Facebook, Swisscom, Grindr

04. April 2018 05:55; Akt: 04.04.2018 07:43 Print

Darum opfern Firmen die Daten ihrer Kunden

von Dominic Benz - Dauernd werden neue Datenpannen bekannt. Nehmen die Unternehmen den Schutz nicht ernst? Experten klären auf.

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Apple setzt auf Datenschutz. Das will der Tech-Gigant mit dem neuen Update seines iPhone-Betriebssystems iOS klarmachen: Ein blaues Icon soll dem Nutzer jetzt anzeigen, wenn eine Apple-Funktion auf persönliche Daten zugreifen will. «Apple ist der Überzeugung, dass Datenschutz ein grundlegendes Menschenrecht ist», schreibt der Konzern dazu.

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Solche Bemühungen haben die Unternehmen dringend nötig. Das zeigen die jüngsten Datenskandale bei Facebook, Grindr, Yourtaxi oder der Swisscom (siehe Box). Doch warum häufen sich solche Debakel beim Datenschutz in letzter Zeit? «Unter anderem fehlte es bislang an wirksamen Anreizen, sich mehr um den Datenschutz zu kümmern», sagt Martin Steiger, Anwalt für Internetrecht zu 20 Minuten.

Bussen in Millionenhöhe

Solche Anreize soll laut Steiger nun die neue Datenschutz-Grundverordnung der EU schaffen. Diese wird ab dem 25. Mai verbindlich angewendet. Auch Schweizer Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen in die EU müssen sich daran halten. Bei Missachtung drohen Bussen in Millionenhöhe. In der Schweiz ist das neue Datenschutzgesetz noch in Revision.

Zwar hätten viele grosse Konzerne wie Banken oder Versicherungen schon viel Geld in den Datenschutz investiert. Das sei aber bei kleineren Firmen weniger der Fall. «Viele Unternehmen kümmern sich überhaupt nicht um den Schutz der Daten ihrer Kunden», sagt Steiger.

«Datenschutz ist kein Wettbewerbsvorteil»

So gehe es etwa vielen Start-ups vor allem um den möglichst schnellen und günstigen Aufbau des eigenen Produkts und die Akquisition vieler Nutzer. Im Rennen mit der Konkurrenz werde der Datenschutz dann oftmals als lästig empfunden, sodass man anderen Dingen Priorität einräume, so Steiger.

Er glaubt nicht, dass der Datenschutz bislang einen wirklichen Wettbewerbsvorteil für Unternehmen bringt. «Datenschutz und Datensicherheit werden von den Kunden in der Praxis leider nicht belohnt», so Steiger. Das verleitet die Firmen dazu, sich oft erst viel später um das Thema zu kümmern.

Vorfälle unterschiedlich qualifizieren

Auch für Stefan Friedli, IT-Sicherheitsexperte von der Scip AG, ist klar: «Wenn man beim Datenschutz spart, kann das arg ins Auge gehen.» Er sieht eine leichte Zunahme von Datenskandalen in letzter Zeit. Solche hätte es schon viele gegeben, etwa bei Linkedin, Yahoo, Apple oder Adobe. «Das Interesse an solchen Vorfällen hat sich aber in letzter Zeit vergrössert, vor allem, wenn es noch um politische Einflussnahme geht», sagt Friedli mit Blick auf das Cambridge-Analytica-Debakel bei Facebook.

Die Vorfälle müsse man aber unterschiedlich qualifizieren. «Sie können von Grobfahrlässigkeit bis zu keinem oder geringem Selbstverschulden reichen.» Bei Facebook etwa seien die Daten missbraucht worden, während es sich bei Swisscom um einen Diebstahl gehandelt habe.

Keine hundertprozentige Sicherheit

Weil es letztlich trotz Investitionen keine hundertprozentige Sicherheit für Daten gebe, sei vor allem eine Frage entscheidend: Wie reagieren die Unternehmen auf eine Datenpanne? Die Kommunikation sei sowohl bei Facebook als auch bei der Swisscom nicht optimal gewesen. Letztere habe etwa viel zu spät über den Klau informiert und von «nicht besonders schützenswerten Personendaten» gesprochen. Friedli hält daher fest: «Egal wie gross ein Unternehmen ist – oftmals wird nicht geplant, wie mit solchen Zwischenfällen umzugehen ist.»


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Swissgirl am 04.04.2018 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fichenskandal um Technik Age

    Erinnert sich noch jemand an den Fichenskandal? Was ist dieses Datenhorden auf Social Media anderes als eine riesige Fichendatenbank. Damals gab es einen riesigen Aufschrei. Und heute? Nur ein müdes Achselzucken? Sind wir denn schon so abgestumpft? Haben uns Facebook und Co schon zu Marionetten erzogen?

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  • Amadies am 04.04.2018 07:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichgültiges Denken

    Ich habe nichts zu verbergen!!! Standardsatz von vielen Menschen. Ich auch nicht, trotzdem mache ich mir Sorgen. Letzthin wurde meine Kreditkarte gehakt und man versuchte von irgend woher auf der Welt, mit den Daten einzukaufen. Woher die wohl meine Kreditkartendaten hatten?????

  • Mani Motz am 04.04.2018 06:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Augenwischerei

    Es ist reiner Selbstschutz von Apple, den Usern vorzugaukeln, ihre Daten wären geschützt. Der beste Schutz ist, keine Daten bekannt zu geben, aber dann funktioniert das Iphone ja gar nicht...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • AnonymousSG am 04.04.2018 16:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verfassungsbruch

    Also in der Verfassung steht der Datenschutz felsenfest drin, was gibt es da auch zu basteln? Die Regierung sollte aufhören, Unternehmen wie Facebook, Swisscom und co zu schützen!

  • Chris am 04.04.2018 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Wahnsinnig neu...

    Firmen geht es nur um den Profit. Der Kunde ist egal, so lange er nur Geld bringt. Das war vor 100 Jahren so, es ist Heute so und es wird auch in 100 Jahren so sein. Alle machen in dem System mit, jeder weiss um was es geht.

  • Bürger am 04.04.2018 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    An die eigene Nase fassen

    Wenn ich beim BBL parkiere und meine Telefonnummer angeben muss bekomme ich am nächsten Tag jeweils Werbeanrufe. Nach einer Woche ist dann wieder Ruhe. Beim jedem Besuch genau das Selbe! Mysteriös... und das beim Bund. Mit Daten lässt sich wohl gut das Budget aufbessern.

  • Walt1 am 04.04.2018 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Datenschutz eine Illusion

    Gross eins auf Datenschutz machen, wenn da eigentlich gar keiner ist und auf Zeit spielen bis wir es wieder vergessen haben . Vielleicht sind so die Daten vor Hacker besser geschützt, aber die Firmen verkaufen immer noch fleissig an andere. Gibst du irgendwo deine Handy-Nummer an, kommt garantiert von irgendwoher ein lästiger Werbeanruf, obwohl du nirgendwo im Telefonbuch stehst. Wenn die erst deine Tel-Nummer haben, was haben sie sonst noch alles für Daten erhalten? Der ganze Datenschutz ist doch reine Illusion, leider.

  • I. AM. am 04.04.2018 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    Wir löschen Eure Daten...

    Das wäre doch der Ablasshandel des 21. Jahrhunderts. Interessant, wer lanciert als erster ein neues Geschäftsmodell?