Übernahmepoker

25. September 2017 16:54; Akt: 27.09.2017 07:55 Print

Das bedeutet der Air-Berlin-Deal für die Schweiz

von F. Lindegger - Jetzt ist klar, wer die marode Air Berlin übernimmt: Lufthansa und Easyjet. Flüge ab Zürich könnten dadurch teurer werden.

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Der definitive Entscheid wird zwar erst am 12. Oktober bekanntgegeben, doch bereits jetzt scheinen die Grundzüge des Verkaufs von Air Berlin klar: Die Swiss-Mutter Lufthansa und Easyjet werden sich die attraktivsten Teile der insolventen Airline sichern. Air Berlin verhandelt mit den beiden Fluggesellschaften über eine Übernahme. Das erklärte das Unternehmen am Montagnachmittag.

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Wie sieht der Deal aus?
Die Lufthansa interessiert sich vor allem für die Air-Berlin-Tochtergesellschaften LGW und den österreichische Ferienflieger Niki. Aus kartellrechtlichen Gründen darf Lufthansa Air Berlin nicht vollständig übernehmen. So kommt auch der britische Billiganbieter Easyjet beim Verkauf zum Zug. 16 Angebote sind insgesamt für die Air Berlin oder Teile davon eingegangen. Nun wird mit Lufthansa und Easyjet exklusiv verhandelt. Über den Kaufpreis ist Stillschweigen vereinbart worden.

Was bedeutet das Air-Berlin-Aus für die Kunden?
Kurzfristig können Air-Berlin-Kunden vor allem durch Flugausfälle und Anpassungen im Flugplan betroffen sein. So streicht die Airline etwa per 15. Oktober das gesamte Langstreckenangebot. Gleichzeitig erklärt Air Berlin, dass sie den Flugbetrieb aufrechterhalten wolle, denn das sei für einen erfolgreichen Abschluss der Transaktionen eine «Grundvoraussetzung».

Hat der Verkauf von Air Berlin Auswirkungen auf die Schweiz?
Erhält Lufthansa die gewünschten Einheiten von Air Berlin, könnte das in der Schweiz vor allem am Flughafen Zürich Auswirkungen haben. Lufthansa mit ihren Töchter Swiss, Edelweiss, Eurowings und Austrian Airlines würde dort noch dominanter werden. 2016 lag der Passagieranteil der Lufthansa-Gruppe am Flughafen Zürich bei gut 60 Prozent. Air Berlin folgte mit etwas mehr als 7 Prozent an zweiter Stelle. Mit der Übernahme der Slots durch die Lufthansa käme das deutsche Unternehmen am Flughafen Zürich auf einen Anteil von gegen 70 Prozent. Auf gewissen Strecken wie wie Zürich–Berlin Tegel oder Zürich–Düsseldorf war Air Berlin bisher der einzige Konkurrent der Lufthansa. Ohne neue Konkurrenz dürften bei diesen Verbindungen die Preise künftig steigen.

Was geschieht mit den Angestellten von Air Berlin?
Air Berlin beschäftigt zurzeit rund 8000 Mitarbeiter. Lufthansa-Chef Carsten Spohr erklärte bereits vergangen Woche, dass sein Unternehmen bis zu 3000 Angestellte übernehmen könnte. Bisher leaste Lufthansa 38 Flugzeuge samt Besatzung von Air Berlin und setzte sie auf den Strecken der Billig-Tochter Eurowings ein. Am Montag erklärte Air-Berlin-CEO Thomas Winkelmann, dass man auf dem Weg sei, für «rund 80 Prozent unserer Kolleginnen und Kollegen gute Chancen für neue Arbeitsplätze bei den Bietern erreichen zu können».

Warum wird Air Berlin überhaupt verkauft?
Seit Jahren schreibt die ehemals zweitgrösste deutsche Fluggesellschaft rote Zahlen. Hauptaktionär Etihad deckte jeweils das Minus. Mitte August zog die Golf-Airline einen Schlussstrich unter die verlustreiche Beteiligung und stellte seine Zahlungen ein, Air Berlin musste Insolvenz anmelden. Dank einem Kredit vom deutschen Staat in der Höhe von 150 Millionen Euro konnte ein Grounding vorerst verhindert werden.

Warum gab es so viele Bieter für eine seit Jahren defizitäre Fluggesellschaft?
Die bietenden Fluggesellschaften haben es vor allem auf die attraktiven Slots von Air Berlin in Europa abgesehen. Slots bezeichnen die Zeitfenster, in denen auf einem Flughafen gestartet und gelandet werden darf. Für die Lufthansa sind diese Start- und Landerechte besonders wertvoll, da Air Berlin viele identische Strecken wie die grösste deutsche Airline betreibt. Die Lufthansa kann so auf zahlreichen Strecken die Slots eines Hauptkonkurrenten übernehmen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sal am 25.09.2017 17:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sir

    Man hört das Gejammer dass die Flugpreise steigen werden, aber um eine Airline kostendeckend zu betreiben muss diese Billigjakob Mentalität aufhören.

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  • nick b. am 25.09.2017 17:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schade

    haben nur positive Erfahrungen gemacht mit Air Berlin, schade.

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  • Monopolist am 25.09.2017 17:27 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Abgekartelltes

    67% des Verkehrs am Flughafen Zürich ? Wie sieht es mit dem Kartellrecht in der Schweiz aus ? Thomas Winkelmann: 1998-2017 bei Lufthansa als: Leiter für das Geschäft in Lateinamerika und der Karibik; Sprecher der Geschäftsführung (CEO) & Verantwortlich für die Abteilungen Vertrieb, Marketing, Netzplanung und Unternehmenskommunikation der Germanwings GmbH; Chief Executive Officer (CEO) Hub München der Lufthansa. Seit Februar 2017 Vorstandsvorsitzender von Air Berlin (Quelle Wikipedia). Gibt es evtl Insiderinformationen beim Verkauf an Lufthansa ? Die CH-Konsumenten werden dafür Bezahlen!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • manfred ebersold am 29.09.2017 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schade

    werden die flieger 2 farbig, rot und blau, je zur haelfte gespritzt, und sind die sitze auch blau/rot unterteilt? bin gerade am letzten wochenende von berlin nach hause geflge. schade fuer diesen wechsel

  • Petr Penz am 27.09.2017 08:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Billigflieger .....

    Es ist an der Zeit, dass billig Airline vom Himmel verschwinden und wieder richtige Flugpreise bezahlt werden. Die "Geiz ist Geilmentalität" muss verschwinden. Fliegen soll sich der leisten können, der es auch bezahlen kann.

    • Mägi am 03.10.2017 07:25 Report Diesen Beitrag melden

      Auf zu hohem Pferd

      Vielleicht verdienen nicht alle Leute so viel wie Sie. Es ist doch in Ordnung, dass sich auch der Normalverdiener einen Flug leisten kann. Sie fliegen bestimmt nicht Economy oder? Am liebsten würden Sie bestimmt allein in einem Flugzeug sitzen oder?

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  • Pius am 26.09.2017 18:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Bin öfters Air Berlin geflogen. Grund waren die sehr guten Slots. Hätte auch mehr bezahlt. Hoffe die guten Slots ab Zürich bleiben.

  • Jolanda am 26.09.2017 15:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geiz ist Geil mentalität muss aufhören

    Ach hört doch alle auf zu jammern. Wer fliegen will soll anständig bezahlen, damit auch anständige Löhne bezahlt werden können. Ihr, die alles noch billiger haben wollt, wollt ihr auch den billigen Lohn? Nein! Also, könnt ihr euch den Flug nicht leisten, bleibt zuhause. Das mach ich nämlich immer schon so.Das ist am billigsten.

    • Leser am 26.09.2017 19:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jolanda

      Dafür würde ich dir 100 Daumenhoch geben wenn es ginge, aber dank so manchem Bildungsniveau hier wird das eh kaum einer begreifen...leider

    • Urs am 27.09.2017 10:18 Report Diesen Beitrag melden

      Die nächsten bitte.

      wer bestimmt die billigen ticket preise ich oder die billig fluggesellschaften? selber erst denken dann schreiben. mag es air berlin gönnen und es folgen noch mehr von diesen anbietern. ich fliege sehr oft zuerst schaue ich mir die fluggesellschaft an und nicht die preise, sicherheit ist mir mehr wert.

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  • Chris am 26.09.2017 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    No Lufthansa

    ein Marktanteil von 70% ist klar eine Monopolstellung. Deshalb dürfte Lufthansa sich nicht daran beteiligen. Ich hoffe dass die Schweizer Politiker da einschreiten und den Deal so nicht akzeptieren. Es reicht schon, dass wir aus Zürich für den exakt gleichen Flug mehr bezahlen als wenn jemand aus Europa nach Zürich fliegt und dann weiterfliegt.

    • Frei am 26.09.2017 15:11 Report Diesen Beitrag melden

      Freie Marktwirtschaft

      Wieso muss alles vom Staat reguliert werden? Die Gesellschaften müssen Flüge nach Zürich und zürich günstiger anbieten als Zürich-ins Ausland. Die Schweiz ist für Touristen unattraktiv genug und ohne die wenigen Touristen oder Umsteigetouristen wären die Flieger deutlich leerer.

    • Albert E. am 26.09.2017 16:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Chris

      Lieber fliege ich LH oder Swiss und die Arbeitsplätze bleiben in Europa. Es bringt nix die LH abzustrafen weil sie die Swiss gerettet hat.

    • hotzenblitz am 26.09.2017 16:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Chris

      Schweizer Politiker sollen einen Deal, der in Deutschland verhindern? wie, weshalb?

    • Tom am 27.09.2017 09:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @hotzenblitz

      Fragte ich mi h auch , was gehts denn den schweizer politiker an was in deutschland läuft.

    • Remo Kranz am 27.09.2017 09:30 Report Diesen Beitrag melden

      @Tom

      Ganz einfach, der Flughafen Zürich liegt in der Schweiz und die Swiss ist auch wenn sie der Lufthansa gehört, immer noch eine eingetragene Schweizer Firma. Da hat die Schweiz schon ein Wörtchen mitzureden.

    • fank am 29.09.2017 18:18 Report Diesen Beitrag melden

      @Chris

      Der Flughafen Zürich verdient mit LH genaus soviel, als wenn die Slots bei Air Berlin wären. Daurm geht es. Auch der Flughafen muss sein Personal bezahlen. Und genau der Punkt, dass Flüge ab ZRH teurer sind, liegt wohl kaum an der Lufthansa

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