Neue Geheimpapiere

06. November 2017 10:30; Akt: 06.11.2017 16:00 Print

Das müssen Sie über die Paradise Papers wissen

Grosse Aufregung um die Paradise Papers – und Sie verstehen nur Bahnhof? 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Was sind die Paradise Papers überhaupt?
Es handelt sich um eine neue Veröffentlichung zu Daten über Briefkastenfirmen und andere brisante Geschäftskontakte hochrangiger Persönlichkeiten. Konkret zeigen die Geheimpapiere etwa, wie Superreiche und Konzerne in Steueroasen aktiv sind.

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Finden Sie es verwerflich, dass Politiker und Promis mit Briefkastenfirmen Steuern sparen?


Ein Datenleck offenbart die Steuertricks von mehr als 120 Politikern und Prominenten aus fast 50 Ländern. (Video: AFP)

Das kommt mir irgendwie bekannt vor ...
Es ist nicht das erste Mal, dass derartige Datenlücken heikle Geschäftsaktivitäten von bekannten Personen an die Öffentlichkeit bringen. Im letzten Fall ging es um die Panama Papers, die im Frühling 2016 veröffentlicht wurden. Sie zeigten, dass zahlreiche Politiker, Sportler und andere Prominente Vermögen in Offshore-Firmen hielten.

Welche Promis haben denn Dreck am Stecken?
In den Dokumenten aus Steuerparadiesen weltweit tauchen die Namen von mehr als 120 Politikern aus fast 50 Ländern auf. Dazu kommen Unternehmer und Sportler. Zu den bekannten Namen gehören etwa die britische Königin Elizabeth II, der U2-Frontmann Bono oder der frühere deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder. Auch die Namen von 14 Beratern, Spendern und Kabinettsmitgliedern von US-Präsident Donald Trump tauchen in den Dokumenten auf. Zu den bekannten Firmen, die in Offshore-Geschäfte verwickelt sein sollen, gehören etwa Nike, Apple, Facebook und Uber.

Gibts auch Schweizer Namen?
Ja. Der Name der SBB-Präsidentin Monika Ribar taucht im Leck auf. Sie wird im Zusammenhang mit den Geschäften des schweizerisch-angolanischen Geschäftsmannes Jean-Claude Bastos gebracht. Auch der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore nimmt in den geleakten Dokumenten eine zentrale Rolle ein: Offenbar betreffen 30'000 Dokumente allein Glencore.

Wer hat denn geholfen, das ganze Geld zu verstecken?
Im Zentrum der Paradise Papers steht die Firma Appleby auf den Bermudas. Die Anwaltskanzlei hatte vor wenigen Tagen eingeräumt, dass möglicherweise illegal Datenmaterial an Journalisten gelangt sei. Die Firma betont, auf legale Offshore-Praktiken zu setzen und im Einklang mit den Gesetzen zu handeln. Appleby wirbt auf ihrer Homepage damit, dass sie eine Kombination von «Einfallsreichtum und Talent» aus den bedeutendsten Offshore-Finanzzentren repräsentiere.

Wie sind die ganzen Geheimdaten überhaupt an die Öffentlichkeit gelangt?
Die 13,4 Millionen Dokumente aus Steuerparadiesen sind der «Süddeutschen Zeitung» über ein neues Datenleck zugespielt worden. Diese Daten teilte die Zeitung mit dem International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ). Auch Schweizer Zeitungen haben an der Recherche mitgearbeitet: die «SonntagsZeitung», «Le Matin Dimanche» und der «Tages-Anzeiger». Wie die ICIJ-Journalisten konkret an die Daten, die auch Firmenregister von 19 Steueroasen enthalten sollen, herangekommen sind, wurde aber nicht preisgegeben.

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA.

(vb)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simi am 06.11.2017 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Fehlende Empörung

    Die Schweiz, Österreich und Luxemburg wurden "ausgetrocknet", derweil erleben die amerikanischen und britischen Steuerparadiese in der Karibik (neben den Bahamas) einen nie dagewesenen Boom. Droht Deutschland Grossbritannien mit der Kavallerie? Stellen sich die USA an die Spitze des Kampfs gegen anglo-amerikanische Steueroasen? Wurden GB und die USA auf die graue Liste der OECD übernommen? Fehlanzeige. Bei diesem Kampf ging es nie wirklich um Steuergelder, nur um die Gewinne, die damit erzielt werden können.

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  • :) am 06.11.2017 12:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch nichts

    Neues... Da wird noch so einiges kommen.. Und wie gehabt: Passieren wird gaaaaarnichts. Weil die Leute, die etwas ändern könnten, dahinter stecken.

  • der Schmunzler am 06.11.2017 12:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CH fehlt...

    ...und wo bleibt denn unser (Fifa) Saubermann aus dem Wallis? Der müsste doch auch dabei sein?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sack Cool am 07.11.2017 21:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    falsche moralapostel

    es mag sein, dass es moralisch verwerflich ist, wenn man so viel kohle schaufeln und damit teure anwälte leisten kann, welche einem bei der steueroptimierung helfen können... jedoch finde ich viel fragwürdiger wie der journalismus heutzutage funktioniert: es werden il egal erworbene daten bezogen und man rühmt sich damit transparenz zu schaffen.. auch mit dem hintergedanken leserschaft zu locken und ihre gewinne zu optimieren!

  • M. Oney am 07.11.2017 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Macht mal Halblang!

    Alle in den Paradise Papers erwähnten Personen und Firmen haben sich an die Gesetze gehalten; soweit man bisher weiss. Sie haben nur die bestehenden gesetzlichen Lücken ausgenutzt; und das ist ihr gutes Recht. Und das Gleiche gilt für die Firmen, die sich darauf spezialisiert haben. Also mal abwarten, was aus der Hysterie wird.

  • Mike L. am 07.11.2017 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    und was wurde daraus?

    und was wurde daraus gemacht mit den panama papers? Wieviele dieser Politikger wurden zur rechensschaft gezogen? Wie geld würde als nachsteuer eingezogen? Ich behaupte mal ein ganz ganz kleiner bruchteil. Was hat das ganze gebracht? ich behaupte auch hier - NIX

  • Conrad Tanner am 07.11.2017 10:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mal den Leuten auf den Zahn fühlen

    wäre dich interessanr von Frau M. Ribar zu erfahren, was genau für Tätigkeiten ihr Angola Mandat beinhaltete. Vielleicht wie man am besten Container entlädt oder welche Ankerseile für die Schiffe die besten seien. Der Wissende schmunzelt über ihre Marchenerzählerei !

  • DD am 07.11.2017 07:16 Report Diesen Beitrag melden

    Gerechtigkeit

    Ich hoffe doch, dass diese Leute nun bestraft werden und man ihnen mindestens die Hälfte ihres Vermögens wegnimmt. Wer sich nicht ans Gesetzt hält, soll dafür bezahlen! Und nicht einfach ein paar hundert Franken... es muss schmerzen!

    • tadaeus am 07.11.2017 08:55 Report Diesen Beitrag melden

      Gesetze nicht gleich gerechtigkeit

      Die Leute HALTEN sich ans Gesetz. Das ist ja der Witz an der Sache. Diese Praktiken sind legal, wenn auch ethisch fragwürdig.

    • S.H. am 07.11.2017 09:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @tadaeus

      Genau so ist es. Ich frage mich was diese Enthüllungen eigentlich bewirken sollen? Solange die Gesetze nicht geändert werden (keine tax flatrate, keine Offshore Geschäfte, Keine Trusts etc. und zwar weltweit!) wird sich nichts ändern. Und niemand sägt den Ast ab auf dem er selber sitzt. Diese Berichte schürfen einzig die Unzufriedenheit, den Neid und Hass. Mir gefällt die Situation überhaupt nicht aber solange solche Machenschaften legal sind kann man keine Änderung verlangen.

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