Deutsches Kartellamt

23. November 2012 15:57; Akt: 23.11.2012 15:57 Print

Das Tampon-Monopol ist abgewendet

Um Tampons herzustellen, werden Viskosefasern verwendet. Um ein Haar hätten die beiden einzigen Hersteller dieser Fasern fusioniert und den Wettbewerb weltweit zum Erliegen gebracht.

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Die Firma Lenzing wollte 90 Prozent von seinem einzigen Konkurrenten Kelheim Hygiene Fibres kaufen - es wäre ein Monopol entstanden. (Bild: Colourbox)

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Das deutsche Bundeskartellamt hat ein Monopol bei Viskosefasern zur Herstellung von Tampons verhindert: Es verbot den beiden weltweit einzigen Herstellern dieser Fasern, Lenzing aus Österreich und Kelheim Hygiene Fibres aus Kelheim in Niederbayern, die Fusion.

Lenzing wollte 90 Prozent an Kelheim Hygiene Fibres kaufen. «Durch eine Übernahme wäre auf dem Markt ein Monopol entstanden. Der Wettbewerb wäre damit nicht nur in Deutschland, sondern weltweit zum Erliegen gekommen», erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt am Freitag in Bonn.

Spezielle Fasern aus Viskose sind der Haupteinsatzstoff in der Herstellung von Tampons, wie das Kartellamt erläuterte. Nachfrager sind die grossen Markenartikel- und die Handelsmarkenhersteller von Tampons. Andere Lieferanten als Lenzing und Kelheim Hygiene Fibres kommen für sie nicht in Frage: Die Umstellung der Produktion von der Herstellung herkömmlicher Viskosefasern auf die spezieller Viskosefasern ist laut Kartellamt wirtschaftlich nicht lohnend. Baumwollfasern seien kein in der Branche anerkannter Ersatz.

Rekurs angekündigt

Lenzing will den Beschluss nicht hinnehmen und kündigte eine Beschwerde vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf an. Nach Ansicht der Firma ist der betroffene Markt für Tamponfasern in Deutschland so klein, dass er nicht in die Zuständigkeit der Kartellwächter fällt. «Die Untersagungsverfügung betrifft einen Markt in Deutschland, der rund 10 Mio. Euro ausmacht», sagte eine Lenzing-Sprecherin. Märkte dieser Grössenordnung würden nicht der Kontrolle der Wettbewerbshüter unterliegen.

Das deutsche Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben am Standort Kelheim mehr als 700 Mitarbeiter, der österreichische Faser- Hersteller hatte 2011 einen Umsatz von rund 2,1 Mrd. Euro erzielt.

(sda)