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30. Juli 2009 15:19; Akt: 30.07.2009 16:20 Print
Das Unterhosen-Imperium Schweiz
Dass das Bundesamt für Kultur auch Unterwäschedesigner subventioniert, ist nur konsequent: Hier spielt die Schweiz in Sachen Kreativität und Marktmacht in der Champions League.
Die Schweizer haben es zurzeit nicht so mit Glanz, Glamour und den schönen Künsten. Die Musik spielt bei DJ Bobo; wer als Filmregisseur zu viel wagt, geht schneller unter als die Titanic, und die grossen Schreiber des Landes sind alt oder schon darüber hinweg.
Nur konsequent, dass das Bundesamt für Kultur Künstler in einem kreativen Genre subventioniert, wo die Schweizer zur Weltspitze gehören: Kürzlich hat das Bundesamt die Dessous-Linie «Le boudoir» der Bernerin Sandra Lemp mit
Die kreative Energie in der Branche paart sich mit der geballten Wirtschaftsmacht des Landes. So hat sich die Schweiz in den letzten Jahrzehnten zu einem wahren Unterhosen-Imperium entwickelt.
David Beckham in Schweizer Unterwäsche
«Die Schweiz ist mit klingenden Namen im Weltmarkt vertreten und nimmt dort eine markante Position ein», sagt Judith Niederberger, Sprecherin des Textilverbands Schweiz. Es gebe einige junge Firmen wie die ISO Sallmann, die gewisse Linien zu 100 Prozent in der Schweiz produzierten. «Swissness ist auch bei Unterhosen gern gesehen», sagt Niederberger. Stärkstes Aushängeschild sei die Firma Zimmerli.
Zimmerli wurde 1871 als Damenwäsche-Unternehmen gegründet. Mittlerweile stehen die Zimmerli-Hösli aber vor allem bei den Männern hoch im Kurs, und vor allem bei jenen, die in Blockbustern auftreten: Hugh Jackman trug in «Wolverine» die Zimmerli-Unterhose «Richelieu Rip Tank». David Beckham posierte für seinen Kalender 2009 in Zimmerli-Wäsche.
«Denzel Washington, Andy Garcia, Tom Hanks, John Cleese, Bill Murray oder Joaquin Phoenix bevorzugen es, sich wenn überhaupt nur in Zimmerli-Unterwäsche filmen zu lassen», sagte Zimmerli-Chefdesignerin Esther Ember in einem Interview mit der «Weltwoche». Gratiswerbung fürs Frauensegment der Firma machen gemäss Ember Jennifer Aniston, Sarah Jessica Parker, Jennifer Garner und Halle Berry.
Werbemodel Michelle Obama
Ein weiterer klingender Name ist die Forster Rohner. 2008 liess Prada die Herbstkollektion in der Traditionsfirma sticken. Das St. Galler Stickerei-Unternehmen ist vor allem für seine Lingerie-Materialien weltbekannt – gute Werbung machte allerdings auch Michelle Obama, als sie zur Amtsantrittszeremonie ihres Mannes ein Forster-Rohner-Produkt trug – ein ganzes Kleid, versteht sich, nicht bloss Unterwäsche.
Die Schweizer Unterwäscheindustrie hat nicht nur Kleines und Feines zu bieten, sondern auch ein paar Riesen. Das Zurzacher Unternehmen Triumph erzielte 2008 einen Jahresumsatz von 2,37 Milliarden Franken in 120 Ländern und beschäftigte
(Quelle: Youtube)
Calida im Museum
Calida aus Sursee macht einen Jahresumsatz von 230 Millionen Franken, vertreibt seine Produkte in 70 Ländern und beschäftigt 1400 Mitarbeiter. Es ist eines der grössten Unternehmen für Nacht- und Tagwäsche. Calida wurde eine ganz grosse Ehre zuteil: Die Unterhose Twisted Cotton schaffte es sogar ins Design Museum in London. Oberdesigner und Schweiz-Fan Tyler Brulé höchstpersönlich liess dafür seine Kontakte spielen.
Soviel Unterwäsche-Tradition geht dann doch nicht spurlos an den schönen Künsten vorbei. In Thomas Hürlimanns Novelle «Fräulein Stark» baut ein Vorfahre der Hauptfigur eine Unterwäsche-Stickerei auf.
Bettina Oberlis Komödie «Die Herbstzeitlosen» wurde 2006 zum Kassenschlager. Der Plot: Eine alte Emmentalerin produziert mit ihren Freundinnen Damenunterwäsche.
(Quelle: YouTube)
(job/sda)





























