Billiglöhne

04. April 2018 12:59; Akt: 15.05.2018 14:35 Print

Das sagen Wenig-Verdiener über ihre Jobs

von V. Sadecky - Unter 4'000 Franken im Monat verdienen, obwohl man Vollzeit angestellt ist: Berufstätige erzählen, warum sie für einen kleinen Lohn arbeiten.

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Unter 4'000 Franken im Monat verdienen, obwohl man Vollzeit angestellt ist: Berufstätige erzählen, warum sie für einen kleinen Lohn arbeiten: Nathalie, 30, Technikerin Ihr Lohn: 3'700 Franken brutto Empfehlung Lohnbuch: 7'083 «Die Bau-Firma, bei der ich seit fünf Jahren angestellt bin, ist sehr klein und kann sich einen höheren Lohn nicht leisten. Für mich war das okay, weil die Arbeitsbedingungen einfach super waren: sehr familiär, jeder konnte mitreden, jeder wurde ernst genommen, jeder war gleichberechtigt vom Chef bis zum Praktikanten, man konnte spontan Freitage eingeben, auch spontan früher Feierabend machen, unbezahlte Ferien beziehen. Nun wechsle ich aber in eine neue Firma, weil mein Partner und ich auf eine Familie hinsparen wollen. Das ist eine gleichwertige Stelle, bei der ich netto 6'000 Franken verdiene, aber bestimmt nicht mit denselben tollen Bedingungen rechnen kann.» Ihr Lohn: 3'800 Franken brutto Empfehlung Lohnbuch: 4'812 Franken «Meinen Lohn finde ich unfair, weil ich gelernte Kauffrau bin und drei Jahre Berufserfahrung habe. Ich bin darum momentan auf Stellensuche, werde meine Arbeit in der Baubranche aber erst kündigen, wenn ich einen Job auf sicher habe. Verzichten muss ich eigentlich auf nichts, aber das wäre anders, wenn ich nicht noch bei meinen Eltern wohnen würde. Da muss ich keine Miete zahlen.» Ihr Lohn: 3'500 Franken brutto Empfehlung Lohnbuch: 3'893 Franken «Ich arbeite in einem Altersheim. An meinen Job liebe ich den Umgang mit Menschen, gegen sie habe ich nichts. Leider gibt es von der Chefetage immer mehr Druck. Es gibt immer mehr zu tun und wir sollen schneller machen. Wir Pfleger haben langsam keine Kraft mehr. Wir verdienen mehr Lohn!» Sein Lohn: 3'900 Franken brutto, plus ein Prozent Provision Empfehlung Lohnbuch: 4'700 Franken «Ich würde so gerne in einem anderen Beruf arbeiten. Zum Beispiel in der Produktion oder als LKW- oder Sanitätsfahrer, aber wenn man mal über 50 ist und den Beruf nicht gelernt hat, hat man nur die Möglichkeit, zu bleiben und sich mit allem zufrieden zu geben. Ich finde die Grundlöhne im Detailhandel einfach unpassend, besonders weil wir je nach Kanton auch an Feiertagen wie dem Ostermontag arbeiten müssen» Das Lohnbuch 2018 zeigt: Taxifahrer verdienen in der Schweiz eher wenig. In welchen Berufen verdient man dafür vergleichsweise viel? Die folgende Bildstrecke gibt Aufschluss. : Die geschätzte übliche Entlöhnung für einen Apotheker ab Studium beträgt 6900 Franken im Monat. Es gibt keinen 13. Monatslohn. : Der Mindestlohn für Automechaniker in der Schweiz beträgt laut GAV 4450 Franken ab dem ersten Berufsjahr. Sie verdienen laut dem Lohnbuch 7473 Franken. Seit 2006 ist dieser Wert um 24,1 Prozent gestiegen. Als Bäcker verdient man ab dem ersten Berufsjahr mit GAV 4000 Franken. Das sind 17,9 Prozent mehr als 2006. Ein Credit Manager verdient 10'192 Franken pro Monat. Einen 13. Monatslohn gibt es nicht. Ab 36 Jahren erhalten Techniker im Baugewerbe laut statistisch mittlerem Lohnband 7667 Franken pro Monat. Ein 26-jähriger Bauingenieur erhält 6288 Franken pro Monat. Dabei handelt es sich um einen mittleren Lohn. Berufsoffiziere der Armee verdienen nach einer Grundausbildung an der Militärakademie 8192 Franken. Ab dem ersten Berufsjahr im Buchhandel gibts laut GAV 4000 Franken pro Monat. Bei diesem Beruf gibts pro Monat mindestens 8077 Franken. Das Salär für einen Chefarzt beträgt laut Lohnbuch 12'888 Franken. Dieser Wert ist seit 2006 um 3,6 Prozent gesunken. Laut GAV für das Coiffeurgewerbe sollen Coiffeure mindestens 3800 Franken verdienen. 2006 waren es 3200 Franken pro Monat. Dachdecker mit GAV erhalten ab dem zweiten Berufsjahr monatlich 4400 Franken. Für Damenschneider gibts 3740 Franken im Monat. Die Lohnempfehlung für einen Dentalassistenten oder eine Dentalassistentin nach abgeschlossener Grundausbildung lautet 3700 Franken pro Monat. Sie verdienen als Missionschef 13'555 Franken pro Monat und stehen damit an der Spitze des Vergleichs. Im Bild Ex-Botschafter Tim Guldimann. Ab dem fünften Berufsjahr erhält ein Drucker mindestens 4500 Franken pro Monat. : Ein Elektromonteur verdient laut GAV ab dem 2. Berufsjahr mindestens 4650 Franken pro Monat. In diesem Beruf verdient man ab dem 2. Berufsjahr 4050 Franken im Monat. Dabei handelt es sich um eine Lohnempfehlung. Laut dem Lohnbuch verdienen Flugverkehrsleiter ab dem 15. Lizenzjahr 13'106 Franken. : Mitarbeiter mit Berufslehre erhalten im Service laut GAV 4120 Franken. Gelernte Gipser verdienen ab dem zweiten Jahr nach der Lehre 4500 Franken im Monat. 3863 Franken erhält ein Gleismonteur im Monat mindestens. In der finanziellen Steuerung beträgt der Anfangslohn 10'519 Franken. Nach abgeschlossener Ausbildung beträgt der Anfangslohn einer Hebamme 6229 Franken. Seit 2006 ist dieser Mindestlohn um 32,9 Prozent gestiegen. : Ein Journalist verdient nach Lohnempfehlung ab dem 3. Berufsjahr 6440 Franken. Auf dem Bild die Redaktion des «Landboten» in Winterthur (Archivbild). Der Mindestlohn für Kleinkindererzieher ist seit 2006 um 32,7 Prozent auf 4977 Franken gestiegen. : Köche verdienen 4120 Franken ab dem 1. Berufsjahr. Landwirte erhalten laut Lohnbuch mindestens 3800 Franken pro Monat. : Lastwagenchauffeure verdienen vom zweiten bis dritten Berufsjahr 4535 Franken laut Astag-Vereinbarung. Primarschullehrer verdienen laut dem Lohnbuch mindestens 6981 Franken. Ein Pensum beinhaltet 29 Wochenlektionen. Für Maler beträgt der Mindestlohn ab dem zweiten Berufsjahr 4340 Franken. Ab dem vierten Berufsjahr erhält ein Maurer mindestens 5553 Franken. 4070 Franken ist der monatliche Mindestlohn eines Metzgers ab dem ersten Berufsjahr. Ein Papierschöpfer kann mit einem Mindestlohn von 3690 Franken rechnen. Ein Captain verdient bei der Swiss ab dem ersten Dienstjahr mindestens 8898 Franken. Ein Pfarrer oder eine Pfarrerin in der Landeskirche Zürich verdient ab dem neunten Dienstjahr 9084 Franken. Eine Pflegefachperson auf Diplomniveau erhält 5539 Franken pro Monat. Der Anfangslohn nach abgeschlossener Weiterbildung beträgt 6316 Franken. : Ein Polizeigefreiter verdient 5512 Franken pro Monat (Mindestansatz ab Beförderung zum Gefreiten). (Stand: 2017) In diesem Beruf gibts 7992 Franken pro Monat. Der Anfangslohn nach abgeschlossener Ausbildung für einen Rettungssanitäter beträgt 4977 Franken. Wer in der Saline arbeitet, kann mit einem Mindestlohn von 3712 Franken rechnen. Ab dem 22. Altersjahr können Schreiner laut GAV mit einem Lohn von 4430 Franken rechnen. Die Mindestlohnempfehlung für Sozialarbeiter beträgt für Führer eines dreiköpfigen Teams 7285 Franken. (Stand: 2015) Ohne Umsatzbeteiligung erhalten Taxifahrer ab dem zweiten Anstellungsjahr einen Mindestlohn von 3200 Franken. Die Mindestlohnempfehlung für Tierpfleger liegt bei 3500 Franken. Dieser Wert deckt sich mit dem Mindestlohn für Tierpfleger im Jahr 2006. Der Mindestlohn für Gebäude-Unterhaltsreiniger beträgt bis zum dritten Dienstjahr 3422 Franken. : Detailhandelsangestellte verdienen bei Coop und Migros ungefähr 4000 Franken im Monat. (Stand 2017) Mit GAV bekommt ein gelernter Zimmermann im Holzbaugewerbe 4435 Franken pro Monat, rund 5 Prozent weniger als vor 12 Jahren. Seit 2006 ist der Mindestlohn eines SBB-Zugchefs um über 20 Prozent auf 4969 Franken gestiegen.

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Nathalie, 30, Technikerin

Ihr Lohn: 3'700 Franken brutto
Empfehlung Lohnbuch: 7'083

«Die Bau-Firma, bei der ich seit fünf Jahren angestellt bin, ist sehr klein und kann sich einen höheren Lohn nicht leisten. Für mich war das okay, weil die Arbeitsbedingungen einfach super waren: sehr familiär, jeder konnte mitreden, jeder wurde ernst genommen, jeder war gleichberechtigt vom Chef bis zum Praktikanten, man konnte spontan Freitage eingeben, auch spontan früher Feierabend machen, unbezahlte Ferien beziehen. Nun wechsle ich aber in eine neue Firma, weil mein Partner und ich auf eine Familie hinsparen wollen. Das ist eine gleichwertige Stelle, bei der ich netto 6'000 Franken verdiene, aber bestimmt nicht mit denselben tollen Bedingungen rechnen kann.»

Andreas, 52, Möbelverkäufer

Sein Lohn: 3'900 Franken brutto, plus ein Prozent Provision
Empfehlung Lohnbuch: 4'700 Franken

«Ich würde so gerne in einem anderen Beruf arbeiten. Zum Beispiel in der Produktion oder als LKW- oder Sanitätsfahrer, aber wenn man mal über 50 ist und den Beruf nicht gelernt hat, hat man nur die Möglichkeit, zu bleiben und sich mit allem zufrieden zu geben. Ich finde die Grundlöhne im Detailhandel einfach unpassend, besonders weil wir je nach Kanton auch an Feiertagen wie dem Ostermontag arbeiten müssen»

Olja, 28, Pflegehelferin

Ihr Lohn: 3'500 Franken brutto
Empfehlung Lohnbuch: 3'893 Franken

«Ich arbeite in einem Altersheim. An meinem Job liebe ich den Umgang mit Menschen, gegen sie habe ich nichts. Leider gibt es von der Chefetage immer mehr Druck. Es gibt immer mehr zu tun und wir sollen schneller machen. Wir Pfleger haben langsam keine Kraft mehr. Wir verdienen mehr Lohn!»

Anna, 22, KV-Angestellte

Ihr Lohn: 3'800 Franken brutto
Empfehlung Lohnbuch: 4'812 Franken

«Meinen Lohn finde ich unfair, weil ich gelernte Kauffrau bin und drei Jahre Berufserfahrung habe. Ich bin darum momentan auf Stellensuche, werde meine Arbeit in der Baubranche aber erst kündigen, wenn ich einen Job auf sicher habe. Verzichten muss ich eigentlich auf nichts, aber das wäre anders, wenn ich nicht noch bei meinen Eltern wohnen würde. Da muss ich keine Miete zahlen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Apop85 am 04.04.2018 13:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pflege

    Die Pflege kommt in der Schweiz immer näher dem deutschen "Douglas-Modell: Come in and burn out". Das ist sehr schade. Grad die graufüchse in Bern sollten doch einsehen dass sich sie bald mal auf Pflege angwiesen sind und es da gutes und vorallem zufriedenes Personal braucht... 3'700 bei der körperlichen und psychischen Belastung und dazu noch der hohen Verantwortung ist einfach ein schlechter Witz...

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  • Gerste G. am 04.04.2018 13:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Altes Lied

    Unter dem Strich fast alle bezahlen zu wenig und die Politik unternimmt nichts, und wieso? Weil sie selber mehr als genug verdienen.

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  • Michi am 04.04.2018 13:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Als auf Kosten des Arbeitnehmers

    Da stossen sich Firmen auf Kosten der Arbeitnehmer gesund. Ausrede: können keinen höheren Lohn bezahlen... Aber den Aktionären oder Besitzer hohe Dividenden auszahlen, grosse Gewinne machen etc.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lieber Lebensfreude mit Ü50 am 05.04.2018 20:26 Report Diesen Beitrag melden

    als dicke Geldbörse u. Arbeitsfrust

    15 Jahre Schichtarbeit (ohne NS, Frauen durften nicht) zu 100% mit einem tollen Lohn, neben Ausgeben ging das Sparen ratzfatz. Kündigte, machte einen schicksalhaften Sabbatical von 3 Jahren, RAV, Pflegehilfe, Weiterbildung, keine Chance als Quereinsteiger, kündigen lassen, RAV, Fernstudium, Weiterbildungen, 100te Bewerbungen, überqualifiziert oder zu selbständig/initiativ ;-), ausgesteuert, selbständig gemacht, keine regelmässige Tätigkeit, mit Vitamin B % im Verkauf, Bereichswechsel angestrebt, Verhinderung, irr Job gesucht, gefunden + happy zu 1/3 des ehem. Gehalts! Zauberwort Wertschätzung

  • marko 33 am 05.04.2018 18:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glücklich

    Ich bin glücklich über mein Job

  • c. Glasnost am 05.04.2018 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    alle zahlen zu wenig

    Alle zahlen zu wenig...aber im nächsten Artikel bzw. Leserbrief beschweren sich alle über die zu hohen Preise in der Schweiz, Essen teuer, Restaurant teuer, aber in der EU haben die MA noch weniger Gehalt z. B. Serviertochter im Restaurant 1000 - 1500 Euro, darum ist das Essen billiger, im Supermarkt 400 Euro Job, Coiffeuse 600-1000 Euro, Bürokauffrau 1500 bis 2500 Euro je nach Region. Aber es ist eben alles billiger, wollen wir billiger, wird auch das Gehalt weniger, logische Konsequenz von Geil ist geil Mentalität!

  • Umkehr Iwan am 05.04.2018 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Wir hättens in der Hand

    Was würde die oberste Gilde tun, wenn alle unter Ihnen nicht mehr arbeiten würden? Was würden alle tun, wenn die oberste Gilde nicht mehr zur Arbeit käme?

    • Heinz Maier am 05.04.2018 18:25 Report Diesen Beitrag melden

      @Umkehr Iwan

      geht beides nicht. was kam zuerst, das huhn oder das ei?

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  • Lola am 05.04.2018 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Misere...

    Da hören wir vom Milliardengewinn den WIR gemacht haben und arbeiten seit Jahren wie blöd für 3800.-, ohne Lohnerhöhung, ohne Teuerung ohne nichts!!!! Hören tun wir immer, wems nicht passt kann gehen, es warten genug andere vor der Türe. Schön wärs, wenn all di x-tausend Arbeiter mal nicht zur Arbeit erscheinen würden....