Touristensperre

15. April 2018 07:21; Akt: 15.04.2018 07:21 Print

Das sagen Schweizer Unternehmer auf Boracay

von R. Knecht - Ab dem 26. April dürfen keine Touristen mehr auf Boracay. Unternehmer auf der philippinischen Insel dürfte das hart treffen.

Ab dem 26. April ist Schluss mit Tourismus auf der philippinischen Insel Boracay. (Video: AFP)
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Die Ferieninsel Boracay auf den Philippinen ist ab dem 26. April für Touristen gesperrt. Grund dafür ist die Umweltverschmutzung: «Boracay ist als ein Paradies in unserem Land bekannt und diese vorübergehende Schliessung soll sicherstellen, dass die kommenden Generationen dies auch noch erleben werden», sagt ein Sprecher des philippinischen Staatschefs Rodrigo Duterte.

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Duterte bezeichnete Boracay in der Vergangenheit als «Kloake». Die rund 500 Hotels, Restaurants und Unternehmen in der Tourismusbranche würden ihre Abwässer ungeklärt ins Meer leiten. Während der Schliessung sollen neue Abwasser- und Entwässerungssysteme gebaut werden.

Die Insel zieht alljährlich Millionen Ferienreisende an. Laut AFP entgehen der Tourismusbranche auf der Insel ohne die Touristen rund 900 Millionen Franken pro Jahr. Die halbjährige Schliessung dürfte also kostspielig sein.

«Die Sperre wird uns hart treffen»

David Goldberg ist Schweizer und lebt seit 30 Jahren auf Boracay. Er ist Manager des Grosshändlers Werdenberg International Boracay und des Delikatessenladens Heidiland Deli. «Die sechsmonatige Sperre wird uns finanziell hart treffen», sagt er zu 20 Minuten. Der Grosshandel werde fünf Monate lang komplett geschlossen bleiben und auch bei Heidiland rechnet Goldberg mit einer Schliessung für drei bis vier Monate.

Da Goldbergs Unternehmen ihre langjährigen philippinischen Mitarbeiter während dieser Periode behalten werden, müssten seine Firmen weitere Einschränkungen und Einbussen hinnehmen. Um dem etwas entgegenzuwirken, würde ein Teil der Angestellten auf die Büros in Städten auf anderen philippinischen Inseln transferiert. Ein weiterer Teil der Belegschaft werde die Zeit für Trainings nutzen.

Die Touristensperre wird laut Goldberg vor allem die kleineren und mittleren Betriebe treffen, denen die finanziellen Reserven fehlen. Sie seien am meisten auf die Kunden angewiesen, die ab dem 26. April fehlen würden.

Notfall-Fonds dürfte kaum helfen

Der Staat habe zwar einen Notfall-Fonds für solche Fälle, doch reiche er nur für 5000 Personen und werde wahrscheinlich nicht Unternehmen, sondern sogenannten Informal Workers zugute kommen. Das seien Personen, «die von der Hand in den Mund und gelegentlichen Jobs leben», sagt Goldberg.

Eine Sprecherin des Restaurants Swiss Inn, das den Touristen auf der Insel Schweizer Spezialitäten bietet, sagt, die Sperre sei zwar schlecht fürs Geschäft, das ja von den Touristen abhängig sei. Andererseits begrüsse das Swiss Inn aber die Bemühungen, die Insel für spätere Generationen zu erhalten. «Wir erwarten, dass die Touristendestination schlussendlich durch die Aktion gestärkt wird», sagt die Sprecherin zuversichtlich. Das Swiss Inn sei übrigens seit 2006 an die Kanalisation angeschlossen und trage darum nicht zur von Duterte angeprangerten Verschmutzung des Meeres bei.

Mövenpick sieht Chancen

Die Schliessung sei eine Chance, die Dienstleistungen zu verbessern, sagt eine Sprecherin von Mövenpick. Das Unternehmen betreibt ein Resort auf der Insel. Beim Abwassersystem der Anlage sieht Mövenpick aber keinen Verbesserungsbedarf: Vor der Eröffnung des Resorts im Dezember 2017 habe das Unternehmen eine eigene Kläranlage installiert, um sicherzustellen, dass das Abwasser nicht ins Meer fliesse.

Für Reiseveranstalter scheint der temporäre Ausschluss von Touristen kein grosses Problem zu sein. Hotelplan Suisse nimmt vorbeugend bereits seit dem 29. März keine Neubuchungen nach Boracay mehr entgegen. Das Unternehmen erklärt, dass die Sommermonate Nebensaison seien. Nur vier Kunden hätten im April bei Hotelplan Suisse einen Aufenthalt auf Boracay gebucht. Für sie werde nun eine alternative Lösung gesucht. Das dürfte nicht schwierig sein, da die Philippinen über 7000 Inseln umfassen. Laut Medienberichten könnte insbesondere die zweitgrösste philippinische Insel Mindanao von der Schliessung Boracays profitieren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • rem am 15.04.2018 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Geht es um die Umwelt scheint das keinen zu interessieten... Geht es ums Geld dann schon. Guter Entscheid da was zu unternehmen.

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  • Reisefüdli am 15.04.2018 07:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Plasticworld

    das erste Mal, dass ich ein Dekret dieses Präsidenten voll gutheißen kann. Bali und Co. sollten es gleichtun. Nur eines muss man auch sagen: es sind vor allem die Einheimischen, die den Umweltschutz mit Füssen treten.

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  • Musicstar am 15.04.2018 07:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles im Meer

    Und trotzdem werden z.B. die Schiffstickets nach der Entwertung bei einer Überfahrt auf eine andere Insel einfach ins Meer geworfen! Vielleicht wäre Bildung der Einheimischen der beste Start für eine bessere, sauberere Welt!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • bluediver am 15.04.2018 19:46 Report Diesen Beitrag melden

    Chinesen

    Ich war zwischen 1990 und 2000 einige male auf Boracay , ein Traum ! Dann vor 10 Jahren nochmals , kein Traum mehr ... Die Chinesen beginnen jetzt erst so richtig mit Reisen , sie überollen Südostasien ...

  • Fredo am 15.04.2018 19:28 Report Diesen Beitrag melden

    Nur die Investoren jammern

    Um die Filipinos mache ich mir keine Sorgen, die sind Überlebenskünstler und werden das halbe Jahr schon überstehen. Und wenn jetzt eine kleine Kneipe pleite geht, die von Schweizern auf Boracay betrieben wird um da Schweizer Spezialitäten anzubieten (Warum man auch immer bei 30 Grad Raclette, Käsefondue und Cordon Bleu essen sollte wenn man frischen Fisch haben kann), dann wird davon die Welt auch nicht unter gehen.

  • h.-r. ho am 15.04.2018 16:30 Report Diesen Beitrag melden

    Mindanao, geht's noch....

    Soll das ein Witz sein? Schickt doch die Leute nach Mindanao; Abu Sayef freut sich schon die neuen Feriengäste a Bord als Geiseln begrüssen zu dürfen. Auch der Süden von Palawan kann aus demselben Grund nicht meht empfohlen werden. Diejenigen die unbedingt den totalen Kick brauchen, können ja nach Afghanistan oder den Irak buchen.

  • maria am 15.04.2018 16:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    home

    ich würde niemals so lange fliegen, um dann in einer müllhalde ferien zu machen. da bleib ich lieber zu hause. hier ist es auch schön im sommer und im winter.

  • Georg Bauer am 15.04.2018 15:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich lebe hier

    Alles nicht ganz korrekt. Es werden 36000 Personen für 6 Monate etwa 10000 Pesos/mt erhalten. Das enspricht einem fairen Monatslohn.