Alinghi vs. Oracle

09. Februar 2010 18:24; Akt: 10.02.2010 02:02 Print

Das erbitterte Duell zweier Hobby-KapitäneDas erbitterte Duell zweier Hobby-Kapitäne

Wenn sich diese Woche BMW-Oracle und Alinghi erstmals auf dem Wasser gegenüber stehen, geht es auch um die persönliche Fehde zweier Superreichen. Oracle-Boss-Ellison ist der viertreichste Amerikaner, Alinghi-Chef Bertarelli der reichste Schweizer.

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Flaute in Valencia: Die erste Regatta im America’s Cup musste wegen fehlender Winde auf Mittwoch verschoben werden. Wenn es dann – nach einem schier endlosen juristischen Streit – endlich losgeht, werden zwei Personen im Mittelpunkt stehen, die nichts mehr hassen, als zu verlieren. Oracle-Boss Larry Ellison («ich hasse es Zweiter zu sein») und Alinghi-Gründer Bertarelli sind beides Siegertypen, die beide riesigen Reichtum angehäuft haben. Das Wirtschaftsmagazin «Forbes» schätzt das Vermögen von Ellison auf 22,5 Milliarden Dollar, jenes von Bertarelli auf 10 Milliarden Dollar.

Vom Tellerwäscher zum Milliardär

Beide Syndikat-Bosse gelten als äusserst ehrgeizig und beiden wird ein riesiger Wille nachgesagt – das war es dann aber auch schon mit den Parallelen. Zum Reichtum kamen die Segler auf höchst unterschiedliche Weise. Ellison machte die amerikanische Bilderbuchkarriere des Tellerwäschers, der eines Tages mit Milliarden um sich werfen kann. Der heute 65-jährige Ellison kam als uneheliches Kind in der New Yorker Bronx zur Welt und wuchs bei seinen Verwandten auf. Wegen des Todes seiner Stiefmutter brach Ellison sein Mathematikstudium ab und heuerte für wenig Geld – das angeblich für nicht mehr als Teigwaren reichte – bei Computerfirmen an.

Der grosse Coup gelang Ellison 1974, als er ein leistungsfähiges Datenbankprogramm entwickelte, das für die damaligen Computer aber noch zu speicheraufwändig war. Ellison war sich aber dem Potenzial seines Programms bewusst, entwickelte die Software weiter und gründete mit lediglich 2000 Dollar im Silicon Valley seine Software-Firma die heutige Oracle.

«The difference between God and Larry Ellison»

Heute ist Ellisons Firma der grösste Softwarehersteller der Welt. Zuletzt setzte Oracle über 22 Mia. Dollar jährlich um und beschäftigte 74 000 Mitarbeiter. Ellison stieg aber bereits vor Jahren in den Olymp der Unternehmer und der Superreichen auf. Die von Mike Wilson verfasste Ellison-Biografie trägt den Titel «The difference between God and Larry Ellison». Im Buch wird diese Differenz auch erklärt: Gott glaube nicht, Larry Ellison zu sein. Die Biografie ist eine Annäherung an den Ruf des Exzentrikers, der im Jahr 2000 fast Bill Gates als reichsten Amerikaner abgelöst hatte.

Eifriger Kläger

Ellison gilt als Playboy und Sportfanatiker und besitzt nebenbei den Flugschein für einen italienischen Kampfjet. Der 65-Jährige darf sich aber auch Besitzer einer der weltgrössten Motoryachten (Preis 400 Millionen Franken; 48 000 PS; 30 Mann Besetzung) nennen. Neben teuren Spielzeugen beherrscht Ellison aber noch eine andere Eigenschaft besonders gut: Das Klagen. Als sich die US-Kartellbehörde 2004 gegen die Übernahme des Oracle Konkurrenten Peoplesoft stellte, reichte Ellison sofort eine Klage ein – und konnte den Konkurrenten wenig später schlucken. Ein Klagewahn gabs auch gegen Alinghi: Auf das Schweizer Team prasselten in den letzen zweieinhalb Jahren ständig Klagen ein.

Wurde Ellison gedemütigt?

Weshalb sich Ellison dermassen in Bertarelli verbissen hat, ist unklar: Hat er die Niederlage im America’s Cup 2003 noch immer nicht verdaut? Fühlt sich der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Ellison vom reichen Sunnyboy Ernesto Bertarelli – dem das grosse Geld bereits in die Wiege gelegt wurde – noch immer gedemütigt? Fakt ist, dass Bertarelli ständig betonte: Weil Ellison auf dem Wasser nicht gewinnen könne, wolle der Amerikaner den Cup auf dem Rechtsweg holen.

Im Gegensatz zu Ellison segelte Bertarelli in seinem Leben stets mit Rückenwind: Mit 31 Jahren wurde der Schweizer mit italienischen Wurzeln CEO des Biotechunternehmens Serono, das er 1998 von seinem Vater erbte. Damit stieg Bertarelli flugs zum reichsten Schweizer auf. Mit Serono ging es aber wegen auslaufenden Patenten nicht nur bergauf, worauf Bertarelli den sinkenden Kahn just im rechten Moment verliess. Im Jahr 2006 verkaufte er das Unternehmen an die deutsche Merck Pharma: Für 16 Milliarden Franken – genug Geld, um das geheime, jedoch auf mehrere hundert Millionen Franken geschätzte Alinghi-Budget, etliche Jahre aus der eigenen Tasche zu bezahlen.

(sas/scc)

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