Einschätzung

13. Dezember 2012 20:03; Akt: 13.12.2012 20:03 Print

Das Steuersünder-Problem löst sich selbst

von Lukas Hässig - Der Steuerdeal mit Deutschland hat kolossal Schiffbruch erlitten. Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf kann die Zukunft dennoch sehr gelassen angehen.

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EWS, wie die Bündnerin von Freund und Feind genannt wird, wird zur Chiffre für «Ewigi Sorg».

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Finanzministern Eveline Widmer-Schlumpf ist von Natur aus zäh. Nun braucht sie besonders viel Widerstandskraft. Denn 2012 lief wenig rund für die Bundesrätin ohne grosse Partei im Rücken. Soeben ist der Deutschland-Deal mit der Abgeltung für die Steuersünden der Vergangenheit gescheitert. Auch an der zweiten Front, dem US-Steuerkrieg, ist kein Frieden ist Sicht.

EWS, wie die Bündnerin von Freund und Feind genannt wird, wird zur Chiffre für «Ewigi Sorg». Die Spitzenpolitikerin wirkt angeschlagen, müde. Zur Zeit ist EWS sicher das Sorgenkind der Regierung. Mag sein, dass der Eindruck täuscht und hinter der scheinbaren Mühsal ein ungebrochener Wille steckt, der Rückschläge wegsteckt und den Weg unbeirrt fortsetzt. Angesichts der geballten Ladung an Niederschlägen wäre aber erstaunlich, wenn EWS unbeeindruckt bliebe.

Steuersünder lösen das Problem selbst

Dabei könnte sich die Frau, die Zeit ihres Lebens für den Putsch gegen Volkstribun Christoph Blocher von 2007 bezahlen muss, gelassen auf die kommenden Festtage freuen. Dass mit Deutschland der Status quo gilt und die Lösung des Schwarzgeldes in weite Ferne gerückt ist, muss nämlich keine Katastrophe sein. Im Gegenteil: Das Scheitern bietet EWS die einzigartige Chance, sich zurückzulehnen und den Dingen freien Lauf zu lassen.

Denn was sich nun abzeichnet, ist gut für die Schweiz und ihren gebeutelten Finanzplatz: Die deutschen Reichen mit Milliarden von unversteuerten Vermögen auf Schweizer Banken werden das Problem selbst lösen. Ohne Abgeltungs-Ablass stehen dafür grundsätzlich zwei Wege offen: Selbstanzeige oder Flucht in eine neue Oase.

Fernost nur für Risikofreudige eine Option

Der Weg in die Selbstanzeige dürfte zum Standard werden. «Wir empfehlen allen deutschen Kunden, sich beim Fiskus offenzulegen und von den attraktiven Strafsätzen zu profitieren», sagt ein Zürcher Vermögensverwalter. Erstens komme das die Betroffenen günstiger, als was sie unter dem Deutschland-Abkommen erwartet hätte. Zweitens sei damit die Vergangenheit erledigt.

Der Weg in Richtung Fernost oder Karibik ist nur für Risikofreudige eine Option. Zwar ist die Gefahr gesunken, dass die Banken die «Abschleicher» verpfeifen – ohne Abkommen gibt es keinen Grund mehr dafür. Doch früher oder später dürften die Flüchtigen auch am neuen Ort in der Sackgasse landen. Dann nämlich, wenn Deutschland ihre Jagd auf die Steuersünder ausweitet. Wer davonschleicht, dürfte sich somit höchstens etwas Zeit kaufen, aber keine endgültige Lösung.

Verlierer: Offshore-Banker

Wenn alles so leicht ist: Warum dann die Aufregung um das Nein aus Deutschland? Die Antwort ist kurz: Sie heisst CD. Die Schweizer Banken befürchten, dass die Jagd auf Steuersünder mittels gestohlenen Bankdaten weitergeht. Jedesmal aber, wenn eine Bank wegen einer gestohlenen Daten-CD in die Schlagzeilen gerät, sinkt die Reputation und steigt die Gefahr, doch noch in ein Strafverfahren verwickelt zu werden. Ein solches könnte im schlimmsten Fall in einem Lizenzverlust münden, was faktisch das Ende im deutschen Markt bedeuten würde.

Vor allem für die Banker ist die Aussicht auf mehr Raubgut unangenehm. Sie müssen sich weiterhin vor Befragungen oder gar Verhaftungen in Deutschland fürchten. Endlich wieder unbeschränkt reisen und leben, wenigstens in Europa – dieses Ziel bleibt mit dem Nein aus Berlin in weiter Ferne. Wenn also das Scheitern der Abgeltung mit Deutschland jemandem Sorgen bereiten sollte, dann den Offshore-Bankern und ihren Managern in der Zentrale. Sie bezahlen den Preis dafür, dass sich Deutschland gegen einen Deal entschieden hat – den Preis für das frühere Treiben ohne Grenzen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roman am 14.12.2012 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Und nun?!

    Für mich ändert sich nichts.

  • sebi am 14.12.2012 08:00 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    ja genau zurücklehnen und nichtstun, darin sind die besonders schlechten ja am besten

  • Radaumann am 14.12.2012 14:24 Report Diesen Beitrag melden

    Dem CD Klau entgegen wirken.

    Die Banken würden gut daran tun, ihre Rechencentren wieder in ihr Haus zurückzuführen, als alles auszulagern. Zu hause haben sie bessere Übersicht und kennen ihre Leute.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Susi am 16.12.2012 00:20 Report Diesen Beitrag melden

    von attraktiven Strafsätzen profitieren

    "... und von den attraktiven Strafsätzen zu profitieren" Ist das nicht unglaublich, wie man alle Situationen schönreden kann? Tja sorry, das heisst wohl soviel wie, es gibt kein Bankgeheimnis mehr.

  • Urs Keller am 15.12.2012 07:37 Report Diesen Beitrag melden

    Holande wil aIA

    Nun wenn das so wäre, warum denn der Eiertanz von BR EWS ? Warten wir mal ab , in einigen Monaten werden wir über den aIA reden, da führt kein Weg vorbei, das hat Frankreich und Italien klar gemacht.

  • Echo vom Pflanzblätz am 15.12.2012 05:27 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn sich doch

    das "Problem EWS" auch von selbst lösen würde! EWS nehmen sie endlich den "Hinterausgang", treten sie zurück!

  • Radaumann am 14.12.2012 14:24 Report Diesen Beitrag melden

    Dem CD Klau entgegen wirken.

    Die Banken würden gut daran tun, ihre Rechencentren wieder in ihr Haus zurückzuführen, als alles auszulagern. Zu hause haben sie bessere Übersicht und kennen ihre Leute.

  • Dani am 14.12.2012 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    hoffe stark

    dass Deutschland mal auf unseren Baustellen die Steuersünder besuchen kommt. Mit etwas Fantasie wären auch hier ein Geschäftsmodell mit Daten CDs möglich.