Wolf of Wall Street

14. Mai 2017 14:54; Akt: 15.05.2017 12:15 Print

Das bot Jordan Belfort am 700-Franken-Seminar

von K. Wolfensberger, Dübendorf - Der Wolf of Wall Street war in der Schweiz – und erklärte seinem Publikum, wie man Billig-Aktien verhökert und wie auch wenig intelligente Verkäufer Erfolg haben.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Mit 26 Jahren war er bereits Multimillionär und schmiss rauschende Drogenpartys: Spätestens seit dem Film mit Superstar Leonardo DiCaprio ist Jordan Belfort weltberühmt. Nach einer abgesessenen Gefängnisstrafe wegen Betrugs und Geldwäscherei tourt er nun als «echter Wolf of Wall Street» durch die Welt und gibt Management- und Verkaufsseminare. Am Samstag machte er halt in Dübendorf bei Zürich.

Umfrage
Was halten Sie von Jordan Belfort?

Das Publikum in der Samsung-Halle bestand grösstenteils aus Verkäufern und Marketing-Fachleuten, die für ihren Job etwas lernen wollten. So auch der junge Schweizer F. R.*, der extra für den Event aus St. Gallen angereist ist. «Jordan Belfort ist ein ausgezeichneter Verkäufer. Dass er nun in die Schweiz kommt, ist eine einmalige Gelegenheit, die ich mir nicht entgehen lassen konnte», sagt R. zu 20 Minuten.

Tickets für 700 Franken

Fast vom Besuch abgehalten hätten ihn allerdings die eher hohen Preise, so der Ostschweizer. Er erklärt: «Zum Glück konnte ich über Bekannte ein vergünstigtes Ticket erhalten.» Weniger Glück hatten die meisten anderen Besucher: Sie bezahlten für ihre Billetts um die 700 Franken. Ausnahme waren die Studenten. Für sie gab es ein Angebot ab 75 Franken.

Jordan Belfort selbst betrat schliesslich mit 20 Minuten Verspätung die Bühne. Zuvor hatte sich noch N24-Wetterfee Susanne Schöne darin versucht, dem eher verhaltenen Schweizer Publikum das laute Applaudieren beizubringen – erst mit mässigem Erfolg. Doch schliesslich liessen sich die meisten anstecken und stimmten in die Technik aus Summen und Brustklopfen ein, die Superstar Matthew McConaughey im Film bekannt gemacht hatte.

Die Szene aus dem Film:

In Wirklichkeit hat dieses Brustklopfen allerdings gar nie stattgefunden. Oder in den Worten von Jordan Belfort selbst: «I never fucking did this!» («Ich hab das nie gemacht, verdammt noch mal») Allerdings, so der Wolf of Wall Street, sei die Technik ausgezeichnet, um sich selbst zu pushen und in eine positive Stimmung zu versetzen: «Das Wichtigste überhaupt für einen guten Verkäufer.»

Dass er selbst ein talentierter Verkäufer ist, stellte Belfort bei seinem Seminar unter Beweis. Statt nur trocken über sein Straight Line System for Sales zu referieren und den Leuten zu erklären, wie sie ihre Verkaufszahlen erhöhen können, erzählte er immer wieder Anekdoten aus seinem Leben. Gerade den Fans seines Films dürfte er damit grosse Freude bereitet haben, führte er doch jeweils aus, wie er die Szenen selbst erlebt hatte.

«Dumm wie Forrest Gump auf LSD»

Viel Zeit verbrachte Belfort beispielsweise damit, den Zuschauern zu erklären, wie es ihm dank seines Verkaufssystems gelang, im grossen Stil sogenannte Penny Stocks zu verhökern. Diese Aktien haben einen Wert von weniger als fünf Dollar und sind nicht an einer der grossen Börsen gelistet. Oder wieder in den Worten Belforts: «Dank meiner Technik gelang es auch Verkäufern, die so dumm waren wie Forrest Gump auf LSD, ihre Verkaufszahlen massiv zu steigern.»

Doch was muss ein guter Verkäufer laut Belfort nun konkret wirklich tun, um Erfolg zu haben? Er müsse erstens den Kunden von seinem Produkt überzeugen, zweitens als Person gut rüberkommen und drittens seine Firma in ein gutes Licht rücken. «Ganz wichtig ist auch, keine Zeit mit Kunden zu verschwenden, die sowieso nichts kaufen werden, weil sie zum Beispiel gar nicht genug Geld haben», so der Wolf of Wall Street.

Beim Publikum kommt Belfort damit gut an. Marketing-Fachmann F. R. aus St. Gallen: «Er hat zwar nichts gesagt, was ich nicht schon irgendwie mal gehört hätte, aber er ist definitiv ein grossartiger Entertainer.»

*Name der Redaktion bekannt.

Jordan Belfort im Interview mit 20 Minuten:

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • 24gi am 14.05.2017 15:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut für ihn

    Hat er doch die "Forest Gumps auf LSD" glatt ausgenommen.. 700.- für Tipps und tricks die, die meisten bereits kannten (laut Bericht)

    einklappen einklappen
  • Mr. Spock am 14.05.2017 15:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    irgendwann wird er Seminare darüber abhalten

    wie er den Besuchern pro Auftritt 70ü.- abknöpfte um ihnen zu erzählen was sie schon lange selber wussten.

  • Lamb of wallstreet am 14.05.2017 15:22 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz der Alte

    In der Ausschreibung stand sogar "für Verkäufer mit Provisionsverträgen", sprich Aufschwatzer... Sicher ein hochgebildetes Publikum, welches alles kritisch hinterfragt. Das er es immer noch drauf hat, hat er wieder bewiesen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mr Meier am 15.05.2017 18:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht gar nicht

    Jordan Belfort war ja noch knapp ok... Die Organisation und Moderation war eine absolute Katastrophe... ich bin sehr froh habe ich nicht den vollen Preis bezahlt. Sie haben nur alten Wein in neuen Schläuchen verkauft. Zu allem dazu ist Die Samsung Halle ist zwar schön aber nicht fertig gedacht.

  • Björn Aeschlimann am 15.05.2017 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Geld für Roger Federer foundation

    Ich habe 79.- bezahlt und an diesem Tag habe ich jetzt die 3 jährige Detailhandelslehre auf einfach Vorgetragen bekommen. Was 700.- das VIP Ticket war 2999.- Economy Saver war 179.- oder so auch noch teuer aber man musste nich 700.- locker machen. Jeder der das Straight Line System gekauft hat, hat somit 997.- an die Roger Federer foundation gespendet. Also es geht im nich nur ums Geld verdienen er möchte die Welt verbessern.

  • sub zero am 15.05.2017 16:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umfrage

    Das Ergebnis der Umfrage ist lustig... Die Regierung, die Versicherungen, Pharmaindustrie und die Medien betrügen Euch nicht??? Das ist dann wohl in Ordnung. Jordan Belfort - ein grosses Genie. Leider wusste er nicht, wann Schluss ist und hat den richtigen Moment verpasst. Ein Zocker eben.

  • EinLeser am 15.05.2017 16:05 Report Diesen Beitrag melden

    Für den Preis

    war ich einmal den ganzen Tag in der Samsung Hall und habe 6 Speeches von IT-Leuten aus ganz Europa gehört. Und da fragen die mich im Verkauf/Marketing immer, warum wir sie in der IT belächeln...

  • Deathclock am 15.05.2017 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Verschuldeter Stern

    Viele Tausende hat er in den Ruin getrieben, er selbst ist hoch verschuldet, aber die Marketing-Fachleute glauben, dass sie Gold mit der Kehrschaufel reingestopft bekommen. Ganz ehrlich, erstickt an eurem Überschuss und leidet unter eurem Gewissen.