gleichwertigen Ersatz geben kann. Als aussichtsreichster Nachfolgekandidat wurde bisher David Sokol, der Leiter der Berkshire-Tochter Midamerican Energy, gehandelt.
Nun kommt ein weiterer Name ins Spiel um die Buffett-Nachfolge. Er heisst Li Lu und ist ein 44-jähriger ehemaliger Dissident und Hedgefonds-Manager, der aus China stammt. Der chinesisch-amerikanische Doppelbürger ist bereits geschäftlich mit der Investmentgesellschaft von Buffett verbunden. Lu führte sie beim chinesischen Automobil-Grosskonzern BYD (Build your dreams) ein. Auch der Name von Howard Buffett, dem ältesten Sohn (55 Jahre) von Warren, taucht auf der Liste der potenziellen Nachfolger auf.
Kontrolleur Bill Gates
In jüngster Zeit unterliefen dem «Orakel von Omaha» Fehler, die böse Zungen auch als Altersdemenz auslegen könnten. In der Finanzkrise bezeichnete Buffett Derivate als «finanzielle Massenvernichtungswaffen». Trotzdem investierte er im laufenden Jahr in Derivate. Prompt verlor er damit 1,4 Milliarden Dollar. In einem Interview mit dem «Wall Street Journal» meinte Buffet: «Ich habe dem designierten Berkshire Verwaltungsratsmitglied Bill Gates (Gründer von Microsoft, Anm. d. Red) aufgetragen, meine Leistung zu überwachen. Er wird mich wissen lassen, wann es Zeit für mich ist, den Schreibtisch zu räumen.»
Ansonsten hat das Glück Buffett nicht verlassen. Als die Investoren während der Finanzkrise gebannt dem Verfall der Aktienkurse zuschauten, half Buffett angeschlagenen Unternehmen, indem er ihnen mit liquiden Mitteln aushalf. Er investierte 15,5 Milliarden Dollar in Swiss Re, Goldman Sachs und General Electric. Das hat sich bisher als Schnäppchen erwiesen.
Der drittreichste Mann ist bescheiden
Buffett besitzt zwar ein Drittel aller Berkshire-Hathaway-Aktien. Seine Erben dürfen sich jedoch keine Hoffnungen machen. Der drittreichste Mann der Erde hat alle Aktien an philanthropische Projekte vermacht. Den grössten Teil an die Stiftung von Melissa Gates, der Frau von Bill Gates. Ansonsten sollte Buffett für die «Abzocker», die heute vielerorts die Chefetagen bevölkern, ein Vorbild sein. Er zahlt sich seit langem einen Lohn von
























